Ehemalige


Aufruf an die ehemaligen Bewohner von Go&Change


26.05.2020 - 00:24 von Go&Change an alle ehemaligen Bewohner und die Mainpost

Liebe ehemalige Mitbewohner,

wahrscheinlich haben inzwischen alle von euch mitbekommen, dass ein Artikel mit starken Anschuldigungen gegen uns bei der Mainpost veröffentlich worden ist. Für alle, die ihn noch nicht kennen, ihr findet ihn unter https://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/psychodruck‐und‐sexualisierte‐gewalt‐in‐ehemaligem‐kloster;art769,10449309

Auf unserer Homepage und auf Facebook findet ihr unsere erste öffentliche Stellungnahme dazu: https://goandchange.de/aktuelles/

Die Hauptpersonen um die es sich im Artikel handelt sind anonyme ehemalige Mitbewohner, also einige von euch, sowie Sebastian Stark und Ralf B..

Jeder von euch weiß, dass wir IMMER für eine Klärung mit allen ehemaligen Bewohnern und Freunden gegangen sind undeuch allen viele Klärungs‐ und Gesprächsangebote, auch mit Hilfe von Mediatoren o.ä., gemacht haben.

Wir begegnen auch dieser Situation mit Transparenz und Liebe und arbeiten an einer konstruktiven Lösung.

Jetzt sollten wir uns zusammen hinter unseren gemeinsamen Liebesimpuls der letzten Jahre stellen.

Daher bitten wir euch alle bei der Redaktion der Mainpost anzurufen, oder eine E‐Mail (gerne uns ins CC nehmen) zuschreiben und eure Version der Geschichte zu erzählen. Genauso, wie im jetzigen Artikel, dürft auch ihr auf eure Anonymität bestehen. Wobei jede namentliche Stellungnahme der Wahrheitsfindung mehr dient. Ihr müsst für uns nichts bestätigen oder verneinen, sondern nur von euren erlebten Räumen und Zeiten erzählen.

Wir stehen nach wie vor hinter allen Eltern, die ihre Kinder hier verloren haben.

Selbstverständlich werden wir all unsere Vertrauensräume und Aufarbeitungen privat halten.

Die Autoren des Artikels in der Mainpost:
Benjamin Stahl
E‐Mail: x

Christine Jeske
E‐Mail: x

Telefonnummer der Mainpost: 0931/6001‐0

Danke und alles Liebe,
Go&Change


Berichte von ehemaligen Bewohnern


09.07.2020 - 09:45 von Charlotte Meyer an Go&Change

Ich kenne die Gemeinschaft seit etwas mehr als zwei Jahre, war immer wieder als Gast dort, in dieser Zeit habe ich in der ZEGG Gemeinschaft gelebt, und habe selbst dieses Frühjahr zwei Monate in der Gemeinschaft gelebt. 

Ganz anders als in den Zeitungsartikeln in der Mainpost dargestellt, ist die Go&Change Gemeinschaft hinsichtlich all der benannten Themen und im achtsamen Umgang miteinander der fortschrittlichste Ort, den ich bisher gesehen habe.Beispielsweise habe ich dort einen wunderschönen Umgang im Thema Tod erlebt, im Trauern und im Weitermachen. Ich war zu Besuch, kurz nachdem die Kinder gestorben waren und habe volle Unterstützung und Mitfühlen gegenüber den Eltern erlebt, ich war wirklich sehr berührt wie die Menschen der Gemeinschaft da zusammen durchgegangen sind durch diese tragischen Ereignisse und auch die Gäste an diesen intimen Ereignissen teihaben lassen und alles von sich gezeigt haben, was sie dazu bewegt.Als mein Vater im selben Jahr im Sterben lag, habe ich gemerkt wie sehr der Umgang mit seinem Tod durch Go&Change mich verändert hatte und mir Perspektiven auf das Thema gegeben hat und Vorbild war und mir geholfen hat Abschied zu nehmen, zu trauern und mich darin aufzurichten und hoffnungsvoll zu sein und noch eine wunderschöne letzte Zeit und auch die Zeit nach dem Tod bewusst zu erleben.

Ich selbst hatte außerdem letztes Jahr eine Fehlgeburt und als ich danach bei G&C zu Besuch war, habe ich selbst viel achtsame Unterstützung erlebt, dass es ganz anerkannt wurde wie schmerzhaft das ist. Auch hier wurde ich in meinen Themen aufgefangen und angenommen und wurde mit diesen Themen ins Leben, ins Miteinander eingebunden. Als ich zu Go&Change zog, wurde ich besonders von K.K. sehr unterstützt mich nicht zu überfordern, sondern anzukommen, mich selbst weniger unter Druck zu setzen und zu entdecken wer ich wirklich bin und meine Anpassung an Bilder (wer ich denke sein zu müssen um okay zu sein) aufzuarbeiten. Ich habe dazu viele Hinweise und Angebote bekommen und viel über mich gelernt – über die Stellen, wo ich mich aufgrund einer starken Selbstablehnung aufwerte und dieses falsche Selbstbewusstsein eigentlich noch weiter meinen Selbsthass vertieft. 

Ich wurde noch nie so klar auf meinen zugrundeliegenden Selbsthass angesprochen und wie ich damit verhindere das Leben zusammen zu gestalten und schöner zu machen. Und dass ich mit meiner Selbstablehnung mich davon abhalte glücklich zu sein und mir und anderen das Leben schwer mache. Ich wusste, dass ich dort all die Unterstützung bekommen konnte, um mich selbst immer mehr anzunehmen und zu lieben und es hat mir trotzdem Angst gemacht das zu verändern und Verantwortung zu übernehmen für ein schöneres Leben und ich habe mich an dem Punkt dagegen entschieden.Da Go&Change es ernst meint, habe ich verstanden, dass ich dann auf meine Gegenwehr hin gehen muss. Das hat mich darauf gestoßen wo ich stehe, was ich gerade nicht bereit bin aufzugeben und dann auch ehrlicher zu sein wo ich stehe in meinem Wunsch nach einem glücklicheren Leben für mich und andere. Da weiter zu machen und nicht da anzusetzen wo ich gerne schon wäre, gibt mir mehr Hoffnung, dass ich diese Ablehnung meiner Selbst aufarbeiten werde und immer mehr ich selbst sein werde und mich weniger wehren werde gegen das Schöne in meinem Leben und der Welt und gegen Menschen, die mich lieben.

Auch in Bezug darauf Grenzüberschreitungen und subtile und konkrete Unterdrückung anzusprechen und zu korrigieren habe ich noch nie so viele wache Menschen erlebt wie bei Go&Change, übrigens besonders K.K. In meiner Erfahrung werden Frauen und Männer unterstützt ihre Selbstwertmängel aufzuarbeiten und sich weder klein zu machen noch mit falschen Mitteln aufzuwerten. Im Gegensatz zu vielen anderen Kontexten, wo z.B. Männer wegen ihres Mannseins per se veruteilt werden oder Frauen mit ihrer Selbstabwertung ausgenutzt werden, habe ich erlebt wie bei Go&Change auf den Charakter geschaut und die Menschen unterstützen einander ihre wahren Schwächen aufzuarbeiten und ihre Größe zu leben, gleich welchen Geschlechts. Ich erlebe oft, dass ich mich auf meine Opferperspektiven, die sich auf mein Frausein beziehen, ausruhe und es ist für mich echt unglaublich erstaunlich gewesen an diesem Ort wirklich als erwachsener Mensch gesehen zu werden – mit einbezogen gesellschaftlicher und biografischer Vorerlebnisse – der fähig ist eigene und neue Entscheidungen des Handelns zu treffen und die Welt und das eigene Leben schöner zu machen.Und dass Menschen, die auf Dauer nicht damit nicht aufhören sich selbst oder anderen zu schaden und sich als Begründung auf ihren (oft sogar nicht zutreffenden) Opfergeschichten weiterhin ausruhen, anstatt die Ressourcen zu wertschätzen, die da sind und angeboten werden, um das Leben zu gestalten und somit beweisen, dass sie sich eigentlich ganz gerne auf den Geschichten ausruhen, rausgeworfen werden, ist für mich nur eine Konsequenz daraus, dass man es ernst damit meint diesen Ort sicher zu halten für Menschen, die wirklich das Leben gestalten wollen. Für mch ist das auch das Gegenteil von Abhängigkeiten kreieren. Jeder soll dort aus freien Stücken sein und weil sie Lust drauf haben und die Werte wirklich teilen, nicht weil sie denken sie müssten

Besonders die Menschen, die viel Verantwortung übernehmen, genau die Leitungsmenschen habe ich erlebt in ihren Prozessen. Sie schauen sich ihre eigenen Themen an viel offener selbstinitiierter und transparenter als viele andere, deswegen sind sie auch im Leitungsteam, weil sie an sich selbst arbeiten und Verantwortung übernehmen (also nicht von oben herab, sondern als Beispiel voran – ich habe noch nie erlebt wie konsequent dafür gesorgt wird, dass die Leistungsposition nicht ausgenutzt wird). Und wenn sie dann Menschen gebeten haben zu gehen – eben um den Ort sicher zu halten, dann kriegen sie viel Hass und Gegenwehr ab, weil die Menschen gekränkt sind und es nicht gewohnt sind, dass Menschen sie ehrlich ansprechen. Das ist in meinem gesunden Menschenverstand unfair.

Ich selbst habe auch sehr klare Spiegel und ehrliche Meinungen zu meinem Verhalten bekommen, die mir sehr unangenehm waren. Und ich habe keinerlei Angst verfolgt zu werden oder dass mir jemand was nehmen will, so wie es Menschen im Artikel dargestellt haben, und von allen Ehemaligen, die ich kenne, habe ich das noch nie gehört. Ich nehme stark an, dass sich die Menschen, die Vorwürfe in den Artikeln aus einer Kränkung heraus zurecht gelegt haben.

Ich hoffe, dass Menschen sich nicht davon abhalten lassen diesen Ort kennen zu lernen, wenn sie interessiert sind an einem achtsamen Miteinander und an Gemeinschaft, weil er so wertvoll ist für diese Fragen und dass die Menschen dort weiterhin Unterstützung erfahren und Lust behalten an ihrer Arbeit. 

Charlotte Meyer


18.06.2020 - 12:03 von Magdalena Kloibhofer an die Mainpost


Guten Tag,
anbei meine Perspektive auf Go&Change als ehemalige Bewohnerin und weiterhin häufiger Gast, wie in meinem unveröffentlichten Leserbrief vom 26.05. angekündigt. Dass Sie in Ihrer fortgesetzten Artikelreihe leider keinerlei Kurskorrektur erkennen lassen, enttäuscht mich sehr und kann ich nur noch als Versuch interpretieren, um jeden Preis ein düsteres Bild der Gemeinschaft aufrechtzuerhalten, um Ihr Gesicht zu wahren. Ich bin sicher, Sie könnten einen Weg finden, das noch zumindest ansatzweise auszugleichen oder zumindest dazu auffordern, sich anhand unterschiedlicher Erfahrungsberichte eine eigene Meinung zu bilden – und fordere Sie nachdrücklich dazu auf, dies zu tun und hier Ihrer Verantwortung für die Menschen, über die Sie berichten, nachzukommen.


Die wichtigsten von vielen Verzerrungen der von ihnen zitierten Ex-Mitglieder und Gäste liegen für mich in einem Bild von Nötigung und Machtmissbrauch, psychischer und physischer Gewaltanwendung. Das alles ist bei Go&Change nicht der Fall, konnte ich bei zahlreichen Besuchen seit 2016 und nahezu zwei Jahren alltäglichen Gemeinschaftslebens seit Mitte 2018 nie beobachten und widerspricht eklatant den Persönlichkeiten der Gründer und den Werten und Zielen der Gemeinschaft.

Kulturarbeit für eine lebenswerte Zukunft
Seit meinem Studium der Wirtschaftsgeographie an der LMU in München arbeite ich im Bereich der nachhaltigeren Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft. Ökologische Investments, Nachhaltigkeitsberichte und ethische Unternehmensberatung waren lange Zeit wichtige Arbeitsfelder für mich, bis mir klar wurde, dass eines noch wesentlicher ist als soziale und ökologische Kennzahlen und Richtlinien: die Frage, wie wir als Menschen in den Organisationen miteinander umgehen, uns organisieren und Entscheidungen treffen. Bewusstsein und Kultur bestimmen, ob wir ökologische, soziale und wirtschaftliche Erwägungen konstruktiv zusammenbringen und eine tragfähige, kreativ-fruchtbare Wirtschaftsweise der Zukunft aufbauen können, die nicht auf zyklischen Krisen basiert und Menschen verbindet, anstatt sie in Konkurrenz voneinander zu trennen.

Der Pionier Dr. Ibrahim Abouleish hat bereits vor 40 Jahren in der Ägyptischen Wüste das Unternehmen und die Gemeinschaft SEKEM gegründet – in den ersten Jahren von lokalen Beduinen angefeindet und bedroht als unislamische Sonnenanbeter und Teufelsboten, heute ein international gefeiertes, preisgekröntes Vorzeigeprojekt für eine nachhaltigere Wirtschaftsweise samt Privatuniversität, Schulen und Kindergärten. Zwei Jahre habe ich dort die Geschäftsführung in ihrer nationalen und internationalen Vernetzungsarbeit unterstützt, andere ägyptische Unternehmen beraten und eine Forschungsabteilung für Nachhaltige Entwicklung aufgebaut und geleitet. Doch die intensivste Erfahrung war es, die Wirren des arabischen Frühlings vor Ort zu erleben – im Propagandakrieg der Medien, mit plündernden Mobs auf den Straßen, und zugleich geborgen in einer Gemeinschaft, die sich durch Visionskraft, harte Arbeit und starken Zusammenhalt autark mit Lebensmitteln versorgen und ihren knapp 2000 MitarbeiterInnen auch in der folgenden Wirtschaftskrise sichere Arbeit bieten konnte. An dem Tag als Mubarak damals zurücktrat, saßen wir gerade mit vielen jungen Menschen zusammen um über ein neues Ägypten nach der Revolution zu sprechen – die Nachricht traf ein, Jubel brach aus und alle sprangen in die Autos zum Midan El-Tahrir. Kurz danach wurde unser Geschäftsführer Helmy Abouleish aufgrund von Anschuldigungen politischer Konkurrenten verhaftet und verschwand auf unbestimmte Zeit in Untersuchungshaft, erst 100 Tage später konnten wir ihn wieder zuhause willkommen heißen. Zentren für nachhaltige Kultur und Bildung wie SEKEM werden angesichts aller Widrigkeiten stets weiter für eine bessere Zukunft arbeiten und in die Gesellschaft wirken. Wie Dr. Ibrahim stets wiederholt hat: wir arbeiten für die Welt unserer Nachkommen in 200 Jahren…

Zurück in Deutschland habe ich entdeckt, dass auch hier viele auf nachhaltige Entwicklung ausgerichtete Gemeinschaften aufgebaut werden, wo für mich berufliches wie privates Engagement für eine lebenswerte Zukunft zusammenkommen können, und wurde Mitglied der Zukunftswerkstatt Schloss Tempelhof. Ein genossenschaftlich organisiertes Gemeinschaftsdorf auf dem Land in Baden-Württemberg, das zukunftsweisende Forschung in der humus-aufbauenden Landwirtschaft leistet und gleichzeitig mehr als 150 Bewohner und zahlreiche Seminargäste versorgt, eine boomende freie aktive Schule betreibt, Menschen aller beruflichen und weltanschaulichen Hintergründe zusammenbringt und spannende Projekte wie das erste deutsche Earthship umsetzt. Begeisterte Berichterstattung in zahllosen Medien, und dennoch auch hier Misstrauen aus mancher Verwandtschaft, eine Freundin enterbt, weil sie in ‘einer Sekte lebt’. Schloss Tempelhof inspiriert durch das Seminarhaus, hunderte jährlicher Gäste und die breite Medienpräsenz zahlreiche Menschen für ein Zusammenleben jenseits städtischer Anonymität, das auf mehr Vertrauen und Kooperation basiert und dazu ermutigt, sich mit seinen Impulsen und Initiativen zu verwirklichen. Ich habe dort in vier Jahren Gemeinschaftsleben viel gelernt, auch für meinen beruflichen Werdegang als Organisationsberaterin und Moderatorin: Wie organisieren sich Menschen ohne zentrale Leitungspositionen, in dynamischen Prozessen kollektiver Intelligenz und im ausdauernden gemeinsamen Ringen um die für alle stimmige Gestaltung des Zusammenlebens im Dorf? In den Gründerjahren gab es auch hier nächtelange Sitzungen, um gemeinsam die Grundlagen der Struktur und Kultur der Gemeinschaft zu erarbeiten. Heute erlebt man dort beeindruckend klar strukturierte gemeinschaftliche Entscheidungsprozesse, die auch bei sensiblen Themen alle Interessen an einen Tisch bringen und oft unerwartete Lösungswege ermöglichen.

Bei Go&Change liegt der Fokus noch deutlicher auf der inneren Arbeit als Grundlage für äußeren Frieden, liebevolle Beziehungen und konstruktive Zusammenarbeit. Seit Jahren schon beobachte ich eine immer deutlichere Spaltung in unserer Gesellschaft, Wählerschaften und Meinungsblasen haben sich so weit voneinander entfernt, dass inzwischen jede Gruppierung sogar ihre eigenen Fakten verwendet und ohne differenzierte Auseinandersetzung mit einfachen Schlagworten die Gegenseite diskreditiert. Was ist noch richtig und falsch, worauf kann man sich als gemeinsame Realität beziehen, wie sich menschlich begegnen und gemeinsam Zukunft gestalten? Um gemeinsam getragene Entscheidungen zu treffen braucht es heute eine feinere Unterscheidungsfähigkeit in Bezug auf die bewusste und unbewusste Haltung aller Beteiligten und eine stringente, auf klare Werte ausgerichtete geistige Grundlage für die Beurteilung der Konsequenzen unterschiedlicher Lösungsstrategien. Wesentlich ist hier auch die Vielschichtigkeit menschlicher Psyche und dass jeder von uns aus unterschiedlichen inneren Anteilen denkt und handelt, und sich immer weiter aus unfreien inneren Strukturen emanzipieren kann. Go&Change ist das europaweite Zentrum der lebendigen Forschung an genau diesen Fragen und gibt Hoffnung dafür, dass es möglich ist, auf Basis vertrauensvoller Verbundenheit einer Gruppe durch kompetenzorientierte Leitungsstrukturen der Komplexität unserer Zeit gerecht zu werden. Getragen von Menschen unterschiedlichster Hintergründe, die sich aufgrund ihrer Werte und aus Liebe zum Leben entschlossen haben, konsequent ihr eigenes Leben auf den positiven persönlichen und gesellschaftlichen Wandel hin auszurichten – und dafür auf die gewohnte Art von Freizeit, Status, oder materiellem Wohlstand zu verzichten.

Unverständnis und Anfeindungen
Für die meisten Menschen ist es ein unbekannter Lebensstil, so nah als Gemeinschaft zusammenzuleben und sich dabei aus eigenem Antrieb hohen Idealen und klaren Werten zu verpflichten. Angesichts der alltäglichen Gewalt zwischen Menschen überall auf der Welt werden neue Wege oft schnell als naiv oder unrealistisch abgetan, und daher mit Skepsis betrachtet. Das öffnet auch den Raum für Vorurteile und viele schenken negativen Aussagen über alternative Lebensstile schnell Glauben.

Dies nutzen nun Menschen, die aus persönlichen Gründen ein schlechtes Bild über Go&Change zeichnen möchten, ihren eigenen Ängsten mehr glauben als dem, was sie hier real erlebt haben oder im Falle kurzer Besucher einfach zu wenig mitbekommen haben um ihre Vorurteile abzulegen. Ich bin sicher, dass viele der ‚Aussteiger‘, die sich bei ihnen gemeldet haben, sich abgesprochen und nicht unabhängig voneinander den Kontakt ausgerechnet zur selben Zeitung gesucht haben. Ein Wort zur angeblichen Intention der ‚Warnung‘ für Unerfahrene: Würden die Menschen tatsächlich Aufklären und Warnen wollen, und nicht vor allem versuchen zu diskreditieren, würden sie anders vorgehen und viel differenzierter darstellen, was tatsächlich ihre Besorgnis erregt und wo sie vielleicht unsicher sind, was dahintersteckt. Vor allem würden sie den inhaltlichen Dialog dazu suchen, etwa mit Fachleuten für Gruppen- und Einzeltherapie, Sexualtherapie oder Pädagogik, und hier Unklarheiten diskutieren und nicht einen Artikel anstoßen, der einen ganzen Katalog von Klischees über Psychosekten bedient.

Kindererziehung
Ein gutes Beispiel ist das Bild von Kindesvernachlässigung, das gezeichnet werden soll in Formulierungen wie ‚Mütter sollen ihre Kinder nicht umarmen‘. Kein Wort über den Kontext oder in welcher Situation eine Mutter vielleicht den Tipp bekommen hat, ein trotziges Kind das gerade seinen Willen um jeden Preis durchsetzen will, nicht in den Arm zu nehmen, sondern eine pädagogisch sinnvolle Grenze zu setzen. An welchem Punkt man lieber nachgibt, und wo nicht, ist eine tägliche Frage in jeder Familie in der man sich oft schwer einig wird. Eine Diskussion, die bei Go&Change auf Basis pädagogischen Fachwissens mit viel Engagement und meiner Einschätzung nach mit sehr guten Ergebnissen geführt wird, was zu einer großen Einigkeit unter den Erwachsenen führt und den Kindern einen sicheren Rahmen für ihre entspannte Entwicklung bietet.

Die Kinderbetreuung bei Go&Change ist gemeinsam getragen, viele helfen mit und alle Eltern werden individuell gecoacht und bei ihren Fragen und Themen zur Erziehung und liebevollen Beziehung mit ihren Kindern im Alltag intensiv unterstützt. Die Kinder sind glücklich und aufgehoben in der Gruppe von gleichaltrigen Spielgefährten, die wie Geschwister für sie sind. Gerade in Zeiten von Corona muss man sagen: Glück gehabt! Nachts gibt es natürlich immer jemand, der sofort zu den Kindern geht, wenn eines weint, ich weiß nicht welche Babyphone-Panne hier einen anderen Eindruck vermittelt haben könnte. Es ist die höchste Priorität in der Gemeinschaft, den Kindern einen guten, psychologisch außergewöhnlich gesunden Start ins Leben zu ermöglichen. Die schmerzhaften Schicksalsschläge verstorbener Kinder wurden sowohl von uns Erwachsenen als auch von den Kindern durch die intensive gemeinsame Aufarbeitung in der Gemeinschaft besser verarbeitet, als ich mir für solch ein Unglück jemals hätte vorstellen können.

Gruppensitzungen

Den Alltag bei Go&Change prägen tägliche Gruppenzeiten, da die Gruppe wie eine große Familie eben ihren Alltag zusammen verbringt. Bei den Treffen werden unter anderem die Beziehungen in der Gruppe besprochen, Konflikte in der Zusammenarbeit oder wie es den Paaren und Familien geht. Dies ist wichtig für ein harmonisches Miteinander und basiert auf der grundlegenden Absicht aller Beteiligten, ausdauernd und gründlich an der Aufklärung aller Spannungen und der Verbesserung des Umganges miteinander zu arbeiten. Viel Zeit, Energie und Liebe in die Stärkung der individuellen Persönlichkeit, den Aufbau von Vertrauen und die Etablierung eines kompromisslos hohen Standards von liebevollem Miteinander zu investieren – das ist das Ziel der Arbeit und des Gemeinschaftslebens bei Go&Change, auf das sich alle Mitglieder gemeinsam und freiwillig geeinigt haben; auch Gäste werden ausführlich dazu informiert und nach ihrem expliziten Einverständnis dazu gefragt.

Lange Gruppensitzungen und intensives dranbleiben an einem Thema habe ich immer als Wertschätzung für die beteiligten Personen erlebt und harte Arbeit, um uns gegenseitig in unseren Freundschaften, Beziehungen und der Arbeit an den jeweiligen Lebensthemen zu unterstützen. Oft geht es auch um kollektive Themen in der Gruppe, die gemeinsam besprochen und bearbeitet werden. Die meisten dieser Nächte haben mir mehr Kraft gegeben als gekostet, und immer bringt es eine geklärte Situation oder neue Erkenntnisse mit sich.

Seit meinem ersten Wochenendbesuch in Halle 2016 begleitete mich ein grundlegendes Vertrauen und freundschaftliche Verbundenheit mit den Menschen, ich kam häufig zu Besuch bis zu meinem Einzug in die Gemeinschaft gut zwei Jahre später im Herbst 2018. In vielen langen Abenden und intensiven Runden haben wir uns seitdem gegenseitig dieses Geschenk der ungeteilten Aufmerksamkeit gemacht, gemeinsam komplizierte soziale Zusammenhänge und Missverständnisse aufgedröselt, uns durch Freude und Erleichterung, alte Trauer und akute Probleme begleitet.

Über Wochen, Monate und Jahre konnte ich bei mir und anderen immer wieder nur eines beobachten: mehr Öffnung, mehr Verbundenheit, und kraftvollere Entfaltung jeder einzelnen Persönlichkeit in der Gemeinschaft und unter den regelmäßigen Gästen, egal welch scheinbar peinliche oder unschöne Themen auf dem Weg dahin zur Sprache kamen. Auch bei einzelnen Besuchen konnten viele Menschen die ich erlebt habe bereits wertvolle Erkenntnisse über sich selbst oder z.B. ihr Beziehungsleben mitnehmen. Jeder Prozess, bei dem ich selbst im Mittelpunkt der Spiegel und Feedbacks stand hat mich weitergebracht und manchmal erleichtert, weil Situationen geklärt werden konnten; manchmal auch konfrontiert, weil ich Seiten von mir kennengelernt habe, die ich gerne ändern möchte. Das gemeinsame Wahrnehmen war jedes Mal bereits ein großer erster Schritt für diese Veränderung und immer wieder zu erfahren, dass ich mit all meinen Seiten als Mensch geliebt und respektiert werde, ist die wichtigste Unterstützung dabei.

Organisationstruktur
Ich kenne kaum eine Gruppe oder Gemeinschaft, wo so begeistert und entschlossen an gemeinsamen Projekten gearbeitet wird, so wenig Konkurrenz oder Unzufriedenheit herrscht und vereinte Kräfte eine so rasche Umsetzung von gemeinsamen Vorhaben tragen. Konflikte gibt es kaum, da Spannungen in der Gruppe bereits lange vor dem Ausbrechen eines wirklichen Streites erkannt und bearbeitet werden.

Dies liegt auch an der Organisationsstruktur der Gemeinschaft, die mich als Beraterin für Organisationsentwicklung besonders fasziniert: In jedem Bereich liegt die Führung bei den dafür kompetentesten Gemeinschaftsmitgliedern, und sobald sich Kompetenzen sichtbar verschieben, wird die Struktur entsprechend angepasst. Gleichzeitig wird die Entwicklung aller Mitglieder individuell gefördert um möglichst viele Menschen in allen Bereichen weiterzubilden und ebenfalls in Verantwortungspositionen zu bringen. Dies führt zu großem Vertrauen in diejenigen, die Verantwortung tragen, und auch spontane oder unerwartete Entscheidungen werden zunächst von allen mitgetragen und wo nötig im Nachhinein detailliert besprochen.

„K.K. hat sich mit der Zeit zum Guru aufgeschwungen“* „es wird psychischer Druck aufgebaut“*
Nachdem unter den Gründern K.K. und Felix Krolle bei weitem die höchste Kompetenz für Gruppendynamik und Methoden der Persönlichkeitsentwicklung innehatten und sich noch 2016 nahezu als einzige als ständige Moderatoren, Schlichter und Begleiter um das soziale Miteinander, Konflikte, Beziehungsklärungen, Unterstützung der Gäste mit ihren Inneren Anliegen etc. gekümmert haben, damit es allen gut miteinander geht, waren nur drei Jahre später bereits ein Dutzend weitere Menschen auf hohem Niveau  dazu in der Lage und etwa ein Viertel der Gemeinschaft mit diesen Aufgaben betraut. Sie tragen auch die gemeinsame Verantwortung dafür, das Tagesprogramm der Gemeinschaft zu gestalten. K.K. hat sich hier immer weiter zurückgezogen, um die Gruppe zu unterstützen, auch wirklich die Verantwortung auf ihre Art und Weise zu übernehmen und das Gemeinschaftsleben selbst weiter zu entwickeln. Eigentlich auch um sich selbst etwas Pause zu gönnen nach der anstrengenden Aufbauzeit der letzten Jahre – gleichzeitig ist er jedoch weiterhin stets zur Stelle, wenn die Gruppe Unterstützung oder Orientierung braucht und bringt immer wieder neue, kreative Impulse ein. Eine Guru-artige Rolle lehnt die Gemeinschaft strikt ab und fordert von allen Selbstverantwortung und eine klare eigene Meinung bei jeder persönlichen Entscheidung.

K.K. bestimmt wer degradiert wird‘*
Verantwortungspositionen wie Bereichsleitungen werden durch das Klosterleitungsteam ausschließlich nach sichtbarer Kompetenz vergeben, und konsequente Transparenz verhindert einen Missbrauch von Machtpositionen effektiv. Wenn im Raum steht, dass jemand eine verantwortliche Position bewusst oder unbewusst ausnutzt oder verantwortungslos handelt, wird dies ausführlich in der Gruppe besprochen und aufgeklärt, und ggf. die Position sofort an jemand anders vergeben und derjenige dabei unterstützt, sich weiterzuentwickeln, so dass er die Verantwortung wiederaufnehmen kann, wenn er oder sie soweit ist. Auch wenn jemand sich übernimmt und zu viel arbeitet, wird die Person darin unterstützt kürzer zu treten.

Vernetzung und Wirtschaftlichkeit
Go&Change ist mit anderen Gemeinschaften und konstruktiv ausgerichteten Projekten in Deutschland und international vernetzt. Als einzige Gemeinschaft, die ich kenne, senden sie häufig ganze Teams von Prozessbegleitern, Handwerkern und oder sonst passend qualifizierten Helfern für mehrtägige Einsätze an befreundete Projekte ohne Gegenleistungen oder Bezahlung zu verlangen. Auch im wirtschaftlichen Bereich gehen sie neue Wege einer ernstgemeinten Schenkkultur und gehen in ihrer Finanzierung keinerlei Kompromisse ihrer Werte für irgendwelche finanziellen Vorteile ein. Mehrere Jahre lang wurde die Gemeinschaft hauptsächlich von freiwilligen Spenden ihrer Gäste getragen, während für Veranstaltungen nur ein geringer Beitrag für Kost & Logis erhoben wurde um allen die Teilnahme zu ermöglichen. Inzwischen arbeiten immer mehr Menschen dort in sozial oder ökologisch ausgerichteten Berufen oder Projekten wie ambulante Pflege oder Strohballenhausbau mit, um auch die interne Finanzierung zu verstärken.

Gemeinschaftsleben und Zusammenarbeit
Abgesehen von aller intensiven Arbeit in Treffen und Gesprächsrunden ist die Lebensqualität bei Go&Change unvergleichbar hoch. Gemeinsam zu feiern, locker zusammenzusitzen, im Park zu grillen oder mit den Kindern gemütliche Zeit im Garten zu verbringen nehmen viel Raum ein und sind Ausdruck der erarbeiteten Gemeinschaftskultur. Auch die gemeinsame Arbeit im Klosterhaushalt, Garten, in Kultur- oder Arbeitsprojekten zeigt wie gut die Zusammenarbeit auf Basis der gründlichen sozialen ‚Aufräumarbeit‘ funktioniert und bietet Entwicklungsräume für alle Talente.

Magdalena Kloibhofer, 37, Internationale Unternehmensberaterin

*Zitate aus Ihrem Artikel in der Mainpost vom 22.05.


Weitere E-Mail an die Mainpost am 26.05.2020 – 12:57 von Magdalena Kloibhofer

Ich bin schockiert von dem Artikel über Go&Change mit völlig absurden Anschuldigungen, wütend, fassungslos über die tendenziöse Art zu schreiben und einseitige Recherche und möchte zu gerne hoffen, dass die Autoren nur einigermaßen naiv auf die sicher nicht so unabhängig voneinander erfolgten Berichte einer mir großteils persönlich bekannten Gruppe ehemaliger Bewohner hereingefallen sind, deren Tenor ich in vielen der Vorwürfe recht eindeutig wiedererkennen kann. Ich kenne die Gemeinschaft seit Jahren, habe bis vor Kurzem mehr als 1,5 Jahre dort gelebt und bin jederzeit bereit, öffentlich Stellung zu beziehen und über meine Zeit dort zu berichten.
Das auch gerne im persönlichen Gespräch, wenn Sie als Redaktion mir darlegen können, wie Sie planen das wieder richtig zu stellen und ich konstruktives Bemühen erkennen kann. Ansonsten überlege ich, mich an andere Medien zu wenden, da mein Vertrauen in Sie zunächst schwerstens erschüttert ist und prüfe auch bereits den Rechtsweg. Ich freue mich auf Ihre Stellungnahme dazu und setze mich schon einmal an einen Erlebnisbericht über meine Zeit bei Go&Change als Beitrag zu ihrer weiteren Recherche.

Magdalena Kloibhofer, 37, Internationale Unternehmensberaterin


18.06.2020 - 01:58 von Sara Vogel an Go&Change

Bevor ich zu Go&Change kam, gründete ich selbst ein Projekt mit, das
sich zum Ziel gesetzt hatte, in Gemeinschaft zu leben, zu wohnen und zu
arbeiten. Ich hatte mich also schon mit dem Thema auseinandergesetzt und
stellte am Ende des Kennlernwochenendes im Kloster fest, das und noch
viel mehr gefunden zu haben, was ich gesucht hatte. Von da an besuchte
ich die Gemeinschaft ein Jahr lang regelmäßig um dann für 1 und ¼ Jahr
dort zu leben. Das war die lebendigste und intensivste Zeit meines
Lebens. Ich habe Unterstützung in allen Lebensbereichen erfahren und war
immer wieder vor neue Entwicklungsaufgaben gestellt.
Das Menschenbild in der Gemeinschaft geht davon aus, dass der Mensch ein
Licht- und Schattenwesen mit einem freien Willen ist und allen Anteilen
eines Menschen mit Liebe begegnet werden sollte. Nicht Leid, so wie es
oft in der Gesellschaft ist, sondern Liebe, Freude und Güte sind die
verbindenden Elemente zwischen den Menschen. Des Weiteren spielt
Selbstverantwortung und Wertschätzung eine große Rolle ebenso die
Vorbildwirkung auf die Kinder. Es geht um das Schaffen einer gemeinsamen
Realität, in der alle wahr nehmen können, was ist.
Durch die v.a. von K.K. angestoßenen Prozesse bin ich innerlich und
äußerlich aufrechter geworden, besser im Kontakt mit meinen Kindern,
lerne mir selbst mehr Wert zu geben und haben auch Teile meines Selbst
kennengelernt, die liebevolle Grenzen brauchen und verschönert werden
wollen, weil sie so, wie sie gerade sind destruktiv auf mich und meine
Mitmenschen wirken.
Themen, die in der Gesellschaft eher tabuisiert sind (Geld, Macht,
Sexualität, Tod) werden betrachtet und durch den Tod der beiden Kinder
2019 waren wir gemeinsam in direkter Auseinandersetzung und Bewältigung
dieses Themas, wie ich es noch nirgends zuvor erlebt hatte.
Auch jetzt nach meinem Auszug haben wir Kontakt und ich erfahre noch
immer Unterstützung, obwohl es Diskrepanzen gab und gibt, die zu meinem
Auszug geführt haben. Die einseitige Berichterstattung durch die
Mainpost macht mich wütend und schafft Mißtrauen. Mir stellt sich die
Frage, warum die beiden Journalisten im Interesse von Ehemaligen
Bewohnern, die der Gemeinschaft offensichtlich schaden wollen, Bericht
erstatten anstatt ein wahres Bild über die Gemeinschaft zu zeichnen. Ich
fordere von der Mainpost eine Richtigstellung der veröffentlichten
Berichte und kann jedem Menschen empfehlen, sich eine eigene Meinung
über die Gemeinschaft zb durch ein Kennlernwochenende zu bilden.

Sara Vogel

17.06.2020 - 12:52 von Judith Fitz-Koch an die Mainpost

Sehr geehrter Herr Stahl, sehr geehrte Frau Jeske, sehr geehrte Redaktion der Mainpost, liebe Freunde und Interessierte,

ich beziehe mich hier auf den Artikel der Mainpost “Psychodruck und sexualisierte Gewalt im ehemaligen Kloster?” vom 22.05.2020 über die Gemeinschaft Go&Change. Ich kenne die Gemeinschaft Go&Change seit ihren Anfängen, nun seit knapp fünf Jahren. Ich habe selbst über drei Jahre im Kloster in Lülsfeld gelebt und war zeitweise Teil des Leitungsteams. Diese Erfahrungen erlauben es mir die bisherige Berichterstattung mit Fakten zu ergänzen.

Der Artikel ist Plattform für den Diffamierungsversuch von einer Hand voll in ihrem Ego gekränkter Menschen geworden. In dem Artikel werden schwere Vorwürfe erhoben, doch niemand kann zu diesen allgemeinen Vorwürfen tatsächlich Konkretes oder Fakten beschreiben, die diese bestätigen würden. Ein strafrechtlicher Weg wäre eine logische und moralisch notwendige Konsequenz der Anschuldigungen, doch wurde der Weg über die Presse gesucht. Der perfekt erscheinende Weg, seiner Kränkung und seinem Frust freien Lauf zu lassen und sich in seiner selbst gestalteten Opferrolle Bestätigung einzuholen. Hätte einer der an dem Artikel Mitwirkenden wirklich Interesse an Gerechtigkeit und Aufklärung, so hätten andere Wege eingeschlagen werden müssen. Doch die Denunzianten wissen genauso gut wie ich: In der Gemeinschaft wurde nie irgendeine Form von Gewalt oder Zwang ausgeübt. Es stand jedem frei jederzeit zu gehen.

Der Artikel spielt auf negativ geprägte gesellschaftliche Bilder an und schürt Ängste und Misstrauen, völlig ungeachtet, dass es um das Zuhause und die Existenzen von Familien geht. Dass es um Kinder geht, die die Schulen der Region besuchen und besuchen werden, die im Dorf Freundschaften schließen möchten und mit Ihren haltlosen Anschuldigungen zwangsläufig konfrontiert werden, wenn weiterhin das Bild einer “Schreckensgemeinschaft“ aufrechterhalten wird.

Von erzeugten Schreckensbildern und Realität

In den letzten 3 Jahren waren rund 1000 Gäste im ehemaligen Kloster zu Besuch. Einige von ihnen haben über mehrere Tage oder Wochen intensiv mit den Menschen der Gemeinschaft zusammengelebt und sie in allen Facetten des Lebens kennengelernt. Die Tore und Türen des Klosters stehen für alle Interessierte offen. Wie in ihrem Artikel berichtet wurde, haben sich viele Dorfbewohner inzwischen selbst ein Bild von den Menschen der Gemeinschaft gemacht. Sie können sich auf langjährige Erfahrung im Kontakt mit den Bewohnern des Klosters beziehen und tun dies auch. Sie können von Menschen berichten, die sich am Dorfalltag beteiligen. Von Menschen, die Nachbarn und DorfbewohnerInnen zum gemeinsamen Feiern in ihr Zuhause einladen, die zusammen Fußball spielen, Musik machen und Dorffeste feiern, die keine Mühe scheuen dem Bauern unter die Arme zu greifen und dort mit anpacken, wo es gebraucht wird. Das sind Fakten die sprechen.

Kinder sind der Spiegel ihrer Eltern

Vor der Zeit von Go&Change habe ich als Förderpädagogin mit Staatsexamen einige Erfahrung zu den Fragen um die Erziehung von Kindern gesammelt. Ich war in einigen Institutionen und Schulen und habe über sechs Monate in einer Heim- und Lebensgemeinschaft gelebt und gearbeitet, die sich ganz der Erziehung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen verschreibt.

In der Sonderpädagogik weiß man: Je mehr kompetente Augen gemeinsam auf ein Kind blicken und gemeinsam an einer Förderung für das Kind arbeiten, desto fruchtbarer ist dies für die individuelle Entwicklung des Kindes. Doch nur wenige Institutionen können die zeitlich gewünschte oder notwendige Kapazität aufwenden, den Kindern eine optimale individuelle Förderung zu schenken. Seither war ich auf der Suche nach einem Ort, an dem ich meinen menschlichen und beruflichen Vorstellungen über „Lehre und Erziehung“ gerecht werden kann. Durch das enge Zusammenleben kann diese Arbeit in der Gemeinschaft so stattfinden. Es gibt einen regelmäßig tagenden “Elternrat“, in welchem sich die Eltern der Gemeinschaft zu Erziehungsfragen austauschen können. Selbstverständlich gibt es eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung für die Kinder. Die Kinderbetreuung wurde in Vergangenheit und wird gegenwärtig von Personen mit pädagogischer und/oder psychologischer Ausbildung geleitet. Die Vorwürfe zum pädagogischen Ansatz sind haltlos und aus der Perspektive fachfremder Personen entstanden.

Die vorhandene Fachkompetenz in der Gemeinschaft spiegelt sich auch in der Entwicklung einiger Kinder wider. Zum Beispiel, zeigte ein Junge bei seinem Einzug ein unsicher-ambivalentes Bindungsverhalten zu seiner Mutter, was sein spielerisches Explorationsverhalten sehr einschränkte. Er suchte auch wenige soziale Kontakte zu anderen Kindern oder Erwachsenen. Inzwischen blickt der Junge offen und neugierig in die Welt, verfügt über mindestens altersgerechte soziale Kompetenzen und ist gut in die Kindergruppe integriert. Die Offenheit, Fröhlichkeit, Freundlichkeit und Wissbegier unserer Kinder sind Ausdruck der Liebe und des Erziehungskonzepts der Gemeinschaft. Ich könnte mir keinen schöneren Ort für meine eigenen Kinder vorstellen!

Zur Struktur

Die Gemeinschaft wird durch eine Kompetenzhierarchie strukturiert. Das bedeutet, dass es neben den anderen Arbeitsbereichen auch für die Gesamtausrichtung und die Innenarbeit Menschen gibt, die hier die größte Kompetenz und somit den größten Einfluss, die meiste Entscheidungskraft und Verantwortung tragen. Das geschieht durch ein großes Leitungsteam und nicht wie im Artikel dargestellt durch einen Guru. „K. K.“ ist seit einiger Zeit aus dem Leitungsteam zurückgetreten. Es gibt darüber hinaus zu wichtigen Entscheidungen Gemeinschaftsrunden, zu welchen über aktuelle Fragen transparent gesprochen wird. Jede Person wird dazu ermutigt ihre eigene Meinung einzubringen. Der Ort ist zu einem liebevollen und fruchtbaren Ort und sicheren Zuhause geworden, weil Menschen viel Arbeit und Liebe investiert haben ohne dafür entsprechende Vorteile zu fordern. Mit großem Abstand vorn heran „K.K.“ und Felix Krolle. Ich kann meine Dankbarkeit dafür und für die persönliche Unterstützung, zu der sie jederzeit ohne Gegenleistung bereit waren, gar nicht ausreichend in Worte fassen.

Innenarbeit und Beweggründe

Mit den Menschen von Go&Change habe ich Wegbestreiter gefunden, die ihre Augen nicht vor den Problemen in der Gesellschaft, im freundschaftlichen und im familiären Miteinander verschließen. Menschen die gemeinschaftlich etwas Neues an den gewohnten Stellen von Einsamkeit, Missgunst, Leistungsdruck und Konkurrenz zu schaffen. Wo besser anfangen, bei seinem Vorhaben mehr Liebe und Frieden auf die Welt zu bringen, als bei sich selbst und bei seinem nächsten Mitmenschen?!

Was bedeutet das konkret? Die Menschen von Go&Change sind über die Zeit und gemeinsamen Erfahrungen zu meiner Familie geworden, sind mir so nah und wichtig geworden, dass ich mir in tiefem Vertrauen um ihr Wohlwollen sicher sein kann, egal welche Differenzen zwischen uns stehen mögen. Auf Basis dieses Vertrauens kann jedes Verhalten angesprochen und gespiegelt werden, das meinen Mitmenschen oder mir selbst nicht zu Gute kommt. Nicht selten deckt das ein anderes Bild auf, als man vor sich oder vor anderen gerne wahren würde. Gleichermaßen gilt es, sich in seiner Schönheit und Fähigkeit und damit auch in seiner Verantwortungsfähigkeit anzunehmen. Lebe ich wirklich nach den Werten, die ich vorgebe zu haben? Sich das alles einzugestehen, fühlt sich im ersten Moment nicht immer gut an. Der Blick zu sich selbst entpuppt sich immer wieder als der notwendigste und zugleich als der schwierigste. Entweder man entscheidet sich in diesen intensiven Zeiten in Verbindung zu bleiben und in sich aufzuräumen, auch wenn dies als herausfordernd empfunden wird und Mut benötigt, oder man entscheidet sich in Trennung und Projektionen gegenüber seinen Mitmenschen zu gehen, was jedoch auf Dauer kein schönes Zusammenleben in Gemeinschaft bedeutet.

Man kann bei Go&Change zu jeder Zeit einen Prozess unterbrechen, doch eine der wenigen Regeln lautet: Behandele deine Mitmenschen (Freunde, Familie) nicht schlecht!

Diese Arbeit hat mich von einem sinnsuchenden zu einem selbstbewussten, ausgerichteten Menschen gemacht, im Streben nach (innerem) Frieden. Hier kann ich die Nähe und Ehrlichkeit, die ich mir für meine Beziehungen wünsche, lernen und leben. Das macht mich glücklich und gibt mir Kraft im Außen zu wirken. Noch nie habe ich so viel Freiheit darin empfunden, das zu sein und zu werden was ich möchte. Noch nie in meinem Leben wurde ich zu so viel Selbstverantwortung angehalten wie bei Go&Change. Dies betrifft auch meinen Auszug aus dem Kloster. Ich habe an einigen Stellen bisher nicht ausreichend Verantwortung übernommen, meine Freunde nicht immer wie Freunde und meine Familie nicht immer wie meine Familie behandelt. Nun gilt es auf mich zurückzufallen und mir die Frage zu stellen: Was möchte ich leben? Es fordert von mir aus eigenen Kräften in meinen Handlungen hinter meinen Entscheidungen zu stehen. Das ist das Gegenteil von Abhängigkeiten knüpfen, wie es in dem Artikel vorgeworfen wird.

Ja, diese Worte und diese Lebensweise stoßen an. Sie mögen so gar nicht in die Glaubensmuster und Weltanschauungskonzepte von manchem passen. Sie mögen wie Utopien klingen. Doch es braucht Menschen, die Dinge hinterfragen, Fehler machen und daraus lernen, die Altes sprengen und Neues wagen für eine positive Entwicklung unserer Gesellschaft. Das war schon immer so und wird auch so bleiben. Die Welt braucht Orte wie diesen!

Judith Fitz-Koch


11.06.2020 - 00:33 von Marie-Elisabeth Rülke an Go&Change


Vor ca. drei Jahren zog ich, mit meinem damaligen Partner und meinen beiden Kindern in die Gemeinschaft Go and Change. Damals studierte ich an der HfBK in Dresden. Wir hatten zuerst versucht selbst eine Gemeinschaft zu gründen, bis wir auf Go and Change gestoßen waren und nach einer halbjährigen Phase der Annäherung fest entschlossen Teil dieser Gemeinschaft wurden.

Wir sprachen in der Gruppe oft und lange darüber, was es bedeutet Teil dieser Gemeinschaft zu sein, sich aufeinander einzulassen, für den Wandel in dieser Welt zu gehen. Dafür zu gehen ist eine Entscheidung, die jeder der an diesem Ort lebt und lebte in freier Selbstverantwortung treffen musste. Niemand wurde überredet hier einzuziehen. Im Gegenteil Personen bei denen wir kein ernsthaftes Interesse wahrnehmen konnten, bekamen auch nicht die Zustimmung der Gruppe einzuziehen.

Die Gemeinschaft unterstützte mich meinen Abschluss an der Kunsthochschule zu machen. Danach leitete ich gemeinsam mit anderen Künstlern und Pädagogen den Kunstbereich im Kloster. Unter anderem luden wir Künstler zu uns ein, Kurse zu geben.

Ich wurde von K.K. ins Leitungsteam eingeladen. In meinen 2,5 Jahren im Leitungsteam hatte ich die Möglichkeit Verantwortung zu übernehmen und brachte mich in der Gestaltung unseres Alltags, der Gesprächsrunden und vielem mehr mit ein. Dabei wurde mir immer großes Vertrauen entgegengebracht. Die Gemeinschaft sah mein Potenzial und unterstützte mich darin es zu leben, was für mich einen enormen Schub in Selbstverwirklichung und Entwicklung bedeuteten. So erlebte ich es auch bei allen Anderen. Egal wer sich einbrachte, wurden liebevolle Impulse immer aufgegriffen. Jeder wird in einer fürsorglichen und wertschätzenden Art unterstützt sich zu entfalten, wie ich es an keinem anderen Ort erlebt habe.


An dieser Stelle möchte ich auf ein aus dem Zusammenhang gerissenes Bild ihres Artikels ansprechen. In dem werden ehemalige Mitbewohner zitiert, dass wir Kinder schreien ließen und als Eltern Instruktionen empfangen würden, aufgrund derer wir unsere Kinder nicht mehr anschauen. Ich bin schockiert, dass sie uns öffentlich Gewalt und Liebesentzug gegenüber unseren Kindern unterstellen. Außerdem entmündigt uns dieses Bild nicht nur, sondern spricht uns unsere Liebe und Fürsorge gegenüber unseren Kindern ab.

Gehen sie in einen beliebigen Haushalt mit Kindern und sie werden Eltern erleben, die ein trotziges Kind weinen lassen und ihm eine Grenze setzen, anstatt es mit Schokolade für sein Verhalten zu belohnen.

Als ich ankam, war ich mit meinen Kindern in vielen Dynamiken verstrickt.

Ich erhielt mehrere Spiegel, auf die zahlreiche Gespräche folgten in denen ich die Möglichkeit hatte die Beziehung zu meinen Kindern zu reflektieren.
Ich habe es diesen gemeinsamen Prozessen bei denen ich stets von K.K, der Leitung und Gemeinschaft unterstützt wurde, zu verdanken, dass es meinen Kindern heute so gut geht und die Beziehung zu ihnen so ist, wie sie ist.

Auf der Suche danach wie es ‘noch Schöner’ geht, gründeten wir einen Elternrat, indem wir uns fast jede Woche und bei Bedarf trafen, um uns zu besprechen. Wir reflektierten, wie es unseren Kindern geht, was sie brauchen, wie wir als Eltern auf sie wirken und wie wir das miteinander gestalten können.

Andauernd gab und gibt es eine ‘Kinderleitung’, die zeitweise aus Pädagogen, examinierten Kinderpfleger, Sonderschulpädagogen und Psychologen bestand und besteht.

Diese Gemeinschaft hat sich entschieden, alle individuellen und kollektiven Themen anzuschauen, Antworten auf Fragen des Miteinanders zu suchen, zu finden und auch zu leben.

Die Erfahrungen bei Go and Change haben mein Leben tief greifend verändert. Diese Menschen handeln aus Liebe, weil sie wollen, dass es allen gut geht!

In Ihrem Artikel stellen Sie ein Bild dar, das uns als bösartige Menschen malt, die mit Strafmaßnahmen arbeitet. Es ist gelogen und empörend, zu behaupten die Gesprächsrunden seien gewaltsamer Psychoterror. Wir haben nicht willkürlich jemanden herausgepickt und schikaniert, vielmehr wurden unter anderem Personen angesprochen, deren Verhalten destruktiv gegen sich selbst oder andere Personen wirkte. Sollte man zusehen wie jemand jemanden verletzt an einem Ort, an dem wir uns gemeinsam entschieden haben, etwas Neues zu versuchen? Aus ihrem Text geht hervor, dass wir die „Betroffenen“ mittels Manipulation und psychischem Druck beeinflusst haben. Wie bitte? Ich habe erwachsene, mündige Männer und Frauen erlebt, die sich frei entschieden haben, diesen Weg miteinander zu gehen. Sich selbst ermächtigt zu entscheiden, macht diesen Weg aus und überhaupt erst möglich.

Von der Leitung wurden zahlreiche Gesprächsrunden initiiert, in denen jeder dazu eingeladen war Fragen zu stellen und Kritik zu äußern.
K.K., Felix Krolle und andere Leitungs- sowie Gemeinschaftsmitglieder erlebte ich Kritik gegenüber in einer offenen, reflektierten Haltung. Wenn sich jemand zeigte, wurde er darin ernst genommen, und wir suchten einen gemeinsamen Weg.

Ich glaube die meisten, die sich nun über die Zeitung zu Wort melden, wollen nicht akzeptieren, dass bei Go&Change sich jeder eine Meinung zu dem Verhalten jedes Anderen macht. In den letzten Jahren haben wir viel Zeit miteinander verbracht und lernt man sich in allen Seiten kennen. Wenn man dann dazu Spiegel gibt oder erhält, stellen diese eine Chance dar etwas zu verändern. Natürlich konfrontiert einem Feedback mit dem eigenen Verhalten und Selbstbild. Jeder kann dann für sich entscheiden, wie er mit dieser Möglichkeit sich zu erkennen umgeht.

Wollte ich nicht annehmen, was von mir gesehen und in Liebe bewertet wurde, würde ich auch versuchen mein Gegenüber als den Schuldigen dastehen zu lassen. Denn dann sind alle Verantwortlich, nur nicht ich.

Im Frühjahr 2020 entschied die Gemeinschaft innerhalb eines Gruppenprozesses meinen Ausschluss aus Selbiger und damit auch, dass ich aus dem Kloster ausziehe.

Als ich ging, war für mich klar, dass meine Kinder bei ihrem Vater, meinem ehemaligen Partner in der Familie und Gemeinschaft Go and Change wohnen bleiben.

Ich liebe diese Menschen und weiß, dass meine Kinder im schönsten Zuhause leben, das ich kenne.

In den darauffolgenden Wochen kam die Gemeinschaft immer wieder auf mich zu, lud mich zu Klärungsgesprächen ein, boten mir an die Thematiken gemeinsam aufzuarbeiten und wieder Zeit miteinander zu verbringen – über den Konflikt hinaus, gemeinsam miteinander sein.
Inzwischen befinde ich mich wieder in der Annäherung zum Kloster.

Marie-Elisabeth Rülke (Diplom Design)


06.06.2020 - 19:05 von Rike Martin an Go&Change

Guten Tag Herr Stahl, guten Tag Frau Jeske,

als ehemalige Mitbewohnerin von Go&Change beziehe ich mich hiermit auf die Gemeinschaft betreffenden Artikel, die Sie in der Mainpost veröffentlicht haben.

Ich habe zwei Jahre bei Go&Change gelebt, bin im Januar weggegangen und bin nun dabei, in die Nähe der Gemeinschaft zu ziehen.

Sie fragen mich nicht nach meiner Sichtweise, ich antworte trotzdem. Weil mir der Lebensweg in Gemeinschaft, den ich vor einigen Jahrzehnten gewählt habe, sehr am Herzen liegt und ich gerne öffentlich Stellung dazu beziehe.

Natürlich fragen Sie auch nicht, wie es mir damit geht, wenn Sie meine Gemeinschaft ausschließlich aus der Sicht von Menschen darstellen, die ihre Erfahrungen negativ bewerten. Ich erzähle es trotzdem. Weil ich mich gerne öffentlich hinstelle für die Menschen, die ich liebe.

Zudem fragen Sie nicht, wie es den Menschen in unserer Umgebung damit geht, bevor Sie ihre Anschuldigungen veröffentlichen. Mir liegen sie am Herzen. Wir leben in demselben Dorf, haben viel miteinander zu tun, und ich schätze sie sehr.

Ich bin Anfang 60 und lebe seit 45 Jahren in Gemeinschaften. Mein Fokus lag dabei immer auf einem wahrhaftigen transparenten Miteinander und – als Voraussetzung dafür – auf persönlicher Entwicklung hin zu einem liebenswerten und liebesfähigen Menschen. Und immer war es mir wichtig, damit auch gemeinsam an einem Wandel in der Welt mitzuwirken.Ich werde vorwiegend Stellung dazu beziehen, wie ich Go&Change als Entwicklungsgemeinschaft erlebe – in starkem Kontrast zu Ihrer Darstellung. Es gibt so viele Themenbereiche in ihrem Artikel, die fern der Realität dargestellt werden, ich werde nicht auf alle eingehen.

Jede Gemeinschaft entwickelt und nutzt gemeinschaftsbildende und vertrauensfördernde Methoden, mit denen sie ihre Kultur gestaltet und die Mitglieder in all ihren Facetten sichtbar werden können. Als ich Go&Change vor drei Jahren kennengelernt habe, wurde mir schnell klar, dass es die Gemeinschaft ist, in der ich mich weiterentwickeln will. Diese Menschen leben in ständiger Reflektion, wie wir uns in Beziehung zueinander verhalten und was liebevoll ist. Für mich ist das genau der Punkt, an dem wir menschheitliche Entwicklung bitter nötig haben.

Ich vertraue Go&Change voll und ganz, weil wir uns gegenseitig in dieser Tiefe spiegeln. Ich habe noch nie von meinen Mitmenschen so klare, kompetente, radikal ehrliche Rückmeldungen zu meinem Verhalten bekommen. Eines ihrer höchsten Anliegen ist es, einander in der Entwicklung zu unterstützen. Viele Menschen, die ich kenne, wollen das nicht. Und wenn es nicht das ist, was sie wollen, macht es keinen Sinn, bei Go&Change zu sein. So einfach ist das.

Es macht mich so wütend und traurig, dass „Ehemalige“ zur lokalen Presse rennen, um sich erfolgreich als Opfer von Go&Change darzustellen und der Gemeinschaft auch noch den Grund dafür in die Schuhe zu schieben, dass sie sich anonym dazu äußern müssen. In Missachtung dessen, wie vielen Menschen sie damit schaden.

Ich habe keine Angst vor den Menschen dieser Gemeinschaft und den radikalen Spiegeln, ich habe höchstens Angst vor meinen eigenen Versuchen, andere für mein Leid verantwortlich zu machen und sie damit ins Unrecht zu stellen. Es entspricht nicht ihrer eigenen Würde, wie die Frauen sich in dem Bericht darstellen. Mir scheint, dass diese „Ehemaligen“ bei Ihnen in ein leider geläufiges Weltbild hineinsprechen, das Menschen, und vor allem Frauen, wie Sie immer wieder betonen, ihre Eigenverantwortlichkeit abspricht und sie zu den Leidtragenden ihrer selbst verursachten Lebensgestaltung macht. Und – viel schlimmer – anderen die Schuld dafür gibt. Ich kenn mich da aus, ich war und bin immer wieder Meisterin darin, oft ganz subtil. Und habe diese Dynamik von Go&Change ständig gespiegelt gekriegt.

Es ist genau das verinnerlichte Weltbild, das leider die meisten von uns mehr oder weniger ausgeprägt in sich tragen, an dem auch ich in Gemeinschaft immer wieder gescheitert bin. Bei Go&Change habe ich Menschen gefunden, mit denen ich ehrlich und wahrhaftig daran arbeiten kann. Die nicht unter ihren Werten weggehen und Menschen eher wegschicken, wenn sie stur an ihren Konditionierungen festhalten. Die sich nicht manipulieren lassen und ihrer Arbeit für Liebe und Frieden treu bleiben. Für mich hat mein Leben mit Go&Change mit 60 Jahren nochmal einen tiefgreifenden Wandel bewirkt, den ich nicht missen will. Im Gegensatz zu den Erfahrungen der Ehemaligen, die sich bei Ihnen im Artikel zu Wort gemeldet haben, habe ich in Begleitung dieser Gemeinschaft einen Schub in Richtung Selbstverantwortung gemacht.

Ich war in Gemeinschaft auch Zeit meines Lebens auf der Suche nach weiterführenden Perspektiven für Beziehung, Partnerschaft und Sexualität. Ich konnte mit den Angeboten, die mir die Gesellschaft dazu bietet, nie etwas anfangen und bin schon im Alter von 16 Jahren in Gemeinschaften andere Wege gegangen. Auf denen wir Partnerschaften in Transparenz mit der Gemeinschaft leben und uns gegenseitig unterstützen, liebesfähiger zu werden und uns lieben zu lassen. Auch in Bezug darauf bin ich Go&Change für all die Spiegel dankbar, die letztendlich dazu führen, in Liebesbeziehungen keine Kompromisse mehr zu machen. Ich habe eine der schönsten Partnerschaften meines Lebens bei Go&Change geführt, nicht, weil ich meinen Traummann gefunden hatte, sondern weil unser Fokus zusammen mit der Gemeinschaft auf Liebe und Entwicklung lag. Das ist kein wunderschönes Liebesgedudel, zum Teil ist es harte Arbeit. Und ein gutes Gefühl, wenn man nichts zu verbergen hat! Leider bin ich an einem Punkt nicht mehr mitgegangen und habe mich für meine Ängste und Widerstände entschieden, statt mich lieben zu lassen. Wie arrogant! Und wie schmerzhaft für einen liebenden Partner! Ich hab damit die Trennung von ihm und von der Gemeinschaft herbeigeführt. Und war wütend. Auf diejenigen, die mir mein Opfertum und meine Wut gespiegelt haben. Wäre doch ein Grund, zur Presse zu gehen und mich zu beschweren, oder???

Ich war schon in einigen Gemeinschaften an diesem Punkt und bin nie weitergegangen. Bei Go&Change ist das nicht möglich. Nachdem mir viele Chancen gegeben wurden, da mit der Gemeinschaft durchzugehn, und ich sie nicht wahrgenommen habe, wurde ich weggeschickt. Mit der weiteren Aufforderung: „Geh da durch!“

Ich schätze die Menschen der Gemeinschaft sehr für ihren Beitrag in der Welt! Sie bewegen etwas in den Tiefen der Menschen.

Ich hoffe sehr, dass die konstruktive Auseinandersetzung über Ihren Artikel eine große Öffentlichkeit bekommt.

Rike Martin


06.06.2020 - 16:58 von Brit Marie Abele an Go&Change


„Go&Change ist der liebevollste Ort, den ich kenne, ich bin so dankbar für die Spiegel, die ich bekommen habe und die Selbsterkenntnis, die mir ermöglicht wurde. Es ist mein zu Hause und meine Familie und ich entspanne mich, wenn ich an diesen Ort denke […]“ schrieb ich am 12. Februar 2020 in mein Tagebuch. Wie kann es sein, dass ich so etwas über einen Ort schreibe, von dem ich ca. einen Monat vorher rausgeschmissen wurde? Schon immer habe ich viel über mich selber nachgedacht und habe danach gesucht, wer ich wohl bin und was meine Aufgabe auf der Welt ist. Ich war reisen und unterwegs, habe verschiedene Menschen und Kulturen kennengelernt und kam wieder nach Deutschland zurück.

Ich hatte eine Vision von einem Haus oder einem Hof, wo Menschen zusammenwohnen, gemeinsam an sich und ihren Beziehungen und dem Zusammenleben arbeiten, Kinder großziehen und mit ihnen im Wald spielen. Ich habe danach gesucht, aber ich habe es nicht geschafft, so etwas zu erschaffen. Als ich das erste Mal zu Go&Change kam, bin ich aus den Latschen gekippt, weil das was diese Leute dort leben meine Vorstellungen bei weitem Überstieg. Diese Leute haben mich liebevoller aufgenommen als meine Familie, sie haben gesehen was ich brauche und waren ehrlich zu mir. Ich hatte Bilder in mir, dass ich die einzige bin, die die Welt retten kann, dass ich die geilste bin und dass ich alles verstehe, beziehungsweise, dass es nichts gibt was andere Menschen machen, das ich nicht verstehe. Meine arrogante Haltung wurde mir natürlich gespiegelt und ich wollte es nicht annehmen. Natürlich dachte ich, dass all das Negative durch diese Menschen in mir erzeugt wurde, denn es passte nicht in mein Selbstbild, dass ich ein Arsch bin.
Als ich dann nach meinem Rausschmiss alleine wohnte, fühlte ich den Schmerz in mir, durch den ich diese ganzen misslichen Situationen erschaffen hatte. Ich schaute hin und stellte fest, dass ich diesen Schmerz schon mitgebracht hatte und durch meine Haltung und mein Handeln immer wieder reproduzierte und dadurch andere Menschen fühlen mussten, was ich nicht fühlen wollte. All der Druck, den ich in der Gemeinschaft fühlte, kam von mir und ich habe versucht andere Menschen zu manipulieren und zu erpressen, damit sie mir bestätigen, dass ich richtig bin. Diese Menschen haben mir all das gespiegelt und mich trotzdem geliebt an Stellen an denen ich mich schon aufgegeben hatte. (Danke dafür!)
Inzwischen habe ich angefangen den Kontakt mit meiner Herkunftsfamilie weiter zu pflegen, und sehe, wo diese Strukturen herkommen und kann sie mehr und mehr zu mir nehmen und mich davon emanzipieren. Dadurch ist nicht nur der Kontakt zu meiner Familie schöner geworden, ich stehe auch wieder in regelmäßigem und schönen Kontakt mit der Gemeinschaft.
Insofern kann ich bestätigen, das ist echte Heilungsarbeit, die die machen. Ich bin stärker geworden, der Kontakt zu meiner Familie ist schöner geworden, ich mache eine Ausbildung, was ich mir vorher niemals hätte vorstellen können so lange an einem Ort zu bleiben wo ich vorher niemals Dinge zu Ende gebracht habe. Ich habe gelernt was es heißt zu Hause zu sein, was echte Freundschaft ist und was Familie bedeutet. Außerdem habe ich meinen Platz gefunden, meine Aufgabe; ich bin Krankenschwester in Ausbildung. Ich stehe zu hundert Prozent hinter der Gemeinschaft und bin jeder Zeit bereit auszusagen oder in einem Gespräch von meinen Erfahrungen zu berichten, sollte jemand Fragen haben was hier passiert ist.
Es ist so wichtig, dass wir auf uns selbst zurückfallen und den Krieg in uns aufhören, denn sonst wird der Krieg im Außen nie aufhören. Das ist die wichtige Arbeit, die Go&Change für unsere Welt macht.
In Liebe und Lebensfreude,
Brit Marie Abele


05.06.2020 - 00:15 von Agata Laszcz an die Mainpost


Sehr geehrte Frau Jeske, sehr geehrter Herr Stahl,

auch ich bin schockiert und entrüstet über Ihre meinungsmachenden, fahrlässig-beschuldigenden Artikel über die Go&Change Gemeinschaft (Mainpost vom 22.5.2020 und 1.6.2020). Wie kommen Sie dazu solche schweren Vorwürfe und Vermutungen aufgrund von so einseitiger und oberflächlicher Information zu veröffentlichen, ohne sich die Mühe zu machen den Tatsachen auf den Grund zu gehen? Sie schützen nicht vor ungerechtfertigten, negativen Auswirkungen Ihres Artikels. Diese Auswirkungen betreffen viele Menschen, nicht nur die Gemeinschaft samt der Kinder und die anderen Ex-Mitglieder.

Warum hinterfragen Sie nicht die Motive der Personen, die diese Vorwürfe erheben?

Warum überprüfen Sie nicht die Quellen und geben den Aussagen seriöser Institutionen so wenig wert? Wieso wird eine Gegendarstellung seitens der Gemeinschaft verhindert, obwohl sie zu Gesprächen eingeladen hat? Wieso ist auf die fundamentale Frage „warum noch keine Anzeige erstattet wurde“ ein Schulterzucken und der Wunsch stressfrei weiterzuleben wichtiger, als zu verfolgen warum eine Anzeige „aussichtlos“ sein könnte. Liegt es an der Schwäche des Rechtsstaats oder vielleicht doch an nicht stattgefundenen Straftaten? Womit rechtfertigen sie ihre sensationsheischende Schlagzeile „Staatsanwaltschaft prüft Vorwürfe…“ wenn die Staatsanwaltschaft durch die Vorwürfe ihres ersten Artikels überhaupt erst dazu verpflichtet ist, dies „von Amts wegen“ zu tun? Warum werden im ersten Artikel keine Ex-Mitglieder gefragt, die in Frieden sind mit der Gemeinschaft? Und warum haben Sie im zweiten Artikel den Stellungnahmen dieser Ex-Mitglieder kaum Raum und wenn, dann nur mit unkonkreten Passagen eingeräumt? Und warum haben Sie weniger aussagekräftige Personen gewählt z.B. keine langjährigen Mitbewohner, Ärzte oder Frauen? Passen deren Aussagen, wie meine auch, nicht in das Bild, welches Sie erzeugen wollen?

Fünf Jahre habe ich mit Go&Change gelebt und davon vier Jahre mit den Menschen zusammengewohnt. Die meisten hier Beteiligten kenne ich persönlich samt ihrer Geschichte mit Go&Change. Auch war ich viele Monate Teil des Leitungsteams und kenne die internen Strukturen, deren Entstehung und die entsprechenden Entscheidungsvorgänge. Darüber hinaus bin ich Ex-Partnerin vom von ihnen angefeindeten K.K, mit einem gemeinsamen kleinen Kind.

Mir ist es ein Herzensanliegen die Gemeinschaft, die nicht nur Heimat ist für unser Kind, sondern auch meine innere Heimat, vor der Missgunst, Verleumdung und medialen Gewalt zu schützen. Ich liebe die Menschen dort und das was sie tun. Go&Change ist für mich ein Ort der Liebe, der Verbindung, des Friedens, der Kooperation, des Aufbaus und der Heilung. Damit ist es eine gelebte Antwort auf die vielen Probleme und Fragen der heutigen angstbesetzten Zeit voller Einsamkeit, Konkurrenz, Zerstörung und Trauma.

Ich bin so froh unser Kind dort mit aufwachsen zu sehen, in Geborgenheit, mit einer kreativen und vor allem sozialen Förderung, die ein tiefes Urvertrauen in die Menschen ermöglicht. Mit einer verinnerlichten Grundeinstellung von Lebensfreude, Kooperation und aufeinander Achten. Die Kinder können sich in Freiheit und anhand von Grenzen erfahren, haben die Möglichkeit die eigenen Potentiale auf vielfältige Weise zu entdecken und können spielerisch Verantwortung übernehmen durch kleine Aufgaben und Projekte. Genährt von zahlreichen fürsorglichen Bindungen, über uns als Eltern hinaus, wächst mein Kind in einem Netz aus Menschen auf, die mit geballtem Wissen und Elan um eine friedvolle Zukunft der Kinder ringen, als wären es ihre eigenen. Um so schmerzhafter, dass Sie nicht davor zurückschrecken, die verstorbenen Kinder zur Meinungsmache, zu benutzen. Es ist erschreckend, dass Sie dieses Zuhause angreifen mit dem Vorwurf der Kindeswohlgefährdung und damit der Meinung selbsternannter „Aussteiger“ und Besuchern mehr Bedeutung geben, als dem Jugendamt. Sie geben auch an dieser Stelle wieder einem Gast mehr Raum als Menschen, die lange in der Gemeinschaft gelebt haben. Diese anonyme Frau behaupten im zweiten Artikel, Eltern hätten wenig Mitspracherecht beim Betreuungskonzept, was schlichtweg nicht wahr ist. Allein der Fakt, dass regelmäßig der Elternrat einberufen wird und auch die ganze Gemeinschaft in die Erziehung und das Gestalten des Erziehungskonzepts mit eingebunden ist, führt den Vorwurf ad absurdum.

Ich habe Go&Change und den Menschen dort nichts vorzuwerfen, im Gegenteil: Ich wurde noch nie so weitreichend auf allen Ebenen unterstützt, von Anfang an und allen voran von K.K. und Felix Krolle. Solch ein unermüdlicher, karitativer Einsatz sollte unterstützt und behütet werden, damit noch mehr Menschen derart engagiert handeln. Diese Selbstermächtigung zur Verantwortungsübernahme geschieht seit vielen Jahren in der Gemeinschaft und wird stets gefördert durch Potenzialentfaltung, Arbeit im großen Leitungsteam und nicht zuletzt durch das Zurücktreten von K.K. aus der Leitung vor Jahren. Spätestens hier sollte Ihnen auffallen, dass es einfach keinen Guru gibt. Mit ihrem Artikel schließen Sie sich denen an, die ihre Verantwortung für ihre Probleme im Leben am liebsten einem Guru zuschieben wollen, um ihn dann als böse darzustellen und mit den dort geparkten Problemen scheinbar fein raus zu sein. Sie unterstützen diese Menschen, statt jene, die wirklich etwas neues Wagen und nachweislich vieles zum Besseren bewegt und Großes aufgebaut haben.

Aufgrund der Anfeindungen einmal an meinem Beispiel hervorgehoben:

Alle meine Beziehungen, auch die außerhalb des Klosters zu Angehörigen und Freunden werden unterstützt und gesunden, werden klarer und ehrlicher. Auch die Beziehung zu mir selbst: Wenn ich bedenke, was alles an meinen psychosomatischen Beschwerden, Konflikten und Problemen ein Ende gefunden hat. Ich habe so viel Lebensfreude, Selbstbewusstsein, Kraft und Lebensqualität gewonnen, wie ich vorher nicht einmal geahnt habe, dass es möglich sei. Da kann ich nur erleichtert und dankbar sein. Und dies hat jeder der Mitbewohner an sich selbst erfahren, sonst wäre er kaum dort eingezogen.

Mit dem Einzug hat sich jeder auch explizit dafür entschieden, gemeinsam um die liebevollste Lösung zu ringen und diese Kulturarbeit zu leisten. Jeder einzelne Mitbewohner hat in vielen Abstimmungen mitentschieden, destruktivem Verhalten (z.B. Partner ausspannen, Macht-Intrigen, Beleidigen), wie es in der Gesellschaft und Medien als ‘normal’ dargestellt wird, in der Gemeinschaft verantwortungsvoll einen Riegel vorzuschieben. Damit hat sich ausnahmslos jeder bewusst dafür entschieden, die Gemeinschaft ‘schlimmstenfalls’ verlassen zu müssen, sofern er oder sie verletzend handelt und die zahllosen Chancen und Handreichungen nicht zur Veränderung nutzt.

Um so wütender bin ich auf die selbsternannten „Aussteiger“, die diesen Ort nun derart anprangern und zu zerstören versuchen. Sie sind nicht ausgestiegen, wie sie es so gern darstellen, sondern wurden allesamt aufgefordert Go&Change zu verlassen, wegen ihres destruktiven Verhaltens und der daraufhin fehlenden Einsicht und Veränderung. Wie gesagt, ich habe es persönlich miterlebt. Es ist absolut verantwortungslos sich nun als Opfer darzustellen und es ist ein Racheakt aus persönlicher Kränkung und Missgunst.

Um die Absurdität noch einmal sichtbar zu machen: Nehmen sie an, sie hätten wirklich „Angst vor Verfolgung“, wie anonym behauptet wurde: Würden sie mit solchen prekären Aussagen als Erstes zur Zeitung gehen? Ich würde bei dieser scheinbaren Schwere der Verbrechen zu meiner und aller Sicherheit direkt zur Polizei gehen und Polizeischutz beantragen. Als Mitwissende würde ich mich verpflichtet fühlen die anderen Opfer mitzuretten. Es sei denn es gibt nichts zu befürchten und stattdessen die Intention zu schädigen.

Ich fordere Sie auf Ihre rufschädigende Darstellung, durch entsprechende Recherchen, Veröffentlichungen und Veröffentlichung von Stellungnahmen wieder gutzumachen, um den Schaden zu minimieren. Dies sollten Sie nicht zuletzt auch tun, um dem Vertrauen in Sie, als seriöse Regionalzeitung gerecht zu werden. Gern bin ich mit weiteren Aussagen bei der Wahrheitsfindung behilflich, sofern dies Ihr ehrliches Interesse sein sollte. Für eine entwürdigende Schlammschlacht wie bisher, bin ich nicht zu haben. Daher erlaube ich eine Veröffentlichung von Teilen meiner Stellungnahme nur mit einem explizit bei mir eingeholten Einverständnis. Die komplette Stellungnahme können sie jedoch gern veröffentlichen.

Agata Laszcz, B.Sc. Psychologie


04.06.2020 - 21:29 von Marius Windt an die Mainpost

Lieber Benjamin Stahl, Liebe Christine Jeske,

ich beziehe mich in meiner E-Mail auf Ihren Artikel “Psychodruck und sexualisierte Gewalt im ehemaligen Kloster” und die beiden darauffolgenden Veröffentlichungen der Mainpost und möchte als vormaliger Bewohner der Gemeinschaft meine Sicht der Dinge schildern und damit zu einer friedvollen Lösung des Konfliktes beitragen.

Ich habe von Anfang November bis Anfang April im ehemaligen Kloster gewohnt und war vorher 1 3/4 Jahre regelmäßig als Gast zu Besuch. In meiner Zeit dort habe ich sehr viel über mich gelernt und Ruhe jetzt mehr in mir, weiß genauer was ich in meinem Leben möchte und kann besser meine Meinung vertreten und mit Menschen, die eine andere Ansicht haben, in Kontakt und in meiner Liebe zu ihnen bleiben. Go & Change ist der inspirierendste Ort, den ich bisher in meinem Leben kennengelernt habe und ich fühle mich mit den Menschen, die dort leben, nach wie vor tief verbunden. Die Ehrlichkeit und die Liebe die ich dort immer wieder in Begegnungen und Beziehungen erlebt habe, habe ich vorher in dem Maße selten erfahren.

Ein wichtiger Teil der in der Gemeinschaft gelebten Kultur besteht darin sich gegenseitig mit Feedback und Wahrnehmungen zu unterstützen. Wo bereicherst du mein Leben und ich bin dir dankbar und wo habe ich den Eindruck, dass du dich auf eine Weise verhältst die dir selbst und den Menschen, mit denen du in Beziehung bist, nicht guttut. Jede/r ist aufgefordert eine eigene Meinung zu haben und diese auszusprechen und seine Wahrnehmung der Dinge zu teilen und auszudiskutieren.

So wurden meiner Freundin und mir Stellen in unserer Beziehung gespiegelt, an denen wir auf eine destruktive Weise voneinander abhängig sind und uns gegenseitig auf eine Weise bestätigen, die uns davon abhält erwachsener und verantwortlicher für uns einzustehen, zu wachsen und ein erfülltes Leben zu leben.

Ich bin nach wie vor dankbar für das Feedback, was wir zu unserer Beziehung bekommen haben, weil ich einige Stellen, wo wir eine destruktive Paardynamik haben, jetzt besser sehen und verändern kann. An anderen Stellen habe ich eine andere Meinung, was auch dazu führte, dass ich mich Anfang April entschloss aus der Gemeinschaft auszuziehen und entgegen dem Ratschlag meiner Mitbewohner die Beziehung mit meiner Freundin weiterzuführen.

Ich hatte ein schönes abschließendes Gespräch mit dem von Ihnen benannten Felix Krolle in dem wir unsere verschiedenen Standpunkte darlegten und ich ganz klar seine Liebe und seinen Wunsch das es mir gut geht spüren konnte. Nachdem ich meine Sachen gepackt hatte, fuhr er mich zum Bahnhof und wir gingen gut auseinander. Vor Kurzem habe ich noch einmal telefoniert und wir haben nach wie vor, was meine Beziehung angeht, unterschiedliche Standpunkte und gleichzeitig einen guten Kontakt und Wertschätzung füreinander.

Bei Go & Change habe ich erlebt, dass man unterschiedliche Standpunkte haben und sich gleichzeitig weiter lieben kann.

Natürlich ist es eine Herausforderung gegenüber einer ganzen Gemeinschaft, die das eigene Zuhause ist, an wichtigen Stellen einen konträren Standpunkt zu haben und diesen gegen andere Meinungen zu vertreten. Gleichzeitig gehört für mich genau das zum Erwachsenwerden dazu. Einen eigenen Standpunkt gegenüber anderen Menschen zu vertreten und dabei innerlich in Kontakt zu bleiben.

Niemand bei Go & Change wurde zu irgendetwas gezwungen. Jeder/r hat die Möglichkeit an jeder Stelle eine andere Meinung zu beziehen und zu gehen, wenn er/sie nicht mehr dort leben möchte. Niemand wird verfolgt, wenn er beschließt auszuziehen oder von der Gemeinschaft aufgefordert wird zu gehen.

In Bezug auf Sexualität habe ich keine Grenzüberschreitungen erlebt, sondern im Gegenteil die Möglichkeit offen über Sexualität zu sprechen und dabei unterstützt zu werden seine eigene Sexualität zu leben, solange man dabei niemand anderen verletzt.

Der von Ihnen genannte K.K. ist ein Mensch, der in der Gemeinschaft großes Vertrauen genießt, gerade weil er so viele Menschen tief berührt und sie unterstützt eine eigene starke liebevolle Persönlichkeit zu werden. Niemand ist aus Angst zu Go&Change gezogen, sondern weil er oder sie tief berührt von dem Ort und insbesondere von K.K. ist. Natürlich spiegeln K.K. und andere aus der Gemeinschaft nicht nur die liebevollen Teile von einem, sondern auch die Stellen, wo man sich selbst und anderen schadet. Wenn man eine andere Meinung hat, kann man sie ausdiskutieren und jederzeit gehen, wenn man nicht auf einen Nenner kommt und merkt, dass man nicht mehr dort leben möchte.

In Bezug auf das Begleiten und Erziehen von Kindern geht es bei Go&Change darum Empathie und Grenzen zusammenzubringen. Also die eigenen Kinder zu lieben, sie tief zu sehen und ihnen Orientierung zu geben, liebevolle Grenzen zu setzen und dabei konsequent zu sein. Auch in diesem Zusammenhang habe ich viel gelernt und bin sehr dankbar und mit Wissen und Erfahrungen bereichert für den Fall, dass ich einmal selbst Papa werde. Für mich ist ganz klar, dass die Erwachsenen in der Gemeinschaft die dort lebenden Kinder tief lieben und möchten, dass sie eine wundervolle Kindheit haben und alles mitbekommen, was sie für ein erfülltes Leben brauchen.

An verschiedenen Stellen würde ich, wenn ich mir vorstelle Papa zu sein, weniger Grenzen und Konsequenzen setzen als andere in der Gemeinschaft, aber auch hierüber hatte ich immer die Möglichkeit mit allen Erwachsenen zu diskutieren und meine Meinung dazuzustellen.

Ich bin bereit mich weiter mit Ihnen auszutauschen, wenn das einer friedlichen Konfliktlösung dient und hoffe vor allem, dass sie ehrlich an Kontakt zu den Menschen im ehemaligen Kloster interessiert sind. Ich hoffe, dass wir uns am Ende alle darauf beziehen werden, dass wir Menschen sind, die ein erfülltes Leben leben möchten und herausfinden möchten wie wir in Liebe und Frieden miteinander auf diesem Planeten leben und dieses Wunder des Lebens gemeinsam feiern und wertschätzen können.

Ich selbst arbeite seit 7 ½ Jahren als Trainer für Gewaltfreie Kommunikation und unterstütze Menschen dabei ihre inneren Konflikte und Konflikte mit anderen Menschen auf friedvolle Weise zu lösen und dabei tiefer in Verbindung zu kommen und erlebe immer wieder welche Erfüllung darin liegt sich einander zu sehen und zu verstehen und aus der Verbundenheit neue Lösungen zu finden, die man vorher nicht sehen konnte.

Falls Sie meine E-Mail im Ganzen veröffentlichen möchten, können Sie das gerne tun. Falls sie nur Teile veröffentlichen oder zitieren möchten, würde ich gerne vorher wissen welche und dafür dann eventuell mein OK geben, damit ich sichergehen kann, dass ich so wiedergegeben werde wie ich es meine.

Alles Liebe,
Marius Windt

04.06.2020 - 18:14 von Franziska Mittelstädt an die Mainpost


Sehr geehrte Damen und Herren der Mainpost, “liebe Freunde”, die ihr das liest,

Eine Demokratie, eine Gesellschaft so komplex wie die unsere, benötigt Aufklärung und Diskurse, um lebendig zu sein, um sich weiterzuentwickeln, und um sicher zu sein.

Ich persönlich stelle mir den journalistischen Beruf als sehr herausfordernd vor, insbesondere bei heiklen Themen wie z.B. Gewalt, Sexualität, Hierarchie, Geld und Tod. Daher wertschätze ich auf der einen Seite das Bemühen der Main-Post, mit ihrer Arbeit mehr Aufklärung und Transparenz zu schaffen, damit sich die Menschen eine eigene Meinung bilden können.

Auf der anderen Seite bin ich traurig und wütend, welch einseitige, diffamierende und Ängste-weckende Form der Journalismus gerade in dieser Zeitung annimmt.

Diese Zeilen schreibe ich als Reaktion zu dem Artikel “Psychodruck und sexualisierte Gewalt im ehemaligen Kloster?”, der am 22.05.2020 in Main-Post erschien. Aus meiner Perspektive enthält der Artikel eine Reihe von drastischen Falsch-Darstellungen, die in der Öffentlichkeit ein Bild von der Gemeinschaft Go&Change darstellen, das nicht der Realität entspricht. Im Sinne einer ganzheitlichen Recherche erwarte ich, dass meine mehrjährigen Erfahrungen mit der Gemeinschaft einbezogen werden. Mein Name ist Franziska Mittelstädt, ich kenne Go&Change seit Januar 2016 und dieser Text kann gerne zitiert werden.

Zusammenfassung und Richtigstellung

Da ich vom März 2017 bis Januar 2020 in der Gemeinschaft gelebt und deren Gründung von Halle aus mit vorbereitet habe, selbst zeitweise in Leitungspositionen Veranstaltungen bei Go&Change durchgeführt und für das Gemeinschaftsgeschehen Verantwortung übernommen habe, sehe ich mich imstande, das Leben bei Go&Change gut beurteilen zu können. Die von in Ihrem Artikel vorgetragenen Vorwürfe kann ich nicht teilen. In der Zeit konnte ich weder “sexualisierte Gewalt”, “Gehirnwäsche” noch andere Arten der dargestellten Fügig-Machung von Mitgliedern der Gemeinschaft oder Gästen beobachten. Wir haben gemeinsame Regeln, w.z.B. das pünktliche Erscheinen zu Gemeinschaftszeiten, den respektvolle Umgang mit der (Bereichs-)Leitung und die gewissenhafte Ausführung von Dienstanweisungen. Aber von Zwang kann dabei aber keine Rede sein. Ich sehe darin vielmehr notwendige Grundregeln und -pflichten die eine jede Familie, jede Arbeitsstätte für ihr Zusammenleben braucht. Da die Go&Change-Familie größer ist und sehr viele Lebensbereiche vereint, ist folgerichtig das Regelwerk komplexer. Bis vor kurzem (die Corona-Maßnahmen erlauben es nicht mehr) war unser Gemeinschaftsleben stets davon geprägt, dass wir Gäste, Familienmitglieder und Menschen aus dem Freundeskreis, ab und zu auch Freunde aus dem Dorf in unserer Mitte hatten. Sie waren Teil vom Alltagsgeschehen (Mahlzeiten, Arbeitseinsätze, Feste, Sport, Meditation,Tanz) als auch Teilnehmer unserer Gesprächsrunden. Da wir uns speziell einer Kultur der Transparenz verschrieben haben, konnten auch immer wieder Externe sehr intimen Gemeinschaftsprozessen beiwohnen, solange sie sich an die Gemeinschaftsregeln hielten, sie die Räume achteten und niemanden schlecht behandelten. So haben wir uns im ständigen Beisein externer Beobachter über die Jahre eine Redekultur erarbeitet, in der wir sehr klar und bewusst miteinander kommunizieren, einen gemeinsamen Fokus auf das legen, was gerade im gemeinsamen Interesse steht. Für viele Gäste war dies eine bereichernde Erfahrung. Vor allem Menschen, die bereits in vielen Projekten gearbeitet und in Gemeinschaften gelebt hatten, gaben positive Rückmeldungen zu unseren gemeinsamen Fokus und der Rücksichtnahme aufeinander.

Kinder

Ihr Artikel beschreibt einen fahrlässigen Umgang mit den Kindern in der Gemeinschaft und deutet einen dubiosen Erziehungsstil an, bei denen Kindern die Liebe und Aufmerksamkeit entzogen wird. Auch das kann ich nicht bestätigen. Es gibt eine umfassende Umsorgung der Kinder und Erziehungsfragen werden immer wieder reflektiert. Das Kindeswohl hat bei der Gemeinschaft einen besonders hohen Stellenwert. Als wir immer mehr Kinder in der Gemeinschaft und zu Besuch hatten, organisierten wir ein festes Team, dass die Kinderbetreuung mit ihrer Erfahrung und ihrem Wissen organisierte und ausrichtete. Die gemeinsame Erziehung wird immer wieder in der Betreuungs- und Elterngruppe und z.T. in der gesamten Gemeinschaft supervisioniert, damit die Kinder durch eine einheitliche Grenzsetzung eine sinnvolle Orientierung bekommen und außerdem jeder sein Wissen und seine Wahrnehmungen einbringen kann. Durch die gemeinschaftlich organisierte Kinderbetreuung und das enge Zusammenleben wie die gemeinsamen Mahlzeiten und gemeinsame Freizeitgestaltung haben die Kinder viele konstante Bezugspersonen. Gleichzeitig können die Eltern viel näher an ihren Kindern sein, als ich es von “normalen Umständen” kenne, da Arbeitsstätte und Familie nah beieinander sind. Wo ist das schon möglich, dass sich beide Eltern arbeitstechnisch verwirklichen können und gleichzeitig ihre Elternzeit flexibel in den Tag einbetten können? Wenn das Kind einmal unmittelbar einen Elternteil braucht, ist dieser meist nicht mehr als 5 Minuten entfernt und wir können dem Bedürfnis des Kindes nachgehen. Das selbstständige Erleben der Welt wird so gefördert: Ich als Kind kann mich erleben und es ist immer jemand für mich da, Mama und Papa sind nur ein Katzensprung entfernt. Die Beobachtung eines “Umarmungsverbot” kann ich mir allenfalls im Zusammenhang mit einer Regeldurchsetzung vorstellen, wo sich z.B. das Kind im Beisein der Bezugsperson sich in seinem Frust, etwas nicht zu bekommen, selbst zu beruhigen lernt. Die Klischee-hafte Situation des wütenden Kindes vor der Supermarkt-Kasse verdeutlicht, wie wichtig solch eine Frustbewältigungskompetenz schon im frühen Alter ist (- von den Vorteilen im Erwachsenenalter ganz zu schweigen.)

Schreiende Kinder in der Nacht: Diesen Vorwurf kann ich nicht nachvollziehen. Sobald ein Kind in der Nacht anfängt zu schreien, weil es z.B. schlecht geträumt hat, ist jemand zur Stelle, das Babyphone, dessen Empfangsweite das gesamte Kloster abdeckt, ist stets unter Aufsicht, es gibt sogar einen extra Dienst dafür. In dem Artikel wird ein systematisches schreien lassen unserer Kinder angedeutet, dass ich an dieser Stelle ganz klar negieren muss. Im Gegensatz zu meinen eigenen Erfahrungen als Kind, werden die Kinder im Falle dass sie nachts schreien, nicht allein gelassen oder gar ignoriert.

Tod unserer Kinder

Besonders geschmerzt haben mich die Formulierungen zu dem Tod unserer Kinder.

Binnen nur weniger Wochen ist für uns gefühlter Weise zwei mal die Welt zusammengebrochen, das Unfassbare passiert.

Ich kann Ihnen versichern, dass bereits beim einmaligen Erleben einer solche Situation sich die Perspektive auf das eigene Sein auf der Erde grundsätzlich ändert.

Nichts scheint mehr gegeben. Die Illusion der Unendlichkeit des eigenen Lebens und das der Menschen die man liebt, zerplatzt wie eine Seifenblase und übrig bleibt die Realität, ungeschönt und klar. Entweder erscheint einem jetzt alles sinnlos, oder man nimmt die Situation als Anlass, dem eigenen Leben nun noch mehr Sinn zu geben. Wir haben uns für Letzteres entschieden.

Dass die Gemeinschaft eingebettet ist in viele Beziehungen im Dorf und der Region, und einen großen überregionalen Freundeskreis hat, zeigte sich bei den Trauerfällen.

In dieser Zeit haben wir das Undenkbare geschafft, diesen Trauerakt gemeinsam zu verkraften und für die Eltern der verstorbenen Kinder da zu sein. Wir wurden dabei von unseren externen Beziehungen gestützt, hatten Beistand durch wunderbare Gesten wie z.B. über 30 Kuchen, die uns aus dem Dorf für die Trauerfeier gebacken wurde, die Blaskapelle, die uns auf dem schweren Weg durch das Dorf zum Friedhof begleitet hat, Mitglieder aus anderen Gemeinschaften und die Erlöserschwestern, die uns immer wieder über diese Zeit mit Trost und Schulterschluss beiseite standen.

Sehr geehrter Herr Stahl, sehr geehrte Frau Jeske,
diesen Raum von Liebe, Menschlichkeit und Unterstützung beleidigen Sie in der Art und Weise, wie diese Schicksalsschläge in einen Artikel einbinden, in der die Gemeinschaft als Zusammenschluss von manipulierender Gewalttäter und ego-gefütterter Mitläufer und das Dorf als naiv und unreflektiert dargestellt werden. Das sage ich Ihnen nicht, weil Sie Formulierungen gewählt haben, die nach dem deutschen Gesetzt unrechtmäßig sind. Sondern ich sage es Ihnen von Mensch zu Mensch: Das ist nicht gut. Das ist nicht schön. Das unterschreitet das Mindestmaß an Respekt und Menschlichkeit, den ich mir für unsere Gesellschaft wünsche. An dieser Stelle verfehlen Sie Ihren Auftrag als wichtiges Organ unserer Gesellschaft im gravierende Maße. Ich wünsche mir, dass wir unseren Kindern etwas schöneres Vorleben.

Macht, Verantwortung, Felix Krolle, “K.K.”

Felix und der von Ihnen benannte “K.K.” waren zusammen mit einigen anderen (seien Sie überrascht – auch Frauen!) für mich anfangs Mentoren und Wegbegleiter in der Innenarbeit und wurden rasch zu Freunden. Heute sind wir Familie füreinander und haben ein sehr enges Vertrauensverhältnis. Bereits in Halle verbrachten wir viel Zeit miteinander, waren uns wichtig und schauten deshalb genau hin. Gerade diese gegenseitige Vertrauensbeziehung zueinander ermöglichte uns, den mutigen Schritt, zusammen nach Franken in das ehemalige Kloster zu ziehen. Stellen Sie sich das einmal vor: Wir alle im Schnitt zwischen Mitte Zwanzig und Mitte Dreißig, verließen unsere gewohnten Karrieren und unsere Heimatstätten, um einen ganz neuen Weg einzuschlagen, in ein uns unbekanntes Dorf in ein riesiges Gebäude.

Felix und “K.K.” waren von Anfang an im besonderen Maße präsent und transparent in unserer Gemeinschaft. Wie auch in einer Dorfgemeinschaft ist über diejenigen, die viel Verantwortung übernehmen, hilfsbereit sind, sich engagieren, für jeden ein offenes Ohr haben, mehr bekannt, als die, die sich passiv in der Beobachterrolle halten.

Sie schreiben in Ihrem Artikel: “Ein Gemeinschaftsmitglied – K.K. (Name der Redaktion bekannt) – rückt in den Schilderungen besonders in den Fokus. Er habe sich immer mehr zum “Guru” gewandelt und die Führung übernommen.” Felix und “K.K.” waren die gemeinsamen Gründer und darüber hinaus Initiatoren vieler Impulse von Go&Change. Natürlich brauchten wir bereits von Anfang an gewisse Strukturen für den Zusammenhalt einer Gruppe in dieser Größe und Komplexität. Die beiden Gründer waren durch ihre Befähigung, ihr Wissen und nicht zuletzt Engagement (sie arbeiteten deutlich mehr als alle anderen) in verschiedenen Leitungspositionen. Leider zieht hier die Main-Post, höchstwahrscheinlich durch einseitige Quellen in ihrer Recherche und Übernahme klassischer Bilder aus unserer modernen Arbeitswelt, Schlüsse zu einseiten Machtverhältnisse und reduzieren auf platte Art und Weise unser Beziehungsgeflecht. “K.K.”, Felix Krolle und im Zeitverlauf das zunehmend wachsende Leitungsteam forderte alle Gemeinschaftmitglieder auf, Verantwortung zu übernehmen. Es kam also nicht wie beschrieben zu einer Machtübernahme eines Möchte-Gern-Gurus, sondern eine sukzessive Umverteilung von Entscheidungsbefugnissen und Verantwortungsbereiche von den Initiatoren und Motoren (!) der Gemeinschaft an den Teil der Gemeinschaft, der Verantwortung tragen wollte und konnte. So entstand eine Kompetenzhierarchie mit bis zu 10 Menschen im Leitungsteam und Bereichsleitern in den einzelnen Arbeitsbereichen. Wir sind hier nicht Opfer einer Struktur, in die wir hinein gepresst werden, so wie Kinder im Mittelalter in eine Ständegesellschaft hineingeboren wurden und sich dem fügen mussten. Wir haben uns selbst in viel Arbeit, Ausprobieren und Neuformieren gemeinsam Strukturen erschaffen, die gleichzeitig ein stabiles Miteinander unterstützen und jeden in seinem Talent und Potenzial fördern.
Viele von uns, auch ehemalige, auch ich, benutzten die Hierarchie immer wieder um die Verantwortung für Entscheidungen nicht selbst zu übernehmen. Es gibt kulturell geprägt, sozusagen als kollektives Problem, den Wunsch nach einfachen Antworten und Lösungen: Ohne selbst gründlich zu überlegen den direkten Weg ins Paradies einfach hinterher laufen. Sei es nun die verheißungsvolle Werbung im Fernsehen, kulturelle Schönheitsideale oder Prediger und Gurus. Felix und “K.K.” voran, wie auch andere aus dem Leitungsteam, forderten uns immer wieder auf, selbst Verantwortung für das Gemeinschaftsgeschehen und unser Leben zu übernehmen. Dies heißt auch sich von destruktiven Erwartungshaltungen, Leistungsdruck oder anderen gesellschaftlichen Bildern zu emanzipieren. Das heißt, sich selbst einen Wert zu geben. Dieser ständigen Aufforderung zur Selbstliebe bin ich sehr dankbar – ohne sie hätte ich vieles in mir wohl nie oder erst nach vielen Jahren auf “Holzwegen” erkannt. Dieser Dank bezieht im besonderen Maß auf “K.K.” und Felix Krolle: Durch die Zeit mit Go&Change bin ich in vielen Aspekten meines seins freier geworden, selbstbewusster und liebevoller im Umgang mit anderen und mit mir selbst. Ich habe gelernt, mich besser abzugrenzen und Standpunkte zu beziehen, mich einzusetzen für das, was mir wichtig ist. Entgegen der Annahmen, die man aus dem Lesen des Artikels ziehen könnte, fühle ich mich gesünder und freier in meiner Sexualität und meinem Sein als Frau. An keinem Ort zuvor, konnte ich mich so frei über meine Erfahrungen, Gedanken, Vorlieben und Ängste zum Thema Sexualität austauschen und habe mich dabei immer sicher und gut unterstützt gefühlt. In den Beziehungen, die ich während meiner Zeit in der Gemeinschaft geführt habe, erarbeiteten wir uns mit Hilfe der Gemeinschaft ein Niveau von Nähe und Geborgenheit, dass ich als wohl auch mein jeweiliger Partner zuvor nicht kannten. In den 4,5 Jahren habe ich Felix Krolle und “K.K.” kontinuierlich dabei erlebt, wie sie mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die Menschen um sich unterstützt haben. Mit viel Zeit und Muße wendeten sie sich an die, die Frage stellten. Ihrer Unterstützung konnte man sich nicht nur in Notlagen immer sicher sein. Die Darstellung als machtgeiler-Guru und manipulierter Marionette wird dieser beiden Männer und ihrer Liebe nicht im geringsten gerecht und missachtet, was sie ins Leben gebracht haben.

Warum dieser Weg
Eine Sozialisierung, die sich vor allem um das ICH dreht, selbst der Beste, der Klügste zu sein, das beste Kind, Mutters und Vaters größter Stolz zu sein etc. bringt uns immer mehr dazu, dass wir ernsthafte Schwierigkeiten haben, uns nebeneinander in unserer Schönheit zu stellen. Der Blick auf Instagram, GNTM und klassische Film- und Musikstars wird genutzt um sich selbst abzuwerten, der Blick nach links und rechts dazu, andere abzuwerten. Selbst unter engen Freunden sind vor allem unter Frauen Neid und Eifersucht der Standard. Bei mir selbst habe ich bereits vor Jahren, noch bevor ich Go&Change kannte, gemerkt, dass mir bestimmte Konzepte und Vorstellungen im Wege stehen, mich wirklich auf jemanden einzulassen, zu vertrauen und Nähe zuzulassen. Das ist mir bei vielen Menschen aufgefallen. Meiner Wahrnehmung nach verstärkt sich das gerade in der Gesellschaft und deshalb ist eine Kultur des Miteinanders so wichtig, deshalb würde ich jederzeit diesen Weg mit all seinen Herausforderungen wieder antreten. Es ist wichtig, dass Menschen und ihre Beziehungen gesunden.
Ich habe in meinen Leben so oft gesehen, dass wenn es an den Punkte kommt, dass es in einer Partnerschaft oder Freundschaft nicht weiter geht, ein kompletter Bruch mit Freundeskreis die Folge ist und es sehr selten zu einer Aufarbeitung der Beziehung kommt. Ich selbst habe in meiner Zeit in Lülsfeld nacheinander zwei Partnerschaften geführt. Während dieser und darüber hinaus konnten wir immer mehr die Beziehungsdynamiken, die aus Bildern über Geschlechterrollen, aus Machtspielchen und alten Erwartungs- und Anspruchshaltungen entstanden, reflektieren und andere Wege ausprobieren. Dies war nicht immer leicht, vor allem weil mein Selbstbild als ausschließlich liebevolle Partnerin, aus dem ich viel Selbstwert zog, damit in Gefahr geriet. Aber nur wenn ich mir eingestehe, wo ich andere Menschen zu meinen eigenen Zwecke schlecht behandele oder benutze, kann ich diese Stellen verändern. Und ist das dann nicht am Ende liebevoll? Leider war mir an einigen Punkten mein Selbstbild wichtiger als meine liebevolle Ausrichtung und mein Widerstand, mir meine unliebevollen Seiten einzugestehen, wirkte sich immer mehr auf die Gemeinschaft aus, sodass ich ausziehen musste.
Ich stehe nach wie vor im vollem Maße dahinter, was die Gemeinschaft tut. Unsere Gesellschaft, die ganze Welt braucht genau solche Räume wie bei Go&Change, damit wir neue Lösungen für unsere Beziehungskultur erforschen und ins Leben bringen können. Warum: Schauen Sie nur einmal in den (hoffentlich besser recherchierten) Rest der Zeitung oder schalten Sie um 20:00 Uhr die Tagesschau ein.

Mit den besten Grüßen
Franziska Mittelstädt, B.Sc. Volkswirtin


29.05.2020 - 12:18 von Donya F. Ordobady an die Mainpost

Frau Jeske, Herr Stahl,
liebe Gemeinschaft,

ich möchte mich in dieser Nachricht auf Ihren am 23.5.2020 veröffentlichten Artikel in der Mainpost über die Gemeinschaft Go&Change in Lülsfeld beziehen; für eine Richtigstellung der dort niedergeschriebenen, grausamen Vorwürfe gegen die Bewohnerinnen, insbesondere gegen Felix Krolle und den von Ihnen betitelten K.K. Ich kenne die Gemeinschafts seit über einem Jahr, habe mehrere Monate dort gelebt. Ihre Berichterstattung ist skandalös.


Ich war schockiert darüber, ein Bild vom Kloster Maria Schnee mit dem Untertitel “Schattenwelten” groß auf der Titelseite (!) zu sehen sowie über den sich über zwei Seiten erstreckenden Artikel, basierend auf den Aussagen einiger weniger Ex-Bewoherinnen, gefüllt mit Diffamierung und schweren Vorwürfen. Sie haben den Menschen der Region Mainfranken das Bild eines Schreckenkabinetts über einen Ort gezeichnet, an dem Menschen leben, die es sich zur Lebensaufgabe machten, für Frieden und Ehrlichkeit einzustehen.

Ich kenne die Gemeinschaft seit dem Frühjahr letzten Jahres, habe seitdem mehrere Wochenenden dort verbracht und habe mich schließlich dazu entschlossen, einzuziehen. Während dieser Zeit habe ich durchweg positive Erfahrungen mit der dort gelebten Form des Miteinanders gemacht; ich habe in diesen Räumen Mitgefühl, bedingungslose Liebe, Lebensfreude, gemeinsames Trauern, Verbundenheit, und Zusammenhalt erfahren, was meine Entwicklung zu einem verantwortungsbewussten, frei denkenden, fühlenden und handelnden Wesen bereichert hat. In jedem Moment wird jede dort lebende Person dazu angehalten eine eigene Meinung zu haben, diese zu äußern und daraus Konsequenzen zu ziehen.
An diesem Ort wird hart daran gearbeitet, sich von dem jahrthundertealten “Opferkult” unserer Gesellschaft zu emanzipieren – also genau von dem Bilde, was Sie mit Hilfe der von Ihnen befragten Personen, gezeichnet haben!
In meiner Arbeit als Ärztin sehe ich tagtäglich, wie Menschen durch u.a. diese Haltung krank geworden sind bzw. dabei sind krank zu werden, teils schwere körperliche und seelische Erkrankungen erleiden. Ich habe bei Go&Change gesehen und an eigenem Leibe erfahren wie verschiedenste chronische Leiden heilten, teilweise intentional und teilweise quasi als “Nebenprodukt” durch die Aufarbeitung persönlicher Themen, Traumata, Konflikte der Vergangenheit und Gegenwart sowie die Erfahrung, das alles eingebettet in einem Feld der Annahme tun zu dürfen!
Ich kann Ihnen somit versichern: Das, was bei Go&Change passiert, ist echte Heilungsarbeit und damit ein wertvoller Beitrag zum Wohle unserer Gesellschaft. In meinen Augen gar revolutionär- sie übersteigt an vielen Punkten die Effektivität unserer modernen Medizin. Zualledem wird in der Gemeinschaft regelmäßige körperliche Betätigung integriert wie Yoga, Rückensport und Tanzen sowie eine auf biologischer Herkunft basierter, fleischfreier Ernährung, die erwiesenermaßen die Gesündeste aller Ernährungsformen darstellt.
Auch ich habe einen Teil der Zeit miterlebt, die Ralf B.’s Frau im Kloster verbrachte und ich kann Ihnen als approbierte Medizinerin versichern, dass diese Frau nichts an Ihren Problemen ändern wollte, letztendlich die allgemeingültige “Opferstrategie” wählte, um nicht Verantwortung für sich zu übernehmen und eine Heilung ihrer Wunden zu ermöglichen!
Sebastian Stark habe ich persönlich nie kennengelernt, kann aber allein schon durch seine durch Felix Krolle bereitgestellten Facebook-Posts erahnen, wie hochpathologisch dieser Mann in seiner gelebten Persönlichkeitsstruktur wohl sein mag.

Das erste Mal war ich im März 2019 zu Besuch bei Go&Change; es war die Woche, in der das Kleindkind durch einen Unfall an einem nahegelegenen Teich gestorben ist. Ein Vorfall, den Sie in Ihrem Artikel nochmals aufgegriffen haben. Hier ein Rätsel für Sie: Mein erster Kontakt mit der Gemeinschaft; ich erlebe den tragischen Tod eines Kindes mit. Einige Monate später entscheide ich mich dazu dort zu leben. Wie passt das zusammen?
Es hat mich damals überwältigt und in den tiefsten Ecken meiner Seele berührt, wie die Gemeinschaft mit diesem tragischen Verlust umgegangen ist. Ich war Teil von stundenlangen Gemeinschaftstreffen, in denen das Geschehnis selbstkritisch von den zu dem Zeitpunkt verantwortlichen Betreuerinnen sowie der gesamten Gruppe, inklusive Gästen, reflektiert wurde, getrauert wurde, Wut und Verzweiflung, Hoffnung und Lebensfreude geäußert wurden. Ich habe miterlebt wie sich die Eltern des Kindes in ein liebevolles Nest fallen lassen konnten, ihren Schmerz nicht verstecken mussten, Unterstützung und Mitgefühl erfuhren. Es wurde sich mit gerade stattfindenden Projektionen Einzelner sowie möglicher zukünftiger Projektionen Angehöriger sowie Außenstehender befasst. Wie gleichzeitig mit dem Trauern gefeiert, gelebt und geliebt wurde. Das hat mich so tief berührt, so eine Dichte an Liebe und Menschlichkeit habe ich noch nie irgendwo gesehen. Ich schrieb in dieser Woche in mein Notizbuch nieder: “Ich bin gerade bei Go&Change, einer Gemeinschaft irgendwo in Bayern in der Pampa. […] Es ist der schönste Ort der Welt.” Damit nur kurz die Fülle an Reichtum diesen Ortes, der sich hauptsächlich durch Spenden durch Freunde, Bekannte und Unterstützerinnen finanziert, angerissen.

Des Weiteren möchte ich die Erziehung der dort lebenden Kinder besonders hervorheben; ich habe noch nie so glückliche, lebensfrohe Kinder tagtäglich freudig durch die Flure des Klosters, durch den Klostergarten und das Lülsfelder Land hüpfen sehen. An diesem Ort sind sie von so vielen Menschen geliebt und umsorgt. Ich würde meine eigenen Kinder der Gemeinschaft blind anvertrauen, wenn ich nochmals Kind wäre, würde ich diesen Ort von allen Orten, die ich bisher kennengelernt habe, vorziehen. Es wird hart gearbeitet um ihnen Respekt, Ehrlichkeit und Fürsorge für ihre Mitmenschen beizubringen. Es wird ihnen vorgelebt, was Frieden, Wertschätzung und Dankbarkeit bedeutet; alles Werte, die für das Überleben unserer Menschheit unabdingbar sind. Das alles passiert absolut transparent, die Eltern der Kinder werden zu jeder Zeit mit in die Prozesse ihrer Kinder einbezogen. Durch die ganztägige Betreuung sind die Kinder stets zusammen; sie essen, schlafen und spielen gemeinsam immer in Anwesenheit von mind. 2-3 Erwachsenen. Das Jugendamt hatte nichts auszusetzen, der Betreuungsschlüssel ist besser als in den meisten Kitas, die Anzahl an Bezugspersonen groß. Durch die regelmäßigen Kennlernwochenenden und die offenen Türen für z.B. Gemeinschaftstage kommen sehr viele Menschen ins Kloster. Die Kinder begegnen jeder Person offen, neugierig, einladend und beziehen andere Kinder sofort mit in ihren Spielkreis ein, als wären sie Familie. Gäste, die zu Besuch kamen, als ich noch dort wohnte, erzählten mir, mit Tränen in den Augen, wie berührt sie von unseren Kindern seien und wie wundervoll so eine Kindheit bei Go&Change doch sein müsste. Soviel zum Thema “Psychodruck”… Kein Kind der Welt wäre an einem Ort glücklich, wo solch eine Atmosphäre, wie die von Ihnen beschriebene, herrscht!

Ich bin der Gemeinschaft sehr dankbar über die Zeit und Mühe, die sich vorallem die von Ihnen erwähnten Personen Felix Krolle und K.K. machen, um das alles zu verwirklichen, um zu gewährleisten, dass es jeder Person, die sich im Kloster aufhält, ob Gast oder Bewohner, gut geht.
In Ihrem Artikel beschreiben sie, dass sich der von Ihnen betitelte K.K. nicht an die gemeinsam Regeln des Miteinanders halte, von “oben herab” agiere- im Regenteil! Er arbeitet am härtesten für die Aufrechterhaltung genau dieser Regeln und Werte!!!

Sie haben in Ihrer Recherche meines Erachtens grobe, professionelle Fehler gemacht. Sie haben sich nicht die Mühe gemacht weder aktuelle noch ehemalige Bewohner*innen der Gemeinschaft zu kontaktieren, um das einseitige Bild der gekränkten, nach Rache lechzenden Personen zu vervollständigen. Denn wie Sie ja jetzt schon nach nichtmal einer Woche sehen, haben sich schon mehr positive, die Gemeinschaft wertschätzenden Stimmen erhoben, als die von Ihnen interviewten Personen in ihrer Anzahl es hergeben, das Gegenteil behauptend! Ist das nicht verrückt?

Für ein persönliches Interview bin ich bereit. Aufgrund der Tatsache, dass ich als Ärztin hier in der Region arbeite und bedauerlicherweise weiß, dass einige der vorallem betagten Steigerwäldler unter uns- Ihrer Berichterstattung geschuldet!- sich jetzt schon auf gut Deutsch das Maul über die von Ihnen als furchteinflößende Sekte dargestellte Gemeinschaft zerreißen, würde die Veröffentlichung zunächst nur anonymisiert erfolgen.

Können Sie sich vorstellen, wie sich das anfühlt, wenn Sie Ihren Kolleginnen von ihren Freunden erzählen, freudesstrahlend, von einem Ort der Liebe und Begegnung und plötzlich so ein Artikel über die besagten Menschen erscheint? Gefüllt mit Hass, Hetze, Angstmacherei?! Ich hatte das Glück, dass meine Kolleginnen differenziert genug denken können und sich bei dem, was ich für eine Arbeit als Ärztin und Verhalten im Team an den Tag lege, nicht vorstellen konnten, dass das, was sie da schreiben, wahr sein kann.

Je nachdem, was die Entwicklungen der nächsten Wochen und besonders Ihr Bemühen zur Wahrheitsfindung zeigen, werde ich ggfs. meine Meinung über die Veröffentlichung meiner Identität ändern.
Die hier in dieser E-Mail beschrieben Inhalte können anonymisiert veröffentlicht werden, wenn dazu vorher meine schriftliche Einverständniserklärung eingeholt wurde.

Ich fordere von Ihnen, dass Sie alles in Bewegung setzen, um dieses Unrecht wieder gutzumachen. Auch fordere ich die gesamte Redaktion der Mainpost dazu auf, alles in Bewegung zu setzen, wenn sie wirklich daran interessiert sind, eine glaubwürdige Zeitung in der Region bleiben zu wollen.

Somit verbleibe ich mit freundlichen Grüßen,

Donya F. Ordobady, 28, Ärztin

Leicht abgewandelte Version zur ursprünglichen Mail an die Mainpost.


Weitere E-Mail an die Mainpost am 12.06.2020 – 01:18 von Donya F. Ordobady

Herr Stahl, Frau Jeske,

Sie haben am 10.6. einen weiteren Artikel über Go&Change veröffentlicht. Und wieder so ein Riesenfoto, große Schlagzeilen. Sie haben die beiden Weltanschauungsbeauftragten zu der Sache interviewt, die beide einen kirchlichen Hintergrund haben (Diplom Theologen, toll und wie weiter?) und für ein einziges Mal zu Besuch bei Go&Change waren. Und die sollen jetzt beurteilen, wie liebevoll dieser Ort ist? Merken Sie eigentlich nicht, wie lächerlich das ist?

Sie haben sich keine Mühe gemacht irgendetwas Aussagekräftiges der zahlreichen Stellungnahmen, zum Beispiel die Meinung von Gemeinschaftserfahrenen, Ärzten, Coaches, Psychologen, Eltern, aktuellen Bewohner*innen etc.etc. miteinzubeziehen und somit das Bild über die Gemeinschaft zu korrigieren! Weder in Ihrer Berichterstattung noch in Ihrem persönlichen Bild, auf das man recht einfach schließen kann.
Das kann nur absichtliche Rufschädigung sein. Ich frage Sie ernsthaft, was ist Ihr Problem? Was sind Ihre Motive? Um was geht’s eigentlich?

Ich erwarte eine Antwort von Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen,

Donya F. Ordobady


29.05.2020 - 01:31 von Matthias Albrecht an die Mainpost

Sehr geehrter Herr Stahl, sehr geehrte Frau Jeske,

meine Ausführungen beziehen sich auf Ihren Artikel “Psychodruck und sexualisierte Gewalt in ehemaligem Kloster?”.

Ich bin im März 2017 mit Go&Change von Halle an der Saale nach Lülsfeld gezogen.

Nach einem guten Jahr bin ich im April 2018 wieder zurück nach Halle und bin von Zeit zu Zeit wieder zu Besuch im ‘Kloster’. So war ich auch bereits in diesem Jahr 1 1/2 Monate bei meinen Go&Change-Freunden.

Es fällt mir sehr schwer diese Zeilen zu schreiben. Dies liegt zum einen daran, dass ich über den Inhalt Ihres Zeitungsbeitrags sehr schockiert bin und diesen Schock noch nicht überwunden habe und zum anderen daran, dass ich mich hiermit von einem ‘Friedensgebiet’ in ein ‘Kriegsgebiet’ begebe. Wie mein ich das? Wir leben allgemein in der Gesellschaft in einer Kultur des Misstrauens und der Konkurrenz, die zu einem ständigen (potentiellen) Kampf mit den Mitmenschen führt – also Kriegsgebiet. Dies kommt auch mit Ihrem Artikel zum Ausdruck. Im Gegensatz dazu ist die Kultur von Go&Change von Vertrauen und Kooperation geprägt und ich kann mir des Wohlwollens der Mitmenschen stets sicher sein – also Friedensgebiet. In manchen Kleinfamilien soll es so etwas auch geben. Und nun wird dieses geschützte Familienleben an die Öffentlichkeit genötigt.

Ihren Beitrag finde ich grob einseitig und extremst zugespitzt und das auch noch aus einer sehr speziellen Perspektive einiger weniger. Ihre Darstellung ist zur Diffamierung und Rufschädigung geeignet. Steckt dahinter Ihrerseits eine Agenda? Oder ist es “nur” journalistisches Ungeschick? Mit meiner Sicht der Dinge hat Ihr Beitrag (mit Ausnahme der Äußerungen der Bewohner von Lülsfeld) nichts zu tun.

Meine Erfahrungen im Go&Change-Leben sind geprägt von herzlichen Freundschaften, Raum für Kommunikation über Ängste, Selbstzweifel und alle (un)möglichen Dinge, für die es wo anders keinen Raum gibt.
Es geht darum, Grenzen zwischen den Menschen abzubauen und zu einer innigen Verbundenheit zu kommen. Ich für mich habe bei, mit und durch Go&Change meine Ängste abgebaut und mehr Lebensfreude sowie Selbstverständnis, Selbstsicherheit und Selbstverantwortung entwickelt.

Ängste aufbauen – wie es Protagonisten Ihrer Zeitungs-Geschichte (“Atmosphäre der Angst”) beschreiben – kann man bei Go&Change nur, wenn man die Verbundenheit nicht will und genau deshalb Angst haben muss, sich zu öffnen. Aber dann ist man definitiv falsch an diesem Ort.

Ebenso kann es einen in Ihrer Zeitungs-Geschichte vorkommenden ‘Guru’ nur da geben, wo es auch Menschen gibt die jemanden dazu machen. Das heißt also Menschen, die nicht für sich und ihr Leben die Verantwortung übernehmen wollen. In der Gesellschaft gibt es sowas auch sehr häufig – sei der Guru dann der Lebenspartner, den Chef, die Regierung oder die WHO. Bei Go&Change hingegen zählt Selbstverantwortung. Wer diese nicht übernimmt ist bei Go&Change falsch. Insofern gibt es auch keinen Raum für einen ‘Guru’.

Im Go&Change-Leben insbesondere den Prozess-Zeiten habe ich sehr viel über Menschen, wie sie denken, fühlen, handeln gelernt. Zum einen über mich, zum anderen über andere; viele Erkenntnisse über Menschen wie (im Detail) verschieden, aber (im Grundsatz) auch gleich sie sind. Und es gab in den Tiefen der menschlichen Psyche immer wieder Überraschungen, z.B. wie sich hartnäckige Egos – trotz ständig andere Beteuerungen – immer wieder asozial verhalten, manipulieren und Unfrieden stiften, kaputt machen (wollen), sich zum Opfer machen und ihre Schatten auf die Gemeinschaft im allgemeinen und einzelne Mitglieder im Speziellen projizieren … nicht aufgeben …
und nun mit ihren destruktiven Ambitionen sogar bei einer Lokalzeitung landen?

Hinterfragen von sich selbst im Dasein und im Mitsein mit seinen Mitmenschen kann sehr anspruchsvoll und anstrengend sein. In seiner Intensität bei Go&Change ist es für die meisten Menschen in unserer Gesellschaft nicht vorstellbar. Auch für mich war es ein sehr anspruchsvolles, anstrengendes Leben. Auch da es ja nicht nur um mich selbst und die Bewohner, sondern auch um die Vielzahl der Gäste ging, die uns besuchten. Hinzu kam bei mir, dass ich als selbständiger Ingenieur und auch zur Pflege anderer sozialer Kontakte oft auf Reisen war und während dieser viele der permanent erfolgenden dynamischen Entwicklungen des Gemeinschaftslebens verpasste und es daher schwierig für mich war, den Überblick zu behalten. So entschied ich im Frühjahr 2018 mich dem täglichen Gemeinschaftsdasein wieder zu entziehen. So bin ich zurück in meine alte Heimat und seitdem gelegentlich als Gast im ‘Kloster’.

Ich pflege mit vielen der ehemaligen Go&Change-Mitbewohner Kontakte und bin bereit mit jedem der hinter Ihrem Artikel stehenden zu reden. Ich vermute, dass es sich dabei genau um die handelt, die schon lange der Kommunikation mit mir aus dem Weg gehen.

Obwohl ich schon vor zwei Jahren ausgezogen bin, fühle ich mich von Ihrem Artikel persönlich angegriffen und sehe meine ‘Wahl-Familie’ in den Dreck gezogen. Ich bin gespannt, wie Sie, Herr Stahl und Frau Jeske, das wieder gut machen wollen!

Mit fragwürdigen Grüßen
Matthias Albrecht, Ingenieur


28.05.2020 - 19:44 von Rachel Edwards an die Mainpost


Herr Stahl, Frau Jeske,

Es macht mich wütend mit welcher einseitigen, unfundierten Recherche Sie den Artikel zu „Go and Change“ veröffentlichen und damit ernsthaft rufschädigende Darstellungen unterstützen. Bis vor Kurzem habe ich selbst anderthalb Jahre in der Gemeinschaft gelebt, war ein halbes Jahr lang Teil des Leitungsteams, bin ehemals Beziehungspartnerin von Felix Krolle und kenne den grössten Teil der ehemaligen Bewohner persönlich. Die Darstellung der von Ihnen interviewten Ex-Bewohner teile ich nicht.

Ich stehe absolut hinter der Gemeinschaft „Go and Change“ und bin bereit hierzu öffentlich Stellung zu beziehen.

Grade in der gegenwärtigen Zeit, in der viele Menschen ohnehin von Misstrauen und Zweifel verunsichert sind, ist “Go and Change” ein wahrer Lichtblick für ein friedliches, lernfreudiges Miteinander und ein heilsamer, überregionaler Ort für menschliche Begegnung. Hunderte Gäste jährlich aus ganz Deutschland und Europa reisen für die Kennenlernwochenenden an. Es ist mindestens eine schwerwiegende Fahrlässigkeit von Ihnen als lokale Zeitung, dass Sie eine solche regionale Gruppe und deren wertvolles Wirken, mit dem Artikel nicht nur nicht unterstützen, sondern im Gegenteil öffentlich Anfeindungen Preis geben. Mir selbst und viele andere haben die jahrelangen Erfahrungen in der Gemeinschaft wieder das Vertrauen und den Glauben an echte Werte und das Gute im Menschen geschenkt, wobei mein Glaube an guten Journalismus durch Ihre Artikelrecherche grade tief ins Wanken geraten ist.

Mit dem Artikel werden mehr als drei Jahre mitmenschlicher, karitativer Arbeit der Gemeinschaft mit Bewohnern, Gästen, Dorfbewohnern und anderen gemeinschaftlichen Organisationen mit Füßen getreten und für äussere Image-Mache erklärt. Sie verunsichern das öffentliche Meinungsbild mit Tratsch und missbrauchen Ihre Verantwortung als zuverlässige Informationsquelle der Region.

Wie kann es sein, dass Sie solche schweren Vorwürfe wie sexuelle Gewalt, Psychoterror und Gehirnwäsche als vermeintliche – weil von ein paar wenigen Ex-Bewohnern „unabhängig voneinander“ geäußerte – Wahrheiten da stehen lassen, ohne dass es für solche Anschuldigungen irgendwelche tatsächlichen, belegbaren Beweise gibt? Ihre Überschrift gleicht eher einer Bildzeitung-Schlagzeile als dem Niveau einer lokalen, seriösen Zeitung. Das Meinungsbild, das Sie in dem Artikel zeichnen, folgt leichtfertig dem gekränkten Ego einiger von der Gemeinschaft zu gehen aufgeforderten Personen, die sich selbst in den sozialen Räumen asozial verhalten und destruktive Verhaltensweisen in die Gemeinschaft getragen haben. Die Fakten sprechen für sich, dass die rausgeschmissenen Personen mit ihren Anfeindungen in dem Artikel offenbar ihrerseits die Menschen der Gemeinschaft nicht in Frieden ihr Leben leben lassen. Wieso werden sie jedoch von Ihnen als Opfer der Situation dargestellt? Vor allem die von Ihnen interviewten „verängstigten“ Ex-Bewohnerinnen sprechen sich selbst, mir und allen anderen Ex-Bewohnern ihren freien Willen ab und bevormunden mich damit öffentlich in meiner Menschenwürde, deren endgültige gesellschaftliche Anerkennung mir grundsätzlich als Mensch und persönlich als Frau mit afroamerikanischen Wurzeln sehr am Herzen liegt.

Ihre Hauptaussage des Artikels, dass von Außen bei der Gemeinschaft alles ordentlich ist, intern aber böse Machenschaften am Werk seien, hinterlässt trotz fehlender Fakten bei dem Leser schlussendlich ein dubioses, ungutes Gefühl im Bezug auf die Gemeinschaft und spielt mit gesellschaftsgeschichtlich geprägten Ängsten vor Sekten, Gruppenzwang, Nötigung von Frauen und Kindesgefährdung. Ich hoffe schwer, dass Ihnen die Fehlinformation in den Aussagen von Ex-Bewohnern, auf die sie sich in Ihrem Artikel verlassen, einfach nicht in Gänze bewusst war. Denn es tut mir in der Seele weh, dass Menschen, wie Felix Krolle und der von Ihnen abgekürzte K.K., die sich mit ihrem Leben und ihren Taten zutiefst für mitmenschliche Werte wie Liebe, Kooperation und Wahrhaftigkeit hinstellen, von Ihnen als Sekten-Gurus und Geschäftsführer-Marionetten an den öffentlichen Pranger gestellt werden. Grade weil das Projekt „Go and Change“ nicht unter dem Schutz einer größeren, kirchlichen Institution steht, sondern ihr Einsatz für echte Werte und ihre Taten für sich sprechen, wäre es doch angemessen, dass eben diese Werte die Unterstützung Ihres doch hoffentlich ebenfalls um Wahrheit interessierten Journalismus erhält.

Die zwei Todesfälle der Kinder haben uns damals, zu der Zeit als ich in der Gemeinschaft lebte, tief getroffen und waren schwere Schicksalsschläge, die uns schlussendlich in der geteilten Trauer und der gleichzeitigen Wertschätzung für das Leben als Gemeinschaft tiefer miteinander verbunden haben. In ihrem Artikel erneut eine Kindeswohlgefährdung in den Raum zu stellen, obwohl Jugendamt und Staatsanwaltschaft hierzu bereits offiziell Stellungnahmen geliefert haben, empfinde ich als zutiefst zermürbend. Ich frage mich ernsthaft, wie Sie es als Redaktion rechtfertigen die Gemeinschaft zusätzlich zu diesen Schicksalsschlägen nun erneut mit Ihren Infragestellungen zu belasten, indem Sie Formulierungen wählen wie „das Bild der heilen Welt, das Go and Change zumindest nach Aussen abgibt, (bekommt) tiefe Kratzer“. Insgesamt wird ihre Redaktion damit keinesfalls ihrem Slogan gerecht: „MainPost verbindet“, sondern Sie unterstützen damit Zwietracht und Zweifel.

Ich fordere von Ihnen eine Aufklärung und nicht eine Verunsicherung ihrer Leserschaft und eine Richtigstellung der Tatsachen bezüglich „Go and Change“, mit dem Sie das Vertrauen ihrer Leser in Sie als Zeitung wieder herstellen. Hierzu sind Sie meiner Meinung nach verpflichtet, wenn Sie sich weiterhin als seriöse Zeitung bezeichnen wollen! Andernfalls wende ich mich an andere Medien und Zeitungen.

Bitte veröffentlichen Sie dieses Schreiben in seiner Vollständigkeit als Leserbrief. Obwohl ich durchaus Angst vor gesellschaftlichen Anfeindungen haben muss, nicht dem Bild einer hilflosen, opfer-verkörpernden Frau zu entsprechen, wie es andere Ex-Bewohnerinnen bevorzugen, sind sie dennoch befugt meinen vollständigen Namen zu verwenden.

Es schreibt

Rachel Edwards

Weitere Einblicke und Erfahrungen von mir können Sie zur Richtigstellung ihrer Darstellung verwenden und veröffentlichen:

Die Darstellung der von Ihnen interviewten Ex-Bewohner von „alles kontrollierenden Anführern“ lässt vollkommen die absolute Freiwilligkeit jedes dort lebenden Bewohners und der Gäste aussen vor. Jeder Mensch mit einem freien Willen und eigenverantwortlicher Lebensgestaltung ist zu jeder Zeit angehalten die Gemeinschaft zu verlassen, wenn er nicht laenger dort sein will. Jeder, der meint keinen freien Willen zu haben, wird sich unabhängig vom Ort überall zum Opfer machen. In der Gemeinschaft ist die Diskussion verschiedener Standpunkte jederzeit willkommen. Grade diese Offenheit, bei der nichts unter den Teppich gekehrt wird, sondern alles im transparenten Miteinander um Wahrheit ringend ausdiskutiert wird, hat mich zutiefst in der Wahrhaftigkeit berührt. Bei wesentlichen Entscheidungen in der Gruppe gehört es zum Entscheidungsprozess, dass jeder Bewohner einen eigenen Standpunkt bezieht.

Alle Bewohner, die ein ernsthaftes Interesse an den dort gelebten, gemeinschaftlichen Werten von Kooperation und Liebe haben sind in meiner Erfahrung durch das gemeinsame, sich unterstützende soziale Feld im Laufe der Jahre aufgeblüht, in sich selbstbewusster, sozialer und kompetenter geworden. Die konstruktive Ausrichtung und Gestaltung ist massgeblich der Gemeinschaftsleitung, Felix Krolle und dem von Ihnen abgekürzten K.K. zu verdanken, die ihr eigenes Ego zum Wohle aller zurückstellen. Die Aussage von Ex-Bewohnern ihre Persönlichkeit wäre instabiler geworden und ihr Ich löste sich auf spricht ausschliesslich für ihre eigene Ego-Zentriertheit und ihre fehlende Bereitschaft sich als eigenständiger, selbstverantwortlicher Mensch für ein höheres, gemeinsames Wohl zurückzustellen.

Die Kindererziehung in der Gemeinschaft ist liebevoll und konsequent. Ich habe noch nie Kinder so offenen Herzens und glücklich durch die Flure singen und tanzen gesehen wie bei „Go and Change“. Die Kinder teilen ihr Essen miteinander, achten gegenseitig auf sich, grüssen jeden Fremden offen und mit Neugierde und sind miteinander – im Vergleich zu vielen anderen Kindern, die ich kenne – ausgesprochen sozial. Das ist das Ergebnis von einer liebevollen Kindererziehung in der Gemeinschaft. Es gibt eine 24h Rundumbetreuung und auf jedes Kind wird individuell eingegangen.

Ich war selbst bei den meisten Vorgängen um Ralf B. und seiner Frau dabei. Wenn seine Frau, wie er meint so durch die Hölle gegangen ist, frage ich mich, wieso er es tatenlos mitverfolgt und nicht früher unterbrochen hat. Sowohl er als auch seine Frau waren absolut freiwillig dort.

In der alternativen Gemeinschaftsszene ist „Go and Change“ in den letzten Jahren mehr und mehr von diversen Gemeinschaften und Organisationen angefragt worden, sie mit ihrer Expertise zu unterstützen. Die Art, in der Sebastian Stark sich öffentlich mit diffamierenden Beschuldigungen seinem ehemals engen Freund Felix Krolle gegenüber positioniert, sagt wohl mehr über seinen eigenen Wert als Freund, sein gekränktes Ego und seinem Wunsch nach öffentlicher Aufmerksamkeit aus. Grade ein langjähriger Weggefährte müsste meiner Meinung nach trotz aller Differenzen den Anstand besitzen der ehemaligen Freundschaft Wertschätzung zollen und den beruflichen Erfolg des Anderen anzuerkennen, statt dessen Werdegang mit schwerwiegenden Anschuldigungen „kaputtmachen“ zu wollen.


28.05.2020 - 12:25 von Julian Vogel an die Mainpost


Herr Stahl und Frau Jeske,

Ich habe fast sechs Jahre mit Go&Change verbracht und bin vor ca. einem halben Jahr dort ausgezogen. Ich bin schockiert darüber, wie einseitige Recherche, tendenziöse Berichterstattung und schlichtweg falsche Vorwürfe ein Gemenge ergeben, dass vielen Lesern das Gefühl geben wird, Go&Change sei eine kriminelle Psycho-Sekte.

Der Journalismus, den sie in dem Artikel über Go&Change zu Tage gelegt haben ist offensichtlich nicht an Wahrheitsfindung und Aufklärung interessiert, sondern eher daran, den Leser Ihrer Zeitung in eine Richtung zu manipulieren, dass er schockiert wird und eine Art Gräuelbild von Go&Change erhält.

Ich frage sie, was sie dazu veranlasst hat, den Artikel in dieser Art zu schreiben und wie sie das mit Ihrem journalistischen Ethos vereinen können.

Sobald sie erkennbar ein Interesse an einem an Wahrheit ausgerichteten Journalismus erkennen lassen, bin ich bereit mit Ihnen über meine Erfahrungen in der Gemeinschaft zu sprechen und einen schriftlichen Bericht dazu zu verfassen.

Ich erwarte von Ihnen, dass sie nach weiterer Recherche öffentlich (in Ihrer Zeitung) eine Richtigstellung der Faktenlage liefern und sich außerdem öffentlich bei der Gemeinschaft für Ihren rufschädigenden Artikel entschuldigen.

Bitte veröffentlichen Sie diese Zeilen zum nächstmöglichen Zeitpunkt als Leserbrief in Ihrer Zeitung.

Mit freundlichen Grüßen

Julian Vogel, Diplom-Physiker

Ergänzung vom 02.06.2020:
1.) Abhängigkeiten und Freiheit
Ich wurde bei Go&Change nie zu irgendwas gezwungen oder hab miterlebt, dass dies jemandem anderem passiert ist. Jeder wusste zu jedem Zeitpunkt, worauf er sich einlässt und hätte auch jederzeit ansprechen können, wenn etwas nicht passt und wir hätten gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Tatsächlich ist das genau die Art und Weise, mit der bei Go&Change mit Konflikten umgegangen wird.

Es war immer unser Menschenbild, dass wir alle liebevolle und weniger liebevolle Seiten in uns tragen, aber es durchaus Unterschiede gibt, was jemand hauptsächlich lebt.
In vielen Runden aber auch im Alltag, der Freizeit, beim Tanzen oder allen sonstigen Aktivitäten haben wir uns gespiegelt und uns selbst und die anderen kennengelernt. Davon war niemand (unabhängig von dem Platz in der Hierarchie) ausgeschlossen.

Natürlich ist es erstmal nicht leicht, sich selbst wirklich ehrlich anzuschauen. Es gibt Projektionen und Abwehr. Ich habe es selbst oft erlebt wie einem die ganze Welt plötzlich bedrohlich und die engsten Freunde als Feinde vorkommen, wenn man sich gerade etwas nicht eingestehen will.

Ich habe Go&Change als eine Gemeinschaft erlebt, wo man das einander verzeiht und wo gleichzeitig verlangt wird, seine Freunde auch als Freunde zu behandeln. Ansonsten hat man dauerhaft keinen Platz in der Gemeinschaft.

Ein solcher Umgang miteinander ist das genaue Gegenteil davon, Abhängigkeiten zu knüpfen. Er wertschätzt den Menschen in seiner Freiheit und Verantwortlichkeit und hat mir selbst geholfen, mich selbst mehr in meiner Menschlichkeit, Fehlerhaftigkeit, Schönheit und Verantwortlichkeit anzunehmen.

2.) Sexualität und die Rolle von Frauen und Männern in der Gemeinschaft.
Zwei Themen, die uns sehr viel beschäftigt haben. Im Laufe der Zeit ist immer klarer geworden, welche Dynamiken zwischen Frauen und Männern oft ablaufen und wir haben viel dafür getan, das Verhältnis der Geschlechter gesünder zu gestalten.

Viele (Männer wie Frauen, auch viele aus dem Leitungsteam) haben die Gemeinschaft auch genau aus diesem Grund verlassen. Weil sie das andere (oder dasselbe) Geschlecht nicht respektvoll behandelt haben und ein menschlicher und würdevoller Umgang der Geschlechter wichtige Werte der Gemeinschaft sind.

Um nochmal auf die konkreten Vorwürfe zurückzukommen: In all den Jahren des Zusammenlebens hab ich es nicht erlebt, dass K.K. irgendeine Frau schlecht behandelt, benutzt oder manipuliert hat. Er war im Gegenteil der, der am meisten von Allen solches Verhalten benannt und sich für ein liebevolles Miteinander eingesetzt hat.

3.) Der Tod der beiden Kinder.
Es ist wahrscheinlich schwer vorzustellen, wie es sich anfühlt, wenn man als Gemeinschaft sich seit Wochen über ein neues Baby freut und dieses kleine Wesen dann von einem Moment auf den anderen aufhört zu atmen. Wir haben wahrscheinlich alles an Emotionen durchgemacht, was es so gibt. Und dann passiert direkt noch ein Unglück und ein zweites Kind stirbt.
Wer ist schuld? Haben wir was falsch gemacht? Warum passiert uns das?- All diese Gedanken waren bei uns allen da. Wir haben lange über alles gesprochen und jede rationale Überlegung unsererseits kam zu dem Schluss, dass unsere Kinderbetreuung gut und sicher ist, wie sie ist. Und das ein Unglück, eine Unaufmerksamkeit passieren kann und tatsächlich andauernd und überall passiert, nur oft mit weniger tragischen Folgen.
Was dann nochmal zusätzlich wehtut sind, die subtilen mit offenen Unterstellungen, wir hätten die Kinder mit Absicht getötet und die totale Empathielosigkeit gegenüber denen, die einen tragischen Verlust erlitten haben, die sich in solchen Unterstellungen zeigt.

Go&Change habe ich als eine Gemeinschaft erfahren, in der sich auf Wahrheit und Liebe bezogen wird und das beinhaltet auch sich anzuschauen, was nicht Liebe ist. Es ist ein Ort der unzählige Menschen berührt und geheilt hat. Es ist keine perfekter Ort, wie überall sonst auch passieren Fehler, aber es ist ein Ort von Menschen, die gewillt sind bemerkte Fehler zu korrigieren und immer auf der Suche nach der liebevollsten Lösung für Alle sind.

Die in den Zeitungsartikeln vorgebrachten Vorwürfe haben nichts mit der von mir über sechs Jahre erlebten Realität zu tun und beruhen auf Projektionen der ehemaligen Mitbewohner, deren Aussagen maßgeblich den Artikel bestimmt haben.


28.05.2020 - 05:05 von Henrik Dutz an die Mainpost

Guten Tag Frau Jeske, guten Tag Herr Stahl,

Mit dieser Zuschrift möchte ich, Henrik Dutz, ehemaliges Mitglied der Gemeinschaft Go&Change, ebenfalls zu ihrem Artikel „Psychodruck und sexualisierte Gewalt in ehemaligem Kloster?“ Stellung beziehen. Allein im suggestiven Titel zeigt sich ein absoluter Mangel an journalistischem Verantwortungsgefühl. „Sexualisierte Gewalt“ ist ein unmissverständlicher Vorwurf mit entsprechenden Folgen und einer, der sich nicht einmal direkt von den im Text geschilderten Aussagen ableiten lässt: dort wird gesagt, dass sich angeblich eine Frau beim Sadomaso-Sex Verletzungen zu gezogen haben soll. Die Einvernehmlichkeit und Vorsätzlichkeit bei diesem Vorfall, wird nicht erörtert. Dann weiter im Text, nicht direkt auf die vorige Situation bezogen, wird eine angebliche Nötigung zu sexuellen Heilungs-Prozessen durch Gruppenzwang geschildert, wobei im nächsten Satz gesagt wird, dass die Subjekte sich ja auch was davon erhofft hätten. War etwas gegen deren Willen? War etwas ohne Einvernehmen? Die Frage nach Erstattung einer Anzeige und die Angst vor den Konsequenzen einer Anzeige deuten in diese Richtung, aber die entscheidenden Worte fehlen. Der geneigte Leser findet dennoch seine Antwort, denn warum sonst die Überschrift, die Idee einer Anzeige und die Angst?

Es wird kein Erfahrungsbericht aus dem Gemeinschaftsleben selbst integriert, der dem Tenor des Artikels widerspricht, obwohl diese offensichtlich zahlreich vorhanden sind und das bei so schweren Anschuldigungen. Die Rezepte die Aufmerksamkeit von Zeitungslesern zu wecken sind bekannt und ob damit die Lebensentwürfe einer ganzen Gruppe von Menschen, Erwachsenen und Kindern, gefährdet werden, scheint dabei keine größere Rolle zu spielen.

Ich kann aus meiner positiven Erfahrung in der Gemeinschaft klar sagen, dass die Werte wie Liebe, Wahrheit, Transparenz und Nächstenliebe, denen sich Go&Change verpflichtet fühlt, dort auch Verwirklichung finden und keine leeren Worte sind. Keine der Erfahrungen, die ich in der Gemeinschaft gemacht habe lässt Vorwürfe zu, wie sie von den Aussagenden vorgebracht werden, von denen der Journalisten ganz zu schweigen.

Ich selbst war in der Anfangsphase von Go&Change dabei, bin dann mit ins Kloster gezogen und hab von März 2017 bis Februar 2018 dort gewohnt. In der Folgezeit habe Ich die Gemeinschaft in unregelmäßigen Abständen Besucht. Auch wenn sich viel seit meines Verlassens der Gemeinschaft verändert hat, erlaube ich mir dennoch eine Meinung bilden zu können, da die anonymen Aussteiger*innen, die höchst wahrscheinlich in dem Artikel zu Wort kommen, größten Teils schon vor mir oder im gleichen Zeitraum die Gemeinschaft verlassen hatten. Das Wort „Aussteiger“ ist hier meines Erachtens etwas irreführend, da die Entscheidung die Gemeinschaft zu verlassen bis auf Ausnahmen von der Gemeinschaft ausging oder das Resultat eines Gruppenprozesses war. Ehemalige Bewohner oder Mitglieder wäre vielleicht passender. Der Begriff „Aussteiger“ passt vielleicht besser zu dem erwünschten Bild einer Sekte, welche Mitglieder zum verbleib zwingt und Aussteiger verfolgt. Stattdessen gab es von seitens Go&Changes immer wieder Angebote zu Klärungsgesprächen, die niemanden aufgedrängt wurden.

Ich bin unter transparenten und fairen Umständen bereit weitere Aussagen zu machen und bitte um die Veröffentlichung dieser Zuschrift.

Henrik Dutz, Architekt

27.05.2020 - 22:35 von Carlo Geldner an die Mainpost

Sehr geehrter Herr Stahl,
sehr geehrte Frau Jeske,

ich habe fassungslos Ihren Artikel über die Gemeinschaft Go and Change gelesen, die über 1,5 Jahre mein Zuhause gewesen ist. Der Artikel ist reinste Verleumdung und Diffamierung und es lässt sich kein Bemühen um eine objektive Klärung der Umstände erkennen. Sie vermitteln den Lesern ein absolut realitätsfernes, negatives Bild der Gemeinschaft, basierend auf Aussagen von gekränkten Menschen, die auf Diskreditierung, aber sicher nicht auf Wahrheitsfindung aus sind (dafür gäbe es, bei der Schwere der Vorwürfen, ja wohl andere Kanäle).Sicherlich, so eine vermeintliche “Inside-Story” ist gefundenes Fressen für Sie und lässt sich gut verkaufen.
Als außenstehender Leser des Artikels würde ich natürlich erst mal schockiert sein, was von dieser “Sekte” berichtet wird, mancher reagiert bestimmt mit einem “ich habs ja immer schon gewusst”. Der hinterlassenr Eindruck ist, durch Ihre einseitige, reißerische Berichterstattung klar.
Als ehemaliger Bewohner der Gemeinschaft Go & Change sehe ich die genannten Vorwürfe als komplett haltlos an. Ich habe durchweg positive Erfahrungen in der Gemeinschaft gemacht und habe auch heute zu ihr ein gutes Verhältnis und stehe voll hinter dem Projekt, das von ehrlich und hart arbeitender Menschen aufgebaut wurde.
Ich bitte alle Menschen, die diesen Diskurs verfolgen, bevor Sie sich die Münder zerreissen und ihr Bild alleine von dem Zeitungsartikel abhängig machen, offen zu sein für eine transparente Klärung aller Umstände. Aktuelle Debatten zeigen auf, wie schnell sich Falschinformationen verbreiten, die nicht auf Fakten basieren!
Von Ihnen als Autoren des Artikels fordere ich aufrichtige Bemühungen und Handlungen um Richtigstellung des Artikels und erkläre mich dann auch bereit, gerne ausführlich von meinen Erfahrungen im Kloster zu berichten.

Liebe Grüße,
Carlo Geldner (25)

27.05.2020 - 19:23 von Ringo Hagendorf an die Mainpost


Sehr geehrter Herr Stahl,
sehr geehrte Frau Jeske,
ich möchte mich auf Ihren “Bericht” zu Go&Change beziehen. Ich habe selber über zwei Jahre im Kloster gelebt und möchte meine Erfahrung teilen.
Vorweg: Ihre Art und Weise der Berichterstattung finde ich sehr fragwürdig, sie macht mich wütend und fassungslos.
Sie missachten journalistische Qualitätskriterien, schreiben einseitig, voreingenommen und ohne Bewusstsein über die Auswirkungen auf eine Gemeinschaft in der auch mehrere kleine Kinder ihre Heimat haben. Das ist unverantwortlich und auf Grund der mangelnden Faktenlage gefährden Sie auf Grund von Spekulationen die Existenz und Lebensgrundlage von etlichen Menschen!

Sie halten die positiven Stimmen im Hintergrund, geben den eigenen Äußerungen von G&C nur wenig Gewicht. Den Interviews und Sichtweisen der offensichtlich frustrierten Befragten wird viel Platz eingeräumt. Das ist meiner Ansicht nach ein Missbrauch ihrer medialen Wirksamkeit und dient lediglich der reißerischen Story.
Warum haben Sie keine ehemaligen Bewohner befragt, die eine positive Sichtweise auf Go&Change haben?

Zu den Vorwürfen aus dem Artikel: Ich bin für ungefähr zwei Jahre Teil der Klostergemeinschaft gewesen und habe unzählige positive und tiefgehende Erfahrungen gemacht, die nach wie vor mein Leben und meinen Alltag konstruktiv unterstützen und mir die Souveränität, Freiheit und Zuversichtlichkeit, mit der ich jetzt lebe, ermöglichen.

Ich stehe hinter dem Wirken und der Arbeit des Klosters und möchte die Erfahrungen dort nicht missen. Ich setzte mich dafür ein, dass unvollständige und herabwürdigende Bild, welches durch ihr Mitwirken entstanden ist, zu korrigieren.

Ich bin auch bereit zu einem persönlichen Gespräch oder Interview, um meine Sicht der Dinge darzustellen, wenn Sie für Integrität und Wahrhaftigkeit sorgen.

Ringo Hagendorf


27.05.2020 - 18:57 von Armin Bufe an die Mainpost


Guten Tag,
Frau Stahl, Herr Jeske,

ihr diffamierender und einseitiger Bericht über die Gruppe Go&Change hat mein Vertrauen in seriöse Pressearbeit auf’s tiefste erschüttert.

Ich bin persönlich getroffen und wütent über das Verhalten einiger ihrer Interviewpartner, da ich mit ihnen befreundet war. Umso mehrmehr enttäuscht es mich das sie sich als Journalisten von ihrem durch Neid, Missgunst und Profilierung geleiteten Rachefeldzug instrumentalisieren lassen.

Ich war selbst anderthalb Jahre Teil der Gemeinschaft.

Gerade bei den von ihnen in Kritik genommenen Gründern der Gemeinschaft K.K. und Felix Krolle habe ich immer wieder erlebt, wie sie sich weit über den Durchschnitt, und mit viel Zeitaufwand die Mühe gemacht haben, ihre Mitmenschen mit Tat und Rat zu unterstützen. Go&Change arbeitet eng mit etablierten Gemeinschaften wie die Erlöserschwestern in Würzburg zusammen, oder unterstützt das ZEGG bei Berlin, welches in den 90ern eine ähnliche Diffamierungskampagne überstanden hat.

Ihre tendenziöse und lückenhafte Berichterstattung greift die Lebensgrundlage der im Kloster ansässigen Familien an und beleidigt ihre Arbeit.

Deshalb fordere ich sie dazu auf Verantwortung für die Auswirkungen ihres Artikels zu übernehmen, dass Angebot der Gemeinschaft zu einem Dialog anzunehmen und sich aktiv für eine Aufklärung einzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Armin Bufe

Bitte veröffentlichen Sie den obigen Absatz als öffentlichen Leserbrief.

Wenn ich sehe das sie ein Dialog mit der Gruppe suchen und an einer richtigstellung des Artikels arbeiten erkläre ich mich bereit über meine Zeit bei Go&Change zu berichten.


27.05.2020 - 18:56 von Fritjof an die Mainpost

Herr Stahl und Frau Jeske,

Liebe Mainpost-Redaktion, liebe Frau Jeske, lieber Herr Stahl,

soeben habe ich ihren Artikel vom 22.05.20 über “Go and Change” gelesen und möchte Ihnen meine Perspektive als ehemaliger Bewohner (Sommer 2019 bis Februar 2020) gerne mitteilen, da ich die Anschuldigungen als vollig haltlos einschätze. Vorab möchte ich deutlich sagen, dass ich die Gemeinschaft und die Menschen, welche dort leben, den Ort aufgebaut haben und zu dem gemacht haben was er heute ist, liebe.


Ich habe mich in dem halben Jahr in dem ich dort war in vielen Bereichen entwickelt und fühle mich nunmehr stärker und kraftvoller, in dieser Zeit, in dieser Welt, in dieser Gesellschaft, in der wir vor so großen Herausforderungen stehen, erwachsen, besonnen, ruhig und entschieden zu agieren. Die so eklatant von meinen Erfahrungen abweichenden Perspektiven schockieren und machen mich fassungslos.

Ich würde mir wünschen, dass falls das Folgende in einem weiteren Artikel zitiert oder inhaltswiedergebend verwendet wird ich vorab, um Autorisierung gefragt werde. Ebenso bitte ich Sie das Geschriebene nur unter Nennung meines Vornamens zu veröffentlichen und meinen Nachnamen als anonym zu behandeln.

Ich kenne die Gemeinschaft “Go and Change” schon aus der Zeit in Halle, war damals jedoch eher meinen Bruder besuchen, der kurz nach der Gründung zu der Gemeinschaft dazustieß, als wirklich an der Gemeinschaft interessiert. Dennoch lernte ich sie kennen und bemerkte, dass es mich berührte, wie sie miteinander umgingen und dass sie etwas in der Welt verändern wollten. Nachdem ich studienbedingt länger im Ausland war kam ich gerade rechtzeitig zur Eröffnungswoche in Lülsfeld wieder. Ich genoss die Zeit in Gemeinschaft: Die Gruppe war gerade erst im Kloster eingezogen mit damals unter 20 Bewohnern, wenn ich mich recht erinnere, und schon ein riesiges Fest verstaltend – geschätzt waren die Woche 100 Leute dort. In einer kleinen Ansprache berührte mich ein Bild: Aus meiner Erinnerung ungefähr so: Wir möchten hier einen Ort aufbauen an dem ein großes Licht scheint und jeder kann mit seiner Kerze, mit seinem Licht kommen, auftanken, sich inspirieren lassen, wachsen und die Werte von Liebe, Frieden, Mitmenschlichkeit, Verbundenheit und Gemeinschaft in der Welt mehren. Seit dieser Zeit war ich häufiger zu Besuch. Bevor ich einzog hatte ich viele Gespräche mit Menschen aus der Gemeinschaft. Darin wurde mir auch geraten doch mal eine längere Zeit am Stück dort zu sein, bevor ich mich entscheide einzuziehen, um zu schauen und zu überprüfen ob es tatsächlich das ist was ich mir vorgestellt habe und ob es passt zwischen mir und der Gemeinschaft. Im September 2018 war ich einen Monat dort, und nach wie vor berührt und begeistert. Ich wollte mein Studium in Göttingen noch beenden und zog dann nach Lülsfeld zu “Go and Change”. Bereits in Göttingen wohnte ich in einer WG mit sechs Freunden, zu welchen ich vor, während und nach der Zeit von “Go and Change” engen Kontakt hatte, einige besuchten mich. Gleiches gilt für meine Familie: Meine Mutter, mein Vater, selbst meine Cousine besuchten uns im Kloster. Sie waren alle Willkommen in meinem neuen Zuhause. Wir sprachen offen mit allen Seiten darüber wie viel Gemeinschaft stimmig war – entschieden gemeinsam. Keiner musste irgendetwas, ich bekam selbstverständlich Zeit für meine Gäste und wir machten Ausflüge in die Gegend und verbrachten Zeit mit der Gemeinschaft beim Essen oder im Wohnzimmer, je nachdem – also ganz normal, wie ich finde. Die Anschuldigungen an dieser Stelle in Ihrem Artikel (“Besuch von Angehörigen sei meist nicht gerne gesehen.”) habe ich so nicht erlebt, bzw. genau das Gegenteil – weder auf mich bezogen, noch habe ich ablehnendes Verhalten von anderen gegenüber Angehörigen beobachten können. Während der Zeit verbrachte ich viel Zeit in der Gemeinschaft und mit den Menschen dort. Wie vor dem Einzug transparent gemacht und von mir gewünscht arbeiteten wir zusammen, aßen zusammen, wohnten zusammen, verbrachten Freizeit zusammen, meditierten zusammen, tanzten zusammen, verbrachten Zeit im Wohnzimmer zusammen, bei offenen Abenden oder gemeinsamen Gesprächsrunden. Darüber hinaus gab es regelmäßig “individuell freie Tage”, an denen jeder ohne Struktur machen konnte wie es ihm oder ihr gefiel. Von “Psychodruck” kann hier wirklich keine Rede sein.

Durchaus ist es wirklich ein anderes Leben als in dieser Gesellschaft heute gewöhnlich, und daran muss man sich gewöhnen und wirkt für Außenstehende vielleicht anfänglich irritierend oder befremdlich. Ich war mir jedoch zu jedem Zeitpunkt bewusst über die Ausrichtung und den Fokus der Gemeinschaft eben auf das Gemeinsame, auf das wirklich als Menschen mit Licht und Schatten zusammenkommen, und auch auf das gemeinsame anschauen und tranformieren dieser Schatten, welche mich daran hindern das zu leben, was ich leben möchte. Weiter möchte ich sagen, dass die Mitglieder der Gemeinschaft einen aktiven Wunsch danach hatten, dass jeder vom erstmaligen Besucher bis hin zu den Bewohnern ein genaues und präzises Bild davon hatten, wo wir als Gemeinschaft hinwollen und durchaus gingen viele Gespräche, ob in kleinen offenen Gruppen oder in der ganzen Runde um dieses Thema. Dabei waren Werte von Transparenz, Offenheit, Beteiligung, Selbstverantwortung für uns – als Gemeinschaft und jeden Einzelnen – willkommen und gewünscht, eben unsere Ausrichtung, welche wir uns selber gegeben haben und an welcher wir uns orientieren wollen. Diese Entscheidung jedes Einzelnen zu uns zu kommen, war in höchstem Maße auf einer transparenten und sehr klaren und bewussten Grundlage getroffen worden und war darüber hinaus jederzeit und freiwillig korrigierbar und revidierbar. Niemand wurde dazu auf irgend eine Art und Weise gezwungen an Gruppen, konkreten Arbeiten, gemeinsamen Essen, teilzunehmen. Wie Sie in Ihrem Artikel schreiben “Die Tore sind geöffnet”, sowohl zum willkommenen Eintritt, als auch zum freiwilligen gehen – ob auf Zeit oder gänzlich. Es war mir bewusst, dass es ein intensives Leben mit vielen Neuen und ungewohnten Einflüssen von vielen Menschen und viel Nähe sein würde, bevor ich einzog und während ich dort wohnte. Ausdrücklich möchte ich sagen, dass ich keine Form von “Psychodruck” bei “Go and Change” erlebt habe, weder was meine eigene Person betrifft, noch auf andere Personen bezogen. Im Gegenteil: Menschen wurden, wenn sie es wollten, dabei unterstütz erwachsen und sehr differenziert und über viele Dimensionen bewusst Entscheidungen zu treffen. Gerade in diesem Bereich habe ich bei Go and Change sehr viel gelernt, über mich, wie ich Entscheidungen – innerhalb und außerhalb von Go and Change  – treffe. Der Austausch über diese Themen mit den anderen, das mitbekommen und begleiten von Entscheidungsprozessen anderer gab mir die Möglichkeit viel bei mir wiederzuerkennen und selber aus den Entscheidungen und den daraus folgenden Konsequenzen anderer zu lernen. Neben der ca. 10-köpfigen Klosterleitung, welche sich um die Organisation der Arbeitsbereiche einerseits und als kompetente Ansprechpartner für persönliche Themen andererseits erwiesen haben, ist die Arbeit von K.K. und Felix hier ausdrücklich hervorzuheben. Deren Hingabe und unbedingtes Anliegen die Gemeinschaft zu einem wunderbaren Ort zu machen war für mich immer wieder Inspirationsquelle und berührte mich an vielen Stellen. So konnte ich mit deren Hilfe lernen mich an Stellen anzunehmen, wie ich bin und somit einen weiteren Schritt zu gehen, hin zu einem Erwachsenen und Selbstbewussten, kraftvollem Selbst, welcher sich bewusst über seine Rolle in der Gemeinschaft und Gesellschaft ist. Manchmal forderte es mich heraus und schließlich bin ich auch deswegen gegangen, mich so anzunehmen wie ich bin. Die Schuld daran jedoch anderen zu geben liegt mir fern und tut in meinen Augen dieser Welt nicht gut.

Noch einige Worte zur Kinderbetreuung: Hingabe, Klarheit, unbedingtes Bemühen, über die eigenen Befindlichkeiten hinausgehen um das Wohl der Kinder zu mehren, Liebe, Brüder- und Schwesterlichkeit, Elternliebe, Entfaltung, Struktur, Inspiration, Kreativität und sehr sehr viel Aufmerksamkeit. Dies sind Wort die versuchen das zu beschreiben, was ich erlebt habe, wenn es um die Kinder in der Gemeinschaft, ob der Bewohner oder der Gäste geht. In vielen Gesprächen haben wir uns über die Kinder ausgetauscht, wo sie stehen, wie sie jeder Einzelne wahrnimmt, was sie in der konkreten Situation unterstützen könnte. Sowohl mit den Eltern, mit der Kinderbetreuung, mit der Leitung, aber auch mit allen anderen Bewohnern. Ich bin der Meinung, dass die Kinder in der Gemeinschaft es wirklich, wirklich gut haben und bin sicher und wünsche es ihnen, da sie mir am Herzen liegen, dass sie weiter die Zeit genießen, in Freude tanzend durch die Flure laufen, in dieser stabilen und geschützten Umgebung Kind sein dürfen mit allem was dazu gehört und somit eines Tages zu wunderbaren Erwachsenen werden. So kann ich das Lob des Jugendamtes nur teilen.
Als die beiden Kinder gestorben sind, wohnte ich noch nicht im Kloster, war aber beidesmal dort. Diese Schicksalsschläge haben die Gemeinschaft wirklich erschüttert. Über dieses Thema wurde damals in der Presse berichtet und hat für mich hier unter dieser Überschrift nichts zu suchen.

Noch kurz zum Kontakt mit der Region: Ich habe erlebt wie wir die Erlöserschwestern besucht haben und sie uns besucht haben – zum Beispiel auch als wir unsere Kinder zu Grabe tragen mussten, aber auch bei gemeinsamen Taize Singen. Es gibt regelmäßig Begegnungscafes für alle Interessierten der Region, wo einige von uns für Frage und Antwort bei Kaffee und Kuchen zur Verfügung stehen. Die Beteiligung von uns in der Feuerwehr, im Fußballverein oder der lokalen Politik wurde bereits angesprochen und kann ich nur bestätigen.

Nun noch zu der Frage warum ich persönlich ausgezogen bin: Wie ich schon angedeutet hab, fiel es mir schwer einige Teile von mir so anzunehmen wie sie sind. Ich bekam viele Unterstützungsangebote, jedoch wollte ich diese nicht annehmen. Schlussendlich zog ich nach einem gemeinsamen Gespräch, in welchem ich aufgefordert wurde zu gehen, einvernehmlich aus. Trotz dessen war ich einige Tage später bereits wieder für einige Tage im Kloster und klärte noch einige Dinge, wobei mich Felix für mehrere Stunden unterstützte. Seitdem verbrachte ich regelmäßig Zeit im Kloster, habe Kontakt zu Einzelpersonen, und erfahre die Gemeinschaft weiterhin als offen, liebevoll, vergebend. Die Tore der Gemeinschaft sind weiter offen.

Soweit meine Perspektive auf die Zeit bei Go and Change und mein Beitrag an einer Transparenz und Offenheit über Go and Change. Wie Sie in ihren journalistischen Grundlagen bekennen, haben Sie sich einer positiven Fehlerkultur verschrieben: Daraus folgt für mich in diesem konkreten Fall eine ausführliche Richtigstellung unter Einbeziehung der zur Verfügung gestellten Informationen über Sebastian Stark (welcher in meinen Augen als Quelle nicht wirklich aussagekräftig ist, da er mit Felix und K.K. vor 10 Jahren Kontakt hatte und seitdem “Go and Change” in Lülsfeld ist nur wenige male zu Besuch war – Ich habe ihn nie gesehen.), der Perspektive von Psychologen und anderer gemeinschaftserfahrener Personen z.B. ZEGG, welche seit mehr als 20 Jahren solche Prozesse durchmachen (müssen).

Liebe Grüße,
Fritjof 25


27.05.2020 - 18:04 von Alys an die Mainpost

Sehr geehrter Herr Stahl, sehr geehrte Frau Jeske,

Ihren kürzlich veröffentlichten Artikel über die Go&Change Gemeinschaft in Lülsfeld finde ich infam!

Derart üble Nachrede und Vorwürfe bestimmter Personen nach ausschließlich einseitig recherchierter, unkritischer und unhinterfragter Überprüfung abzudrucken, macht mich wütend.

Ehrlicher Journalismus ist jederzeit und immer an einer authentischen Darstellung ÜBERPRÜFTER Verhältnisse und Fakten interessiert und trägt in diesem Rahmen zu gesellschaftlicher Aufklärungsarbeit bei.

Ich kann keinerlei Bemühungen Ihrerseits erkennen, die schwerwiegenden Anschuldigungen gegen Go&Change und die Personen, die diese vorbringen, kritisch zu hinterfragen, um zu einer adäquaten Wahrheitsfindung beizutragen.

Das entspricht nicht den Werten eines aufrichtigen Journalismus!

Ich kenne die Gemeinschaft und ihre Mitglieder gut, da ich erst kürzlich mehrere Monate dort gelebt habe und 2019 schon als Gast zu Besuch war.

Ich bin jederzeit bereit, öffentlich Stellung zu beziehen und über meine Erfahrungen dort zu berichten, gerne auch persönlich.

Nachdem Sie es allerdings gewagt haben, so einen „Schund“ abzudrucken, stelle ich berechtigt in Frage, dass ihre Zeitung überhaupt an wahrheitsgemäßer Aufklärung und Wiedergutmachung interessiert ist und bin gespannt von Ihnen eine Stellungnahme über ihr weiteres Vorgehen zu hören, um diese Zweifel auszuräumen.

Ich werde – wie hoffentlich einige Freunde und ehemaligen Bewohner der Gemeinschaft – einen Erlebnisbericht über meine Zeit bei Go&Change verfassen. Da mein Vertrauen in Ihre Berichterstattung aufs Tiefste erschüttert ist, ziehe ich eine Veröffentlichung über vertrauenswürdigere Medien in Betracht.

In Erwartung Ihrer baldigen Antwort,
Alys, 34

27.05.2020 - 10:30 von Robert Grigull an die Mainpost

Ich bin auch ein ehemaliger Bewohner des Klosters und kann nicht nachvollziehen was Sie in Ihrem Artikel schreiben. Deshalb möchte ich Ihnen kurz meine Erlebnisse schildern.
Ich war Mitte 2018 auf Anraten eines Freundes das erste Mal als Gast bei Go&Change. Ich kann mich erinnern, wie ich sehr skeptisch angereist bin. Das Kennenlernwochenende hat für mich in einer großer Runde begonnen, bei der sich jeder vorgestellt hat. In den nächsten Tagen habe ich sehr viele kritische Fragen gestellt. Meine Fragen wurden ernst genommen und ich habe gute Antworten erhalten, die mir an vielen Stellen neue Perspektiven eröffnet haben.


Am Ende meines ersten Wochenendes war ich sehr berührt von der Nähe, Menschlichkeit und Liebe, die ich erlebt hatte. In den darauffolgenden Monaten bin ich 1-2-mal pro Monat über das Wochenende zu Go&Change gefahren. Meine Eindrücke bezüglich Nähe, Menschlichkeit und Liebe konnte ich immer wieder bestätigt sehen. Deshalb bin ich Anfang 2019 eingezogen.
Ich habe die Gemeinschaft dann Mitte 2019 wieder verlassen, da ich gemerkt habe, dass ich gerne auf andere Art und Weise weitergehen möchte. Mein Ausstieg verlief unproblematisch.
Ich habe in dieser kurzen Zeit enorm viel gelernt und bin allen Personen bei Go&Change wahnsinnig dankbar für ihre Unterstützung. Ich bin berührt davon, dass es einen Ort gibt an dem Menschen so für ein besseres Miteinander kämpfen.
In Ihrem Artikel wird das Zusammenlebens bei Go&Change in einer Weise dargestellt, die ich nicht erlebt habe und auch nicht nachvollziehen kann. Sie bringen in Ihrem Artikel absurde Anschuldigungen. Ich habe keinen “Psychoterror”, keine “Gehirnwäsche”, keine “sexualisierte Gewalt”, kein “gewaltsames Aufbrechen der Persönlichkeit” und keine “Folter” erlebt oder beobachtet. Ich habe viele Menschen gesehen, die glücklicher, liebvoller, selbstsicherer und gesünder geworden sind.
Ich bin außerdem erschüttert wie negativ Sie über die Kinderbetreuung von Go&Change berichten. Die Kinderbetreuung von Go&Change habe ich als durchweg liebevoll erlebt. Alle Kinder waren über den ganzen Tag betreut. Tagsüber haben sich mindestens zwei Personen um die Gruppe der Kinder gekümmert. Wenn ein Kind nicht in der Gruppe war, lag dies daran, dass es Zeit mit seinen Eltern verbrachte. Auch nachts gab es eine Person, die immer ein Babyphone dabei hatte und darauf gelauscht hat, ob ein Kind wach geworden ist und schreit. Wenn dies der Fall war, ist die Person sofort zu dem Kind und hat es beruhigt. Ich kann mich der im Artikel genannten Einschätzung des Jugendamtes anschließen und die Kinderbetreuung bei Go&Change loben. Sie ist vorbildlich.
Sie beschreiben in Ihrem Artikel dass die Frau von Ralf in einer “speziellen Gruppe für “narzisstische Frauen”” gewesen ist. Die Gruppe hatte einen anderen Namen und ich war auch Teil dieser Gruppe. Ich habe somit dasselbe erlebt wie Ralfs Frau. Die Gruppe bestand aus Menschen, die gerade von der Gemeinschaft besonders unterstützt wurde. Wir waren größtenteils von unseren normalen Pflichten befreit, damit wir uns mit uns selbst beschäftigen konnten. Wir haben u.a. gemeinsam Sport gemacht, meditiert, Bücher besprochen und unser Verhalten reflektiert. Es war für mich eine sehr intensive Zeit. Wenn ich heute zurückdenke, ist es eines der liebevollsten Geschenke das ich in meinem Leben erhalten habe.
Als ich mich entschieden habe Go&Change zu verlassen, gab es von der Gemeinschaft das Angebot mich zu unterstützen, wenn ich Hilfe benötige. Auch alle weiteren Kontakte, die ich seitdem mit Go&Change hatte waren durchweg positiv.
Es macht mich wütend, wenn ich lese wie verzerrt Go&Change dargestellt wird, deshalb fordere ich Sie auf, meine Erlebnisse in Ihren Artikel einzuarbeiten. Bei weiteren Fragen können Sie mich gerne per E-Mail kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen
Robert Grigull (M.Sc. Psychologie)


27.05.2020 - 08:01 von Georg Barthels an die Mainpost


Sehr geehrte Frau Jeske, sehr geehrter Herr Stahl,

als ehemaliger Bewohner des Klosters Maria Schnee schreibe ich ihnen, da ich ihren Artikel über die mir sehr gut bekannte Gemeinschaft Go&Change gelesen habe. Drei Jahre habe ich dort gelebt und habe im Gegensatz zu den von ihnen Zitierten durchweg Positives zu berichten. Ihr Artikel liest sich gut, ich fühlte mich an die Reportagen von Claas Relotius erinnert, nur bestürzte mich die Ihrige sofort, da ich um den Gehalt der Wahrheit weiß und durch die getroffenen Aussagen,

durch das Bild, das gezeichnet wird, mein ehemaliges zu Hause, meine Freunde und die Gemeinschaft, die ich sehr schätze, diffamiert werden. Sie haben sich, vielleicht durch Bequemlichkeit, vielleicht durch den Glauben an eine besonders gute Enthüllungsggeschichte und damit eventuell auch dem Streben nach Wahrheit, leider zum Sprachrohr einiger weniger “Eingeschnappter” gemacht. Gern bin ich durch meine Erfahrungsberichte behilflich zur Wiedergutmachung beizutragen. Und was ich berichte muss nicht anonymisiert werden, sondern ich bitte sie mich namentlich zu nennen. Allerdings sollte für mich auch ersichtlich sein, dass sie diese Klarstellung wirklich wollen, da ich, wie wohl verständlich, ein gewisses Misstrauen ihnen gegenüber entwickelt habe. Ich lese aus dem Artikel heraus, dass sie auf der Suche waren das Bild der “Schattenwelten” zu bestätigen. Sie haben den Bürgern, den Bürgermeistern, von Lülsfeld, die alltäglich mit der Gemeinschaft in Kontakt sind keinen ersichtlichen Glauben geschenkt, dafür aber einem Blogger aus dem Internet, der mal bei uns war. Wieso haben sie nicht weitere Anstrengungen unternommen, die ihre These in’s wanken hätten bringen können? Ich bitte sie, nein, ich fordere Sie dazu auf diese Falschdarstellung entsprechend! zu korrigieren.

Mit freudlichen Grüßen,
Georg Barthels, Zimmerer Meister


26.05.2020 - 23:53 von Arndt Endriß an die Mainpost


Sehr geehrter Herr Stahl, sehr geehrte Frau Jeske,

ich bin ein ehemaliges Gemeinschaftsmitglied von Go&Change und lebte fast 3 Jahre im Lülsfelder Kloster. Ich habe Ihren Artikel “Schattenwelt” in der vergangenen Samstagsausgabe der Main-Post gelesen und bin entsetzt, was für ein düsteres Bild darin von der Gemeinschaft gezeichnet wird. Genauso entsetzt bin ich über den Aufwand, den ein paar ehemalige Mitglieder scheinbar betrieben haben, um Go&Change in ein schlechtes Licht zu rücken.

Die Erfahrungen, die ich gemacht habe, sind jedenfalls durchweg positiv. Ich werde das soziale und fürsorgliche Miteinander bei Go&Change immer in guter Erinnerung behalten und kann nur jedem empfehlen, sich mal näher mit der Gemeinschaftskultur zu befassen.

Daher frage ich mich, wie Sie beiden als Autoren es verantworten können, eine Gruppe Menschen in aller Öffentlichkeit derart an den Pranger zu stellen, ohne sich zuvor ein umfassendes Bild zu machen? Go&Change hat einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Es hätte genügend Möglichkeiten für Sie gegeben, sich unterschiedliche Meinungen von Leuten einzuholen, die die Gemeinschaften von innen kennen, bevor Sie diesen Artikel schreiben.

Ich hoffe, ich kann Ihnen hiermit einen Anstoß geben, sich auf den Pressekodex zu besinnen und gemäß Ziffer 3 nun wenigstens für Richtigstellung zu sorgen, ja, ich fordere Sie sogar dazu auf! Gerne bin ich bereit, Sie bei der Aufarbeitung zu unterstützten und Ihnen in einem persönlichen Gespräch ausführlich über meine Zeit bei Go&Change zu berichten. Dazu benötige ich aber Ihre Garantie, dass Sie an einer wahrheits- und sachgemäßen Aufarbeitung interessiert sind und nicht die „Sensation“ das Maß ist.

Ich setzte Go&Change auf cc, so dass man dort über meine Kontaktaufnahme mit der Main-Post informiert ist.

Mit freundlichen Grüßen,
Arndt Endriß


26.05.2020 - 15:08 von Jeremias Dott an die Mainpost


Sehr geehrter Herr Stahl, sehr geehrte Frau Jeske, sehr geehrte Redaktion der Mainpost,

Ich möchte mich gerne zu Ihrem Artikel über die Gemeinschaft “Go and Change” in Lülsfeld äußern.

Ich kenne ich die Gemeinschaft seit etwa 3 Jahren und habe dort in regelmäßigen Abständen Zeit verbracht, die Menschen, Strukturen und die Arbeit vor Ort intensiv kennengelernt und befand mich von Juli letzten Jahres bis vor einigen Wochen selbst in Annäherung an die Gemeinschaft. Letztendlich bin ich in das Kloster aber nie eingezogen, habe aber dort auch längere Zeitabschnitte verbracht.

Ich habe mich dabei als Arzt stets kritisch mit den Überzeugungen und Vorgehensweisen bei Go and Change auseinandergesetzt.
Ich bin über die Darstellungen die einige der ehemaligen Gemeinschaftsmitglieder oder Besucher des Klosters Ihnen unterbreitet haben entsetzt und möchte Ihnen gerne meine Wahrnehmungen schildern.

Das Kloster ist kein Ort an dem Menschen misshandelt werden oder gegen Ihren Willen zu etwas gezwungen werden. Jedem Besucher oder auch Bewohner steht es frei zu gehen wie und wann er es möchte. Niemand wird zu sexuellen Handlungen genötigt. Es ist ein Ort für Menschen die sich entwickeln möchten, sich selbst tiefer erkennen wollen und auf der Suche nach alternativen Lebensmodellen sind.
Es herrscht eine familiäre Atmosphäre und jeder der sich dort mehr einlässt hat zugestimmt, dass über alles gesprochen werden kann, dass man sich gegenseitig spiegelt und achtet, dass man mitarbeitet an der gemeinsamen Projektidee ein befreites und liebevolles Miteinander zu gestalten.

Es macht mich fassungslos und wütend, wie in Ihrem Artikel die Arbeit der Gemeinschaft und insbesondere einzelne Bewohner diffamiert und öffentlich solch heftigen Anschuldigungen ausgesetzt werden.

Ich kann sagen das ich Go and Change sehr dankbar für das bin, was ich dort erleben durfte. Es hat mein Leben verändert. Mir wurde geholfen liebevoller zu werden, mich selbst mehr sehen und annehmen zu können, mich an den Stellen zu verändern, wo ich ein anderer sein möchte und zu einem ehrlicheren und freudvollerem Kontakt mit anderen Menschen verholfen.

Wer sich entschließt liebevoller zu werden muss auch dahin schauen wo er es noch nicht ist.
Es ist ein Ort an dem kein Blatt vor den Mund genommen wird und so kommt es dazu, dass auch unangenehme Seiten von einen Selbst zum Thema werden.
Deswegen wundert es mich nicht, dass es Menschen gibt die nicht gut auf Go and Change zu sprechen sind, da sie mit unschönen Seiten Ihrer Selbst dort konfrontiert waren. Es ist offensichtlich, dass es ganz bestimmte Leute waren, von denen die Anschuldigungen in Ihrem Artikel stammen.
Dass diese nun aber den Schritt gehen sich bei Ihnen so auszulassen übertrifft meine kühnsten Erwartungen und ist ein Racheakt von gekränkten Einzelpersonen der übelsten Sorte.

Ich fordere Sie hiermit auf, für eine Aufklärung der durch Sie öffentlich gemachten Vorwürfe zu sorgen. Für Rückfragen oder auch ein persönliches Gespräch und ausführlichere Schilderung meiner Erlebnisse stehe ich gerne zur Verfügung, sofern ich den Eindruck habe das es um eine ehrliche Aufarbeitung der Sachlage geht und nicht darum um eine öffentliche Hetzte weiter auszubauen.
Jegliche Veröffentlichung von Aussagen von mir ist anonymisiert möglich, verlangt aber zuvor mein schriftliches Einverständnis.

Mit freundlichen Grüßen

Jeremias Dott, 31, Arzt


26.05.2020 - 14:36 von Ludwig Linnekogel an die Mainpost

Hallo Christine Jeske und Benjamin Stahl,

ich habe gerade ihren Beitrag über Go&Change in Lülsfeld gelesen.
Ich wohne selber nicht mehr dort, war aber bis vor einem Monat für gute 2 Jahre da.

Mich wundert es nicht, dass Menschen, die in dieser Welt etwas gutes bewirken, von wenigen, die es nicht wollen angegriffen werden, weil diese lieber in ihren alten „bequemen“ Gewohnheiten bleiben.
Das ist leider schon immer so gewesen. Kenn ja jeder, wie oft wir uns doch lieber selber an die Nase fassen sollten.

Die Vorwürfe in ihrem Bericht machen mich traurig. Große Schlagwörter (Sex Gewalt Psychoterror Kloster), sind Ihnen wichtiger als die Haltung wirklich zu schauen was los ist.
„Die Tore zur Zufahrt des Klosters sind geöffnet. Abschottung sieht anders aus.“ So ist es.

Ich bin ganz bewusst auf eine Gemeinschaft zugegangen, die mich immer mal wieder herausfordert, Dinge anspricht, die auch mal unbequem sein können.
Es findet keine Trennung/Gewallt statt, sondern Grenzen und immer ist die Bereitschaft da über alles zu reden, um herauszufinden was damit gemeint ist und das Problem zu lösen.
Für mache ist das wohl “Psychoterror” und „Gehirnwäsche“, absurd.

„Willkürlich“ vielleicht für die betroffene Person.
Wenn ich sehe, dass es jemanden nicht gut geht oder andere nicht gut behandelt, sollte es doch normal sein das anzusprechen und herauszufinden was los ist.
„Mir doch egal wie es einem anderen Menschen geht“ erleben wir doch viel zu oft.

“Gewaltsames Aufbrechen der Persönlichkeit“
Wenn es zu tieferen persönlicheren Themen kommt, gibt es immer die Wahl weiter zu forschen, oder es dabei zu belassen und das respektieren alle.
Dabei ist auch klar, wenn jemand (ich), es über Jahre „es dabei belassen will“ irgendwann geht.

„Besuch von Angehörigen sei meist nicht gerne gesehen. Fast alle Aussteiger wollen anonym bleiben.“
Habe ich nicht erfahren. Meine Eltern, Geschwister und Freunde waren öfters zu besuch, neben den hunderten von Gästen die wir hatten.
Anonymität brauche ich auch nicht…

Ich schätze das Verhalten und die Arbeit von Go & Change.

Lieben Gruß,

Ludwig Linnekogel

01.06.2020 Zitat Robert Grigul aus dem Artikel der Mainpost

“Robert G. schreibt, er habe bei “Go&Change” viele Menschen gesehen, “die glücklicher, liebevoller, selbstsicherer und gesünder geworden sind”. Er habe mehrere Monate im Kloster verbracht – eine “intensive Zeit”, die er als “eines der liebevollsten Geschenke in meinem Leben” beschreibt.”

01.06.2020 Zitat Carlo G. aus dem Artikel der Mainpost

“Carlo G. schreibt zum Beispiel, er sehe “die genannten Vorwürfe als komplett haltlos an”. Er habe “durchweg positive Erfahrungen in der Gemeinschaft gemacht”, die eineinhalb Jahre sein “Zuhause gewesen” sei. Bis heute habe er “ein gutes Verhältnis” zur Gemeinschaft und stehe “voll hinter dem Projekt, das von ehrlichen und hart arbeitenden Menschen aufgebaut” worden sei.”

22.05.2020 Aussagen von Ehemaligen in dem Artikel der Mainpost

Ehemalige Bewohner werfen Go&Change “unabhängig voneinander” “Psychoterror” und “Gehirnwäsche” vor.
“Alles kontrollierende Anführer” und “sexualisierte Gewalt und “Therapie”” gäbe es in der Gemeinschaft.

Die Ehemaligen Bewohner sagen es hätte einen “idealistischen Beginn” gegeben, der sich zu einer angsterfüllten Atmosphäre entwickelte.
K.K. sei zum “Guru” geworden.

Betroffene sagen, das Anschauen von “Schatten” in der Gruppe sei “stark manipulativ”. Eine Frau beschreibt es als “gewaltsames Aufbrechen der Persönlichkeit”, eine andere sagt „Unsere Persönlichkeit wurde instabiler, unser Ich löste sich immer mehr auf“.

Ehemalige behaupten “Sadomaso-Sex” sei Teil einer “Therapie” von K.K.. Sie sagen er bezeichne sich als “Heiler”.

Einige Frauen hätten “Verletzungen” erlitten, eine sogar “schwere körperliche Verwundungen”.

Es sei keiner zum Sex gezwungen worden.

Eine Ehemalige sagt, keine Frau wisse genau was dort passiere und wenn jemand nicht wolle, würde “riesiger Druck” aufgebaut werden.
Es würde als Weigerung an Entwicklung verstanden werden. Frauen ließen sich diese Therapie gefallen, weil sie sich nach “glücklich und innerlicher Freiheit von Schatten zu sein” sehnten.
Warum sie keine Anzeige erstattet haben, wird mit Schulterzucken und erschrockenen Gesichtsausdruck beantwortet. Sie habe Angst vor Verfolgung.

Es wird behauptet, manche hätten durch diese nicht auszuhaltende Lebensweise “massive psychische Belastungen” entwickelt.

Ehemalige behaupten bei uns halte man Mütter an, ihre Kinder nicht zu umarmen, sie zu ignorieren, auch wenn sie Aufmerksamkeit einfordern oder nachts weinen.

*Wir würden gerne die originalen Zitate aus der Mainpost einfügen, müssen die Stellen aber aus gesetzlichen Gründen vorerst sinngemäß wiedergeben, bis die MainPost einer Veröffentlichung zustimmt.