Personen


06.07.2020 - 00:14 von Michael Anderau (ZEGG, Deutschland) an Go&Change


Liebe Freunde von Go&Change,

ich möchte euch meine Anerkennung und meinen Dank dafür aussprechen, dass ihr trotz unüberprüften Behauptungen in der Main-Post eure Ausrichtung für Kooperation und Verständigung auch in dieser Auseinandersetzung nicht aufgebt und in einen Schlagabtausch einsteigt, sondern einladet, zu kooperieren und an einer lichteren und liebevolleren Welt für alle mitzuwirken.

Diese zu Grunde liegende Haltung, eure Handlungen dazu, euer Umgang miteinander sind letztlich das, woran ich euch und eure Aussagen zu Liebe und Kooperation „messe“.
Und ich finde euch sehr überzeugend. Persönlich habe ich bei euch im positivsten Sinne grundlegend andere Erfahrungen gemacht, als was unsere gängige Gesellschaft bereithält.

Zum Beispiel die Erfahrung, dass ihr meine eigenen (unbewussten) Handlungen, die gegen das Leben und mich selber gerichtet sind, seht und konfrontiert, UND GLEICHZEITIG werde als Mensch dafür nicht verurteilt, sondern konkret und präzise darin unterstützt, dass ich es ändern kann. In der Regel machen wir ja die Erfahrung, dass wenn unsere „unschönen Seiten“ sichtbar werden, wir daraufhin gemieden und verurteilt werden, meist nicht mal offen kommuniziert. Bei euch ist es gemäß meiner Erfahrung anders.
Und wenn ich das jetzt mal auf die Gesellschaft extrapoliere – ich stelle mir vor, dass Menschen einander ausnahmslos unterstützten – sähe es viel lebenswerter aus auf diesem Planeten.

In den menschlichen Auseinandersetzungen würde ich an einigen Stellen anders handeln als ihr und habe ab und an die Frage, ob die die eine oder andere Intervention zielführend ist. Aber ungeachtet dessen, welchen Weg in der Auseinandersetzung ihr gewählt habt und ob ich ihn verstanden oder für richtig gehalten habe, konnte ich immer eine klare und ausgerichtete Entscheidung dafür sehen, dass wirklich alle Menschen ihre lichten, beitragenden Qualitäten entfalten und so zu einer besseren, kooperativeren Welt beitragen können.

Mir ist klar, dass ein Wechsel von unserer gegebenen Kultur des Mangels und Konsums zu einer Kultur der Liebe und Kooperation für viele Anteile in uns unvorstellbar bis beängstigend ist. Das heißt, wer bei euch einsteigen will, sollte sich gut geprüft haben und wissen, dass dennoch bisher unbekannte Schattenanteile auftauchen werden. Ich denke, es ist allen klar, dass das konfrontierend sein kann. Und ich habe auch in konfrontativen Situationen Vertrauen in eure menschliche Basis, da ich das so erfahren habe.
Und angesichts der Herausforderungen, die Schattenarbeit mit sich bringt, und da wir Menschen die Gründe für unsere (unangenehmen) Erfahrungen so gerne im Außen suchen, wäre es fast schon merkwürdig, wenn ihr nicht angefeindet würdet.
Ich habe von euch gehört und auch von einigen anderen Seiten mitbekommen, dass ihr den Dialog mit den Menschen sucht, die es schwer hatten.
Und falls ihr tatsächlich Grenzen überschritten haben solltet, dann gehe ich davon aus, dass ihr ein aktives Interesse habt, die Situation aufzuklären und ggf Verantwortung zu übernehmen.

ich wünsche mir mehr solche Projekte wie euch auf der Welt. Es ist schlichtweg nötig, wenn wir den Zustand unserer Gesellschaft anschauen.

Ich danke euch für euer Vorangehen, für euer Dranblieben, für eure Liebe
Michael

01.07.2020 - 10:56 von Simon Schramm (ZEGG, Deutschland) an Go&Change

Liebe Go & Change Gemeinschaft,
ich finde es traurig und schade, dass ihr gerade so viel Gegenwind bekommt für Euren Mut, Neues zu wagen und experimentelles Leben zu gestalten, weil ich euch als wichtigen Impuls und Labor für unsere Gesellschaft empfinde. Leider scheint es ein Muster unserer Welt zu sein, dass neue Ansätze erstmal Angst hervorrufen. Ich finde eine wache und hinterfragende Begleitung Eures Experiments und das in den Diskurs gehen mit Euch gut und sinnvoll, würde mir gleichzeitig eine wohlwollende Haltung und unaufgeregte Neugierde von seiten der Kritiker wünschen. Dass diese neuen Pflanzen, wie ihr es seid und wie generell das Phänomen der Gemeinschaften es ist von Seiten der Gesellschaft Luft und Raum zum Wachsen bekommen.
Ich habe auf jeden Fall einen fetten Dank für eure Inspiration, wie man Klarheit und Wirksamkeit zusammen mit Liebe in Gruppengefüge und zwischenmenschliche Beziehungen bringen kann.
Ich habe einen fetten Dank für die Kunst, die ihr weiterentwickelt habt, präzise Spiegel und klare Feedbacks zu geben, die uns als ZEGG und mich persönlich haben wachsen lassen und unser Leben bereichert haben.
Ich bin froh, dass wir uns als Gemeinschaften gegenseitig unterstützen und austauschen, weil wir gerade in den letzten Jahren und Monaten durch Klimawandel und Coronakrise mal wieder sehen, dass es neue, mutige Ansätze für alternative Lebensentwürfe braucht, und allein kann das niemand schaffen. Danke für unser gemeinsames Gehen auf diesem Weg.

Hugs

12.06.2020 - 13:40 von Ina Meyer-Stoll (ZEGG, Deutschland) an Go&Change

Liebe Menschen von Go & Change,

Ich stehe in Solidarität und Freundschaft zu euch, ich will nicht, dass ein Projekt, das sich für gesellschaftlichen Wandel einsetzt, für tiefstes Miteinander, für Lebendigkeit, Wahrheit und Liebe, von der Presse diffamiert wird. Diese suggestive Art von Journalismus hat mit Information nichts zu tun und dient nicht der Klärung von Sachverhalten.

Vor ca. drei Jahren habe ich Menschen von Go&Change kennen gelernt und war beeindruckt von der Offenheit und Klarheit, die ich mit ihnen erlebt habe. Ich selbst bin seit über 30 Jahren Gemeinschaftsberaterin und aktive Netzwerkerin mit Deutschen und Internationalen Gemeinschaften und lebe selber seit 36 Jahren in Gemeinschaft, im ZEGG.

Wir haben uns immer wieder auf unterschiedlichen Gemeinschafts-Vernetzungtreffen erlebt und auch gemeinsam Veranstaltungen geleitet. Die Menschen, denen ich dort begegnete, zeichneten sich durch hohe soziale Kompetenz aus und durch ihr Engagement, andere Projekte zu unterstützen. Ich war und bin von der Bereitschaft zur Zusammenarbeit und von der Qualität der Kommunikation beeindruckt.

Bei meinen drei Besuchen bei der Go & Change Gemeinschaft habe ich viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft erfahren. Ich habe sie in ihren Prozessen und alltäglichen Vorgängen sehr transparent und offen erlebt. Ich konnte überall dabei sein, zuhören und mitreden, wenn ich wollte. Ich habe ein hohes Niveau an Bewußtheit und Selbstverantwortung erlebt, das ich in dieser Klarheit in noch keiner anderen Gemeinschaft erlebt habe. Auch die Direktheit, mit der die Mitglieder der Gemeinschaft mir und sich gegenseitig Feedback gaben, hat viel soziale Kompetenz und Humor gezeigt.

Besonders hat mich der Umgang mit den Kindern beeindruckt, habe ich doch als Pädagogin selber einige Jahre in meiner Gemeinschaft das Kinderaufwachsen mit begleitet. Ich habe die Kinder kontaktfreudig erlebt und habe beobachtet wie herzlich, liebevoll und klar die Erwachsenen mit den Kindern im Alltag umgingen. Für mich ist es ein großer Wert in Gemeinschaft, dass die Eltern bei der Begleitung der Kinder von anderen Menschen unterstützt werden, dass die Gemeinschaft die Kinder “einbettet”, mitträgt, dass Eltern nicht alles allein machen müssen.

Ich habe auch erlebt, dass mit viel Achtsamkeit auf die Beziehungen geschaut wurde. Die menschlichen Fragen, Themen, Herausforderungen des Beziehungslebens wurden mit viel nüchterner und herzlicher Offenheit angesprochen. Auch das Thema Sexualität gehört dazu. Gemeinschaftliche Transparenz ist in diesen persönlichen Lebensbereichen beim Aufbau von Gemeinschaft unumgänglich.

Ich kenne den Alltag der Gemeinschaft noch nicht gut. Wenn Vorgänge in der Gemeinschaft passiert sind, die nicht in Ordnung waren, sollen die Beteiligten sie aufklären. Ich habe bei Klärungsvorgängen vor zwei Jahren erlebt, dass die Menschen von der Go & Change Gemeinschaft dazu bereit waren.

Ich dank euch für die Freundschaft und die Begegnungen, die ich mit euch erlebe und wünsch euch viel Unterstützung. Alles Gute euch,

Ina Meyer-Stoll


07.06.2020 - 19:52 von Rolf Lutterbeck (Integraler Coach) an Go&Change


Liebe Leserinnen und Leser von alle-seiten.org,
liebe Go & Change-Mitglieder, -Ehemalige, -Gäste,
lieber Felix!

Seit den 68ern kommt es hierzulande immer wieder vor, dass Lebensgemeinschaften durch ihre gelebte Andersartigkeit in Verruf geraten und in den Medien verrissen werden. Es ist aus meiner Sicht das gleiche Problem, das auch Menschen erfahren – und oft sogar in Gefahr bringt -, die sich über das (vor)herrschende Durchschnittsbewusstsein ihres Umfelds hinaus entwickeln.

Angefangen von Jesus über Sokrates, Galileo bis hin zu einem Erwachen eines demokratisch-säkularen, modernen Bewusstseins in traditionell-geführten Nationen. Auch die Weiterentwicklung zu einem integralen Bewusstsein führt zu Ablehnung und Anfeindungen, insbesondere aus dem Lager der Postmodernen, die doch eigentlich für Wertschätzung, Ökologie und Weltfrieden kämpfen.

Ich hatte ursprünglich geplant, an den Chef-Redakteur der Mainpost zu schreiben und ihn u.a. zu fragen, wie weit die bisher erschienenen Artikel zu Go & Change den eigenen journalistischen Leitlinien hinsichtlich der dort beschriebenen journalistischen Recherche-Sorgfalt, Achtung der Menschenwürde, Unschuldsvermutung, Verpflichtung zur Wahrheitsfindung, etc. entsprechen (Zitat aus dem Pressekodex: „Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.“). Nachdem ich aber die vielen Leserbriefe gelesen habe, die bereits an die Mainpost geschickt wurden, habe ich nicht das Gefühl, dass ein weiterer Brief von mir einen Unterschied machen würde. Zumal der Chef-Redakteur und die beiden Journalisten meine Meinung nicht als unparteiisch ansehen würden, da ich mit Felix Krolle aufs Engste befreundet bin und auch nur zweimal kurz G&C besucht habe.

Vielleicht erst einmal ein paar Worte zu mir, damit die folgenden Ausführungen besser eingeordnet werden können, aus welcher Perspektive und Haltung ich schreibe. Ich bin 66 Jahre alt, seit über 40 Jahren berufstätig und seit 25 Jahren selbständig als Integraler Coach, Berater und Ausbilder. Ich meditiere seit 30 Jahren zweimal täglich und lebe mit meiner Frau seit 42 Jahren in inniger Partnerschaft. Wer sich mit dem Modell Spiral Dynamics auskennt: durch die Meditation habe ich mich in den 90er-Jahren nach „Grün“ entwickelt und bin (vermutlich) seit Anfang dieses Jahrhunderts ein integral-denkender und handelnder Mensch („Gelb“). Und ich bin als ein sehr kritischer Geist bekannt.

Ich kenne Felix seit 2007 und durfte ihn eine Zeitlang auf seinem Entwicklungsweg als Mentor begleiten. Mit der Zeit entwickelte sich daraus einer immer tiefergehende Freundschaft, so dass er inzwischen neben meiner Frau zu den vier mir am nächsten stehenden Personen gehört. Ich bin tief berührt und beeindruckt von seiner Persönlichkeit, von der Tiefe seines Bewusstseins, von seiner subtilen Wahrnehmungsfähigkeit und von seiner hohen ethischen Haltung, die auch mich immer wieder herausfordert, meine Handlungen zu überdenken. Ich genieße bei unseren Treffen den immer wieder bereichernden Austausch und das sensible, differenzierte, empathische Feedback.

Ich „beobachte“ das von ihm mitinitiierte Projekt Go & Change – die Entwicklung einer Integralen Lebensgemeinschaft – seit den Anfängen in Halle und bin mit ihm regelmäßig in Kontakt. Bei diesen Gesprächen stelle ich auch – wie es so meine Art ist – schon mal kritische Fragen, weil ich als Unternehmensberater sehr vertraut bin mit Entwicklung von Organisationen, insbesondere auch den Themen Teamentwicklung und Kulturentwicklung (Bewusstsein, Werte,…). Ich bin mir aber bewusst, dass die Entwicklung einer integralen Lebensgemeinschaft etwas ganz anderes ist als die Entwicklung eines Unternehmens.

Das höchste Anliegen von G&C ist, eine Kultur zu schaffen, die auf Liebe ausgerichtet ist. Zitat: „Das beinhaltet eine Arbeit an unseren Gedanken, Gefühlen und Handlungen, unserer Kultur und unseren individuellen und kollektiven Schatten. Wir suchen immer weiter nach noch höheren und liebevolleren Perspektiven, um unser Handeln danach auszurichten. Je mehr jemand dazu fähig ist, Perspektiven zu leben, die dem Wohle aller dienen, desto mehr ist er demnach auch an der Leitung und Ausrichtung der Gemeinschaft beteiligt.“ Mehr dazu siehe hier https://goandchange.de/ueber-uns/. Ziel ist es, mit einigen Kooperationspartnern zum sozialen Wandel (mehr Liebe) in der Welt beizutragen.

Liebe ist hier nicht nur gemeint im Sinne von Selbstliebe, d.h. die eigene Größe und das eigene Licht finden und annehmen (daher ist die sog. Schattenarbeit so wichtig). Und auch nicht nur als Nächstenliebe und Liebe zwischen Menschen und zur Natur. Sondern es geht auch – zumindest ist das mein Vermutung nach den Gesprächen mit Felix – um universelle Liebe, die in „weiblicher Form“ bedeutet, alles verständnisvoll annehmen, empathisch umarmen und liebevoll integrieren zu können (Agape). Das „männliche Große Herz“ (Eros) hingegen „kämpft“ für das Gute und will transformatorische Entwicklung, strebt zu Höherem.

Der kulturelle Anspruch von G&C an seine Mitglieder ist in seiner Kompromisslosigkeit so ziemlich das Herausforderndste was ich bisher in meinem privaten und beruflichen Leben erfahren habe. Ich wundere mich nicht, dass von außen betrachtet (aus einer vornehmlich konventionellen Sicht) eine solche post-postmoderne Gemeinschaft sehr irritieren muss und in seinen Abläufen gar nicht verstanden werden kann. Auch aus der Sicht vieler anderer Lebensgemeinschaften, die meist heterarchisch organisiert und konsensorientiert sind, ist die im Lülsfelder Kloster praktizierte bewusstseins-hierarchische Organisation unverständlich und wird mit konventionellen Machtstrukturen verwechselt (Ken Wilber nennt das Prä-Trans-Verwechslung).

Wer sich dafür entscheidet, Mitglied von G&C zu werden, hat vorher die Gelegenheit, an einem Kennenlern-Wochenende erst einmal einen Eindruck zu gewinnen und zu erfahren, was es bedeutet, in dieser Gruppe zu sein. Weiterhin besteht die Möglichkeit, einige Probewochen dort zu verleben, bevor er/sie sich entscheidet, auf Dauer dort zu wohnen. Diese Vorgehensweise ist bewusst gewählt, damit neue Mitglieder genau wissen, auf was sie sich einlassen. Zum G&C-Alltag gehören immer wieder auch (Schatten-)Prozesse, die – wie ich aus Erzählungen weiß – bis in die frühen Morgenstunden dauern können. Derartige Prozesse sind durchaus anstrengend und manchmal (psychisch) schmerzhaft, aber nun mal Teil der gelebten Kultur. Keine/r ist gezwungen, da zu bleiben – es ist eben keine Sekte, aus der man nicht aussteigen kann. Viele Mitglieder sind daran gescheitert, den Werte-Ansprüchen von G&C gerecht zu werden und haben – einige auch unfreiwillig – das Kloster wieder verlassen (müssen). Das ist frustrierend, aber seinen Ärger mit dem Vorwurf „Psychoterror“ auf G&C zu projizieren ist nicht die Lösung. Das ist ungefähr so, als würde ich meinen Arzt auf Körperverletzung verklagen, nachdem ich mir vorher von ihm freiwillig eine Spritze hab geben lassen.

Ich bin sehr daran interessiert, dass dieses integrale Projekt einer neuen integralen Gemeinschaftsform gelingt, weil ich als integraler Berater und Coach auch der Meinung bin, dass wir für die Zukunft der Menschheit und des ganzen Planeten mehr integrales Bewusstsein für eine lebenswertere Welt brauchen. Die globalen Herausforderungen im Bereich Politik, Bildung, Ökologie und Wirtschaft lassen sich nur mit integral denkenden Menschen an den wichtigsten Positionen bewältigen. Die Klimakrise und die aktuelle Corona-Krise machen uns das gerade sehr deutlich.

Ich wünsche der Gemeinschaft und Dir, Felix, viel Kraft und Gelassenheit.

Ich schicke Euch Licht und Liebe.
Rolf Lutterbeck
Bad Homburg, den 7. Juni 2020


05.06.2020 - 12:11 von Achim Ecker (ZEGG, Deutschland) an Go&Change


Stellungnahme zu den erhobenen Vorwürfen gegen die Entwicklungsgemeinschaft Go & Change.

Seit mehr als 2 Jahren besteht regelmäßiger Kontakt und gegenseitige Unterstützung zwischen unseren beiden Gemeinschaften (go&change und ZEGG). Davon haben beide in den letzten Jahren viel profitiert. In den Corona-Zeiten entstand ein regelmäßiges Online Treffen zwischen Menschen aus Go&Change, ZEGG, Tamera und Frieda Radford, die im Schweizer GEN-Netzwerk arbeitet. Es sind sehr befruchtende und befreundende Treffen. Wir arbeiten dort an einer gemeinsamen Ausrichtung über die Ziele der einzelnen Gemeinschaften hinaus .

Wir wollen unsere Kräfte zusammenschließen, um in dieser transformatorischen Zeit in der Welt für Klarheit und Liebe wirksam sein zu können.

Gerade als ich jetzt zu Besuch war, erschien der Artikel in der „Mainpost“, der in erschreckendem Maß vielen verleumderischen Artikeln entsprach, die in den Jahren 1986 bis ca. 2000 über unsere Gemeinschaft und später das ZEGG erschienen sind. Go&Change ist in den letzten Monaten nochmal mehr ihrem Selbstanspruch an Ehrlichkeit, Liebe und Kooperation gefolgt. Diese Haltung wurde auch von den Mitgliedern der Gemeinschaft eingefordert. Einige Gemeinschaftsmitglieder wollten aus verschiedenen Gründen diesen Weg nicht mitgehen und mussten daher die Gemeinschaft verlassen.

In meiner 30 jährigen Erfahrung als Seminarleiter und Coach von Gemeinschaften weltweit habe ich viel über Schatten gelernt. 2012 wurde ein Artikel dazu von mir dazu veröffentlicht (https://www.sein.de/brandenburg/schattenarbeit/). Kurz erklärt verdrängen wir im Leben alles in den Schatten, was nicht zu unserem Lebenskonzept und Umfeld passt. Da sie damit aber nicht weg sind, werden sie auf andere projiziert und im Außen bekämpft. Das ist ein immer verrückter werdender Weg der Entfremdung von eigenen Lebensimpulsen. Es ist auch der Stoff für die im Artikel beschriebenen Vermutungen.

Ich meine darin ein wiederkehrendes Muster zu beobachten mit den immer gleichen Vorwürfen. Es macht mich traurig, dass jetzt schon wieder einem das Leben bejahenden Ansatz Sand ins Getriebe geworfen wird, statt in einen fairen und fragenden Dialog einzutreten. Das ist leider in diesem Fall wieder nicht geschehen. Mit meiner mehr als 30jährigen Erfahrung im Aufbau von Gemeinschaften stelle ich mich voll hinter die Menschen von Go & Change und kann keinen der Vorwürfe bestätigen.

Bei meinen Besuchen hatte ich in vollem Umfang freien Zugang zu allen Räumen und Treffen und fand ein hohes Maß von Fürsorge und liebevoller Klarheit in der Bewusstseinsarbeit vor. Von diesen Impulsen lasse ich mich gerade neu inspirieren, um auch unser Gemeinschaftsleben neu zu beleben und wahrhaftiger zu machen.

Als Coach und Supervisor für Gemeinschaften weltweit und als Träger der ZEGG Gemeinschaft stehe ich nach bestem Wissen und Gewissen zu Go & Change, damit sie diese Diffamierungen nicht mehr alleine tragen müssen.
Falls Sie an mich als Augen- und Ohrenzeugen, der nicht Teil der Gemeinschaft ist, noch Fragen haben, stehe ich gerne für Sie zur Verfügung.

Achim Ecker


30.05.2020 - 09:33 von Frieda Radford (Schweiz) an die Mainpost


Liebe Verfasser des Artikels betreffend
Go & Change, Ich grüsse Sie!

Als Gemeinschaftsälteste (75), Weitgereiste, Menschenkennerin und angesichts der Weltsituation engagierte Frau für einen gesellschaftlichen Systemwechsel steht es mir zu, Ihnen eine andere Sichtweise auf die Menschen in der Gemeinschaft Go & Change zu vermitteln.

Gerne auch um Ihren Blickwinkel weiter zu öffnen für den anstehenden Gesellschaftswandel, dem die Gemeinschaft Go & Change verpflichtet ist.

Vielen forschenden Geistern weltweit ist klar, dass wir für echte Friedensarbeit eine fokussierte Innenarbeit brauchen, d.h. eigene egoische Strukturen zu erkennen und zu bereinigen. Sich nicht mehr mit Ihnen zu identifizieren ist zentral für Friedensbildung in allen Dimensionen der Nachhaltigkeit – sozial, kulturell, wirtschaftlich und ökologisch.

Das wiederum bedeutet, in eine Beobachterposition zu gehen und eigene Gedanken und Gefühle, eigenes Verhalten und eigene Konzepte, Werte, Fähigkeiten oder Persönlichkeitsmerkmale aktiv zu betrachten. Diese Arbeit braucht idealer weise den Feedback von Begleitern, die Menschen helfen, den tief sitzenden Schattenseiten in ihrem Ego auf die Spur zu kommen. Das Erkennen und loslassen, das Austreten aus der Identifikation ist oft schmerzlich, da mögen die Spiegel noch so liebevoll und auch humorvoll daher kommen.

Genau dieser Arbeit hat sich Go & Change verschrieben. Sie sind nicht die Einzigen, die erkannt haben, das ohne die Selbsterkenntnis kein Weg in die Freiheit führt. Allerdings arbeiten sie an vorderster Front – konsequent und engagiert. Als solche habe ich die Gemeinschaft kennen gelernt und bin beeindruckt. In diese Art der Innenschau einzutreten muss der Mensch wollen und der Begleitung durch Spiegelung zustimmen. Dunkle Anteile zu erkunden braucht Mut und Kraft. Das weiss ich aus eigener Erfahrung. Diese Arbeit braucht Zeit.

Es tun sie am ehesten diejenige, die bewusst gewählt haben sich nicht länger von ungeeigneten Mustern führen zu lassen. Es sind diejenigen, die sich für Liebe und Frieden entschieden haben. Auf alle Fälle habe ich niemanden bei Go & Change als unter Zwang stehend empfunden, sondern offen, angenehm und freudig in Arbeit.

Menschen, die sich aus solchen Prozessen zurückgezogenen haben oder entlassen wurden, übernehmen leider meist wenig bis keine eigene Verantwortung. Sie richten die Emotionen eher gegen diejenigen, die ihnen das „angetan“ haben. Dies in einer Weise, die dann so ziemlich alles verdreht. Die Haltung der Schuldverschiebung macht leider einen Grossteil unserer gesellschaftlichen Kultur aus. Und genau diese Haltung will verändert werden, sodass sie selbstverantwortlich zum Gedeihen von Allen und Allem wirkt. Aussteiger packen so meist noch ein ungelöstes „Thema“ in ihren Rucksack ohne sich dessen bewusst zu sein.

Es braucht, für sich selbst verantwortliche Menschen, die angesichts der Bedrohung durch Krieg, Klimawandel, soziale Ungerechtigkeit und vielem mehr vermögen die Story noch in eine heilsame Richtung zu lenken.

Soweit…da gäbe es natürlich noch viel mehr zu sagen und es hätte mich gefreut mit Ihnen gesprochen zu haben bevor sie zur Feder griffen. Vielleicht hätte das was geändert oder auch nicht. Doch möglicherweise wäre anstatt einem Verriss eine konstruktive Kritik entstanden und nicht eine tendenziöse Reportage, die Ihnen auch nicht gut tut. Vielleicht reichen diese Zeilen nochmals vertieft zu recherchieren? Gerne beantworte ich weiterführende Fragen.

Mögen wir gemeinsam alles geben um die Welt in ein herzliches, offenes und friedliches Zeitalter zu führen!

Ihre,
Frieda Julie Radford
Gemeinschaft Zäme


28.05.2020 - 13:41 von Leila Dregger (Tamera, Portugal) an die Mainpost

Guten Tag,

Mein Name ist Leila Dregger, 60, ich bin Journalistin und lebe seit über 30 Jahren in Gemeinschaften, in den letzten 17 Jahren in Tamera, Portugal. Ich habe jahrelang für GEN, das Global Ecovillage Network, gearbeitet und war für diese Organisation in vielen Ländern auch im globalen Süden unterwegs, um Gemeinschaften weltweit zu dokumentieren. (Darüber habe ich das Buch “Ökodörfer weltweit” im Neue Erde Verlag und viele weitere Publikationen verfasst.) Ich sehe Gemeinschaften, Dorfgemeinschaften, lebendige Nachbarschaften und überhaupt soziale Nachhaltigkeit als absolute Überlebensbedingung angesichts der globalen Bedrohungen wie Klimawandel, aber auch psychischer Verelendung wie Anonymisierung und Einsamkeit.

In der vielfältigen Gemeinschaftsszene gibt es immer wieder Gruppen, die in ihrer Konsequenz und Unerschrockenheit Pionierarbeit leisten. Damit erarbeiten sie ein Wissen über zwischenmenschliche Wahrheit und echte Friedensarbeit, das dann von anderen Gruppen übernommen werden kann. Wir brauchen diese Pionier-Gemeinschaften, um den menschlichen Untergrund an Aggression, Angst, Leiden bewusst machen und gemeinsam zu überwinden, der sonst immer wieder zum Zerbrechen von Gemeinschaften führt. In solchen Gruppen wird viel ausprobiert und gewagt, da ist es unmöglich, immer in der Komfortzone zu bleiben. Es braucht dafür enormen Mut, Entschlossenheit, Feingefühl sowie eine absolute ethische Grundentscheidung. Ich habe all das bei Go&Change gefunden.

Ich bin bei mehreren öffentlichen Veranstaltungen Mitgliedern von Go&Change begegnet. Sie haben sich in anderen Gemeinschaften und bei Festivals immer wieder sehr unterstützend eingebracht, was mich beeindruckt hat. Daher habe ich sie im Februar diesen Jahres für zwei Tage besucht und stehe seitdem mit mehreren von ihnen im regelmäßigen Online-Kontakt.

In diesen zwei Tagen hatten wir so intensive Gespräche, wie ich sie aus der eigenen Pionierzeit unserer Gemeinschaft kenne. Wir – alles erfahrene Mitglieder verschiedener Gemeinschaften – wurden gefragt, ob wir einverstanden sind, wenn wir uns gegenseitig “spiegeln”, also uns auch Dinge in der gegenseitigen Wahrnehmung sagen, die man sich normalerweise nicht sagt. So entstand ein unglaublich interessantes Gespräch über unsere ganz normalen gewohnten Verhaltensweisen, von denen bei näherem Hinsehen einige doch ganz schön destruktiv und unbefriedigend sind. Wir fühlten uns immer wieder – durchaus mit viel Humor und Geist – einerseits wertgeschätzt, andererseits provoziert, uns wieder, trotz unseres Alters mutiger, lebendiger, entschlossener einzubringen.

Wie können wir uns ändern? Wie können wir lebendiger, wahrer, wirksamer werden und uns darin gegenseitig unterstützen? Eine sehr spannende Frage. Eine Antwort ist: indem wir es erlauben, gegenseitig Wahrheit zu sagen und zu hören, selbst wenn sie wehtut. So entstand ein Stück Vertrauensaufbau und Ermutigung, für den ich sehr dankbar bin.

Ich durfte in den zwei Tagen überall hin, es gab keine verschlossenen Türen, ich habe große Herzlichkeit und Offenheit bei allen Bewohnern gefunden, das vegetarische Essen in der gemeinsamen Küche war hervorragend.

Von den Gewalt-Mechanismen, die im Zeitungsartikel erwähnt wurden, kann ich überhaupt nichts bestätigen. Wohl aber glaube ich, dass das Leben bei Go&Change herausfordernd ist durch die große Verpflichtung zur Wahrheit untereinander. Sicher kam jeder mit großen Hoffnungen hierher. Ich kann mir deshalb vorstellen, dass bei ehemaligen Mitgliedern eine Enttäuschung zurückbleibt, dass sie “es nicht geschafft” haben. Eine Enttäuschung, die man gern den anderen als Wut in die Schuhe schiebt.

Noch ein kleines Erlebnis von meinem Wochenende, das mich beeindruckt hat: Als Frühaufsteherin saß ich morgens eine Weile allein in der Küche, bis ein etwa zehnjähriges Mädchen kam, sich mit ihrem Frühstück zu mir setzte und mir in großer Offenheit und Kontaktfreude aus ihrem Leben erzählte. Wo Kinder Fremden gegenüber so vertrauensvoll und neugierig sind, muss etwas sehr Schönes unter den Menschen passieren.

Ich hoffe, dass die Information Ihnen dienlich ist.

Viele Grüße aus Portugal

Leila Dregger
Tamera Peace Research Centre
Monte Cerro, 7630-392 Relíquias
Portugal