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Berichte von aktuellen Bewohnern


21.06.2020 von Dr. med. Mareike Knoer


Ich wohne seit Herbst 2017 in der Gemeinschaft Go&Change im ehemaligen Klosters Maria Schnee. Seit 1,5 Jahren arbeite ich wieder Vollzeit als Ärztin im Krankenhaus und mache nun meinen Facharzt. Die Klinik ist ein gutes Stück entfernt, so dass ich dort eine kleine Zweitwohnung habe. Die Gemeinschaft, Menschen mit denen mich inzwischen feste familiäre und freundschaftliche Bande verbinden, unterstützt mich auf allen Ebenen in meinem Wunsch der Selbstverwirklichung im Beruf als Ärztin, da mir das Freude bereitet und ein Ausdruck meiner Liebe ist. Ein kleiner Luxus und meine Verantwortung ist das gut ausgestattete Arztzimmer im Kloster, wo ich mir gerne jedes kleinere und größere Wehwehchen ansehe.
In meiner freien Zeit, die ich in der Regel daheim in Lülsfeld bin, bin ich regelmäßig in der Kinderbetreuung eingesetzt. Die Zeit mit den Kindern und die Freude gemeinsam kreativ zu sein, Sport zu machen, auf den Spielplatz zu gehen, Kinderlieder zu singen oder zu kuscheln und zu erzählen ist unendlich wertvoll und erfüllend für mich. Auch im Umgang mit den ganz Kleinen konnte ich meine Befürchtungen etwas falsch zu machen oder es nicht zu können, da ich noch keine eigenen Kinder habe, abbauen. Das Vertrauen der Kinder und der Eltern in mich rührt mich zutiefst. Ich kann Ideen einbringen, mir Rat suchen, wenn ich unsicher bin was für welches Kind gerade das Richtige ist und was es braucht, sowie Situationen nachbesprechen mit Menschen, die die Kompetenz dafür haben. Es ist wunderschön Verantwortung für die Kinder meiner Gemeinschaft zu übernehmen.
Was ein Luxus, oder? Ich denke viele Eltern wünschen sich Rückmeldung oder fundierten Rat und sind immer mal wieder am Rande der Verzweiflung mit ihren Kindern. Jedenfalls erlebe ich häufig Eltern mit ihren Kindern in der Notaufnahme und meist ist das unterstützende Gespräch das heilsamste an dem Krankenhausbesuch. Gesellschaftlich wird Kindererziehung leider als etwas gesehen das man als Eltern eben können muss.

Ich würde mich, um es in den Worten von Herrn Pöhlmann und Lohmayer aus dem letzten Artikel auszudrücken, als ins „normale“ Leben integriert bezeichnen. Ich pflege weiterhin meine familiären Kontakte und Freundschaften aus Kindertagen oder aus dem Studium. Diese sind durch meine persönliche Entwicklung der letzten Jahre ungemein bereichert worden. Sie sind nun herzlicher, ehrlicher, offener und verbindlicher.

Die Hauptarbeit, der wir uns gewidmet haben sind zwischenmenschliche Beziehungen und wie wir sie immer liebevoller gestalten können. In zwischenmenschlichen Beziehungen geschehen Verletzungen, ich denke aus Familie, Freundschaft oder Partnerschaft kennt es jeder, unabsichtlich und manchmal auch absichtlich. Dann braucht es eine ehrliche Entschuldigung um wieder zusammenzukommen, finden sie nicht auch? Wir sprechen es an wenn Verletzungen passieren und schauen gemeinsam warum und wie wir eine Lösung finden, so dass es nicht mehr zwischen uns steht, wir uns wieder näher kommen und es sich nicht wiederholt. Man kommt nicht umhin auch unschöne Seiten in sich anzuerkennen und dafür Verantwortung zu übernehmen und sich nicht dumm zu stellen, was in der normalen Gesellschaft immer gut funktioniert, besonders als Frau. Dafür braucht es auch Grenzen an den Stellen wo man blind um sich schlägt und es einfacher ist alles auf andere zu schieben und Vertrauen, Liebe und Erfahrungen miteinander auf die man zurückfällt.
Es ist gleichzeitig unangenehm mit Allem gesehen zu werden was man ist, mit den schönen und den hässlichen Stellen, und andererseits wunderschön nichts mehr zu verstecken, sein zu dürfen und dann gemeinsam die Teile zu lieben und ihnen einen Platz zu geben, ohne dass weitere Verletzungen entstehen und gemeinsam immer Schöner zu werden.
Das ist harte Arbeit, da unter anderem faule, egozentrische, gehässige und arrogante Anteile, sowie auch gesellschaftlich geprägte Bilder in uns allen sich dagegen wehren. Jeder von uns ist in der Verantwortung für sich und andere jeden Tag in den unterschiedlichsten Situationen immer wieder die Entscheidung für Miteinander und Liebe zu treffen.
Durch die Arbeit, die wir machen, fällt es mir persönlich nun leichter meine Gefühls- und Gedankenwelt in Einklang zu bringen und ich selbst zu sein, mit Übung, Geduld und Güte, sowie viel Unterstützung und Rückmeldungen der Gemeinschaftsmitglieder. Danke! Wir sind inzwischen in einer Nähe und Tiefe miteinander, die ich mir in meinem Leben zuvor nicht vorstellen konnte und es entsteht so viel Freude und Glück.

Ich habe mich in den letzten Jahren in dem engen Kontakt viel mit meinen eigenen Bewertungen und Bildern auseinandersetzen müssen, von besser/schlechter und mehr oder weniger wert, nur weil wir alle unterschiedlich sind und Stärken und Schwächen haben.
Es war und ist ungemein wichtig anzuerkennen was ich kann oder nicht kann, was noch zu lernen ist oder um Hilfe zu fragen, wenn ich alleine nicht weiterkomme und anderen zu helfen. Von dort aus kann man dann (zusammen) weitergehen. Ich kann schließlich keine Ohroperation durchführen wenn ich nicht mal die Anatomie gelernt habe oder die OP-Schritte weiß und kein Oberarzt der mich anleitet, kein Anästhesist für die Narkose, sowie keine OP-Schwester da sind.
Zum Beispiel ist meine Sicht auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen und gleichzeitig alle im Blick zu haben mit dem was jeden Einzelnen bewegt nicht so umfassend wie von anderen in der Gemeinschaft. Das ist zudem viel Verantwortung und daher auf die Schultern Mehrerer verteilt, die sich regelmäßig austauschen. Im Leitungsteam findet auch immer wieder Wechsel statt, da man Kompetenzen auch entwickeln kann und manchmal Lebensphasen sind in denen man mehr Rückzug und Zeit für sich braucht. All das wird mit berücksichtigt. Dafür bin ich unendlich dankbar und vertraue darauf aus nun 3-jähriger Erfahrung im Zusammenleben. Unser Zusammenleben wird von allen Bewohnern mitgestaltet, jeder gibt seine Kreativität und persönlichen Ausdruck, sowie Erfahrung und Sicht auf die Welt, mit rein.

Über die Aussage im letzten Artikel, dass die eigene Verantwortung genommen wird musste ich herzlich lachen. Ich hab mich in meinem Leben bisher nie so sehr in meiner eigenen Verantwortung, Entscheidungsfreiheit und Fähigkeit zu wählen und erfolgreich darauf hinzu arbeiten was ich mir wünsche wahrgenommen.

Unser Miteinander ist von Mitgefühl, wirklichem Interesse aneinander, ehrlicher und offener Rückmeldung und der Ausrichtung auf gemeinsames Wachstum in familiärem vertrauensvollen Umfeld geprägt. Dieses Miteinander schließt alle mit ihren jeweiligen Schwächen und Stärken ein und fördert jeden individuell, worum sich ein ganzes Leitungsteam täglich Gedanken macht und viel Zeit nimmt, maßgeblich K.K. und Felix Krolle. Dennoch ist jeder für sich selbst und seine Beziehungen verantwortlich.
Ich selbst war lange noch nicht entschieden ob das Leben in Gemeinschaft dauerhaft etwas für mich ist. Das enge Zusammenleben, die Auseinandersetzung mit mir selbst im Kontakt mit anderen war, als zuvor alleinlebende Ärztin, eine echte Herausforderung. Mit viel Zeit, Mühe und Liebe der Menschen um mich herum habe ich gelernt mich nicht mehr zu verstellen um geliebt zu werden und dass ich aus Liebe und Leidenschaft Ärztin geworden bin, nicht um einen Wert zu haben oder etwas darzustellen. Ich hab mein Zuhause gefunden.

Mareike Knoer

17.06.2020 von David Born & Artemis Samantha Dixon


Wir sind Artemis (34) und David (28) und leben seit zwei Jahren in Beziehung in der Gemeinschaft Go&Change. Dank diesem Ort und unserer Wahlfamilie hier, erwarten wir unser erstes Kind im Herbst.

Vor Go&Change waren wir beide auf der Suche nach gleichgesinnten Menschen, die sich entwickeln wollten, dem Leben einen Wert geben und zu einer schöneren Welt beitragen.

Ich (David) hatte mich intensiv mit Philosophie und Mystik auseinandergesetzt. Es begeisterte mich, wie diese Themenfelder bei Go&Change nicht nur als abstrakte Theorien fungieren, sondern lebendig werden, indem sie angebunden an den Alltag, gelebt und verkörpert werden.

Ich (Artemis) habe ein Psychologiestudium abgeschlossen und eine Karriere als BBC Journalistin hinter mir, und wollte herausfinden, wie ich meine Interesse und Beruf mit meinem alltäglichen und Familienleben kombinieren konnte. Bei Go&Change arbeite und lebe ich mit meinen nächsten Freunden zusammen und erfahre meine Arbeit als bedeutungsvoll für uns und für die Welt. Wo ich vorher gesehen habe, dass meine Energie eine Firma unterstützt erfolgreicher zu werden, sehe ich jetzt wie meine Bemühungen unser Zuhause verschönern, unsere Kinder glücklicher und gesünder machen, und unser Miteinander vertieft.

Wir werden hier immer schöner und authentischer. Die Kultur unterstützt uns in unserer Beziehung immer weiter für einander aufzumachen und tiefer zu gehen. In allen Phasen unserer Partnerschaft, hilft uns die Gemeinschaft dabei den liebevollsten Weg aus unseren Konflikten zu finden, oder das Glück zwischen uns zu erkennen, wenn wir es nicht sehen können. Wir können uns immer mehr aufeinander verlassen, und erlauben uns in unserer Lebendigkeit und einzigartigem Ausdruck, immer mehr wir selbst sein zu können.

Wir können uns keinen besseren Ort vorstellen, um unser Kind großzuziehen. Wir leben und arbeiten zusammen als eine große Familie. Dadurch haben die Eltern viel mehr Zeit und Energie für ihre Kinder, als in der typischen Kleinfamilie. Sie genießen 24-7 Unterstützung von einer gemeinsamen Kinderbetreuung, und bekommen ständigen Rat von der Kinderleitung, anderen Eltern und der Gemeinschaft um festzustellen, wo die Kinder in ihrer Entwicklung stehen und was sie und die Eltern brauchen. Alle Erwachsenen kümmern sich um die Kinder, als ob sie ihre eigenen wären und die Kinder erfahren dadurch eine starke Geborgenheit und Eingebettetsein. Wir sind so glücklich so viel Unterstützung erfahren zu haben, in der Entscheidung Eltern zu werden und mit all den Themen, die während der Schwangerschaft hochkommen.

Uns trifft es, dass unser Leben und Familie in der Mainpost so einseitig dargestellt wird. Wir kennen keinen anderen Ort, an dem sich so liebevoll und wertschätzend um jeden Einzelnen bemüht wird.

Wir sind dankbar für die Arbeit und Vision von K.K. und Felix Krolle die diesen Ort ins leben gerufen haben.
Von David und Artemis (Sam)


13.06.2020 von Lennard Tamm

Hallo lieber Leser,
mein Name ist Lennard Tamm, ich bin 25 Jahre alt und lebe seit nun über einem Jahr in der Gemeinschaft Go&Change. Ich würde gerne erzählen wie mein soziales Leben vor Go&Change war und wie es sich im vergangenen Jahr verändert hat.

Bevor ich damals mit meiner Mutter und Schwester zusammen das erste mal hier zu Besuch war, habe ich noch nie etwas von Gemeinschaft gehört oder hatte sonderlich viel Erfahrung von sozialen Kontakten.

Mich mit Freunden zu verabreden oder mich in meine Schulklasse zu integrieren oder später mit Kommilitonen auszutauschen hat mir seit jeher Schwierigkeiten und Unbehagen bereitet. Sozialen Veranstaltungen wie Fußballtraining oder gemeinsamen Feiern bin ich gekonnt aus dem Weg gegangen.

Meine Freizeit habe ich fast ausschließlich vor dem Computer verbracht, wo ich beim Spielen meiner Begeisterung fürs strategische Denken nachgehen konnte und es mir leicht viel übers Internet mit anderen in Kontakt zu gehen und Spaß zu haben.

Ich hätte nie von mir gedacht, einmal so nah mit anderen Menschen sein zu können wie ich es jetzt hier bei Go&Change bin. Früher bin ich immer weggelaufen und habe nicht den Mut gefunden aufzumachen und in Kontakt zu gehen. Mich mit anderen über meine Gefühle, Ideen, Sehnsüchte und Träume auszutauschen war unmöglich, selbst mit meinen Eltern oder meinem besten Freund ging das nur schwierig. Das ist jetzt anders.

Nun habe ich gefunden, was ich mir schon immer gewünscht habe. Ein Zuhause mit Menschen die sich das Ziel gesetzt haben sich und andere liebevoller zu behandeln, für einander einstehen, in sich aufzuräumen und sich dabei gegenseitig zu begleiten und zu unterstützen.
Durch das zusammenleben auf engem Raum, lerne ich mich ehrlicher und authentischer auf meine Mitmenschen zu beziehen. Ich erfahre, was es heißt Glück miteinander zu Teilen und was es heißt schwierige Zeiten zusammen zu durchleben, was es heißt Werte zu leben und für das einzustehen was mir wichtig ist.

Mein Leben ist, seitdem ich hier bin reichhaltiger geworden. Ich gebe ihm Wert und mithilfe der Gemeinschaft Sinnhaftigkeit und Bedeutung.
Ich verwirkliche meine Kreativität als Koch, teile meinen Enthusiasmus über das Computerspielen und bringe es meinen Freunden als unser interner Gaming Leiter auch noch näher. Ich habe meinen Traumjob gefunden. Ich liebe es, mit anderen zu tanzen und zu lachen. Meine Gedanken werden positiver und jeder Tag bekommt Bedeutung. Ich fange an, über mich hinauszudenken. Mir ist es nun ein Anliegen, dafür zu sorgen das es anderen Menschen und mir gut geht und die Welt schöner und verbundener wird.

Es ist unglaublich schön, Teil dieser Gemeinschaft sein zu können. Es erfüllt mich wie Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind, anfangen ihr Potenzial zu entfalten, sich zu entwickeln und über sich hinauswachsen. Wie wir unsere Probleme lösen und dort glücklich werden wo wir uns nicht schön finden, uns darin auch noch gegenseitig freundschaftlich dazu auffordern es uns gleich zu tun und uns niemals aufzugeben.

Nach einem Jahr Go&Change weiß ich was es bedeutet lebendig zu sein.
Ich will diese Art des Miteinanders und Zusammenhaltens fest in meinem Leben verankern und sie mit gleichgesinnten teilen. Die Vorstellung, mein gesamtes Leben mit den Menschen hier verbunden zu sein lößt Vorfreude aus und stellt mich vor ungeahnten Herausforderungen und Möglichkeiten.
Ich bin inbesondere K., Felix und der Gemeinschaft unglaublich dankbar dafür das ich hier sein kann und mit ihnen ein Leben leben kann, welches ich mir vor einem Jahr nicht hätte vorstellen können.


08.06.2020 von Jonas Berkenheide und Daniel Pfordte

Wir, Jonas und Daniel, leben als verlobtes Paar in der Gemeinschaft Go&Change und dürfen diese unser Zuhause nennen. Wir haben uns hier kennengelernt und zueinander gefunden.

Ich, Daniel (31), bin vor drei Jahren mit meinen beiden Kindern und der Mutter der Beiden ins Kloster gezogen. In meiner Zeit vor Go&Change habe ich ein Hydrologiestudium abgeschlossen und einige Jahre in Kleinfamilie gelebt. Ich war auf der Suche nach einem Ort, an dem im Mittelpunkt steht sich selber immer mehr zu entfalten, in der die Kleinfamilie aufgehoben ist und Gemeinschaft im Sinne einer großen Familie möglich ist.

Ich, Jonas (26), habe die Gemeinschaft vor zweieinhalb Jahren kennengelernt und bin dann nach dem Abschluss meines Studiums der Agrarwissenschaft eingezogen. Was mich seitdem an der Gemeinschaft so fasziniert ist, dass wir uns gegenseitig dabei helfen authentischer zu werden. Wir stellen uns gemeinsam unseren Ängsten, verlassen gemeinsam unsere Komfortzonen und erleben uns in unserer Größe. Das Fundament dafür ist ein ehrlicher Umgang miteinander. Dazu gehört genau hinzuschauen, wenn wir einander nicht gut behandeln und die Ursachen dafür aufzulösen. Dadurch ist ein sehr großes Vertrauen entstanden und ich fühle mich seitdem ich hier lebe immer besser. Ich bin gelassener, bin fit und habe körperliche Leiden losgelassen.

Zu uns Beiden: Eine Beziehung, wie wir sie führen, haben wir uns nie zuträumen gewagt. Mit Freude leben wir unsere homosexuelle Partnerschaft in der Geborgenheit der Gemeinschaft. In dieser Geborgenheit, erlaubten wir uns immer mehr alte Bilder loszulassen, die Berührbarkeit darunter zu zeigen und auszudrücken, sowie uns selbst mit Allem was wir sind anzunehmen.
Durch das Vertrauensverhältnis, dass wir uns innerhalb der Gemeinschaft erarbeitet haben, sind wir mit partnerschaftlichen Herausforderungen nicht allein, sondern können sie gemeinsam mit unseren Vertrauten bewältigen.
Dieser gemeinsame Weg hat uns vor drei Wochen zu der Entscheidung gebracht, unser Leben miteinander zu verbringen und zu heiraten. An dem, wie wir finden, sichersten und wunderschönsten Ort, den wir kennen, mit den Menschen, die uns die letzten Jahre begleitet haben. Das sind Menschen, die wir in allen Facetten über die Jahre kennenlernen durften und die gezeigt haben, dass sie in jeder Lebenslage an unserer Seite stehen und die jetzt für uns Familie sind.

Daniel: Meine beiden Kinder finden in unserer Partnerschaft ihren Platz und nehmen Jonas als meinen Partner an. Gleichzeitig ist die Mutter der Kinder, die zwar nicht mehr in der Gemeinschaft wohnt, aber einen engen Kontakt zu uns hat, teil unserer verrrückt-normalen Patchworkfamilie. Hier dürfen nicht nur neue Beziehungen entstehen, sondern auch alte Beziehungen heilen. Dafür sind meine ehemalige Partnerin und ich ein gutes Beispiel. Auch dafür, dass Beziehungsende nicht Mord und Totschlag, sondern ein gemeinsames Aufarbeiten und zusammen Eltern sein heißen kann.

Jonas: Mir waren noch nie Kinder so nahe wie die beiden Söhne von Daniel. Sie nehmen mich als Familienmitglied an und ich setze mich täglich dafür ein, dass es ihnen gut geht. Mit größter Freude blicke ich in die Zukunft, in der ich in meiner Partnerschaft mit Daniel in unserer Gemeinschaft ein gemeinsames Kind großziehen werde.

Wir sind unendlich dankbar und froh diesen Ort mit all den Menschen gefunden zu haben. Einen Ort an dem Werte, wie Treue, Familie, Liebe, Transparenz wieder eine Bedeutung bekommen, weil wir uns gemeinsam dafür einsetzen! Uns trifft es, dass K. und Felix, die mit Abstand am härtesten dafür Arbeiten, dass diese Werte lebendig bleiben, immer wieder in den Fokus solcher Kampagnen kommen.

Jonas & Daniel


07.06.2020 - 19:06 von Willemijn Krol an die Mainpost


Hallo Herr Stahl, Hallo Frau Jeske,

ich bin Mutter eines 4,5 jährigen Sohnes und lebe in der Gemeinschaft
Go&Change in Lülsfeld, zu der Sie am 22.05.2020 in der Mainpost einen Artikel veröffentlicht haben. Das ehemalige Kloster ist seit über zwei Jahren unser Zuhause.

Herr Stahl und Frau Jeske, Sie werden dieses Schreiben höchstwahrscheinlich nicht in ihrer Zeitung veröffentlichen. Darum möchte ich mich persönlich an Sie wenden und Sie folgendes fragen: warum sind Sie ausschließlich den Anschuldigungen einiger ex-Mitglieder der Gemeinschaft nachgegangen und haben keinen fundierten Journalismus betrieben?

Mit diesem Schreiben möchte ich Ihnen meine persönlichen Erfahrungen näherbringen.

Wie ich zu Go&Change gekommen bin:
Ich bin 42 Jahre alt, habe einen Abschluss im Hotelmanagement, ein Bachelor in Wirtschaftswissenschaften und über 26 Jahre Arbeitserfahrung in der Wirtschaft. Während meinem Beruf und in meinem Leben habe ich mit der Zeit festgestellt, dass das Erwerben von Status, Geld und Besitz mich nicht glücklich macht. Ich wollte mehr Verbindung und Authentizität, mich für immer mehr wertvolle Projekte einsetzen, die uns als Menschheit bereichern und mich dabei persönlich entwickeln.
Mit der Geburt meines Sohnes wurden diese Themen noch wichtiger. Mein ex-Mann und ich entschieden uns dazu das übliche Kleinfamilien-Modell zu verlassen und unser Kind in Gemeinschaft großzuziehen.
Anfänglich gingen wir den Weg gemeinsam bis wir uns vor ca. 2,5 Jahren im Guten getrennt haben. Unser Sohn lebt seitdem mit mir hier in der Gemeinschaft.
Meinem Wunsch, bewusster zu leben, meinen Mitmenschen nah zu sein und meinem Sohn einen schönen Start ins Leben zu bieten sind bei Go&Change zur Realität geworden.
Das Wichtigste neben allen schönen Projekten: Wir haben hier Familie gefunden!
Ihr Artikel stellt ein verzerrtes und unwahres Bild von unserer Gemeinschaft, meiner Familie und dem Umgang mit unseren Kindern dar. Ich möchte, dass Sie das richtig stellen.

Zu uns:
Wir leben intensiv, machen Pionier-Arbeit und sind darin nicht perfekt.
Das worauf wir uns geeinigt haben ist es, damit transparent zu sein, uns zu spiegeln, wenn uns Sachen in unserem Verhalten auffallen, respekt- und verantwortungsvoll zu handeln, sowie konsequent zu sein.
Wir haben eine direkte Art miteinander umzugehen, nehmen kein Blatt vor den Mund.
Zu erfahren, wo das eigene Verhalten unschön ist kann weh tun, wenn es lange Zeit ein blinder Fleck war.
Wie sie sich vorstellen können, reagieren Menschen unterschiedlich darauf, wenn Ihnen ihr Verhalten bewusst wird. Manche tun alles daran ihr Verhalten zu ändern um zu einem schöneren Miteinander zu kommen, andere verleugnen die Punkte und fangen an die Wahrheit zu verbiegen um Alles beim Alten zu lassen.
Mit allen ex-Mitbewohnern gab es über Monate, manchmal Jahre hinweg viele Gespräche, Ermutigungen und Unterstützung um an ihren Entwicklungspunkten zu arbeiten. Von den meisten Mitbewohnern haben wir uns im Guten getrennt (wie sie ja gelesen haben), einige sind unzufrieden und haben sich zusammengetan.
Bei allen Gesprächen waren es vor allem K.K., Felix Krolle und das gesamte Leitungsteam
die sich stark für jeden Einzelnen eingesetzt haben und immer wieder neue Ansätze und
Impulse gaben. Wenn es nach der Trennung Unklarheiten gab, wurde eingeladen und
angeboten diese gemeinsam im Gespräch zu klären.

Zu unseren Kindern:
Haben sie sich eigentlich Gedanken darüber gemacht, was die Anschuldigungen über unsere Kinderbetreuung für Folgen haben kann? Ich denke hierbei an den Anschluss im Dorf, die Vereine und die Schulzeit.
Die Anschuldigungen zur Kinderbetreuung sind lächerlich.
Ich habe hier mehr gelernt über liebevolle Konsequenz, was es bedeutet mein Kind wirklich zu meinen und den Kindern Respekt, Ehrlichkeit und Fürsorge für ihre Mitmenschen beizubringen, als in meinem ganzen Leben.
Eine Pädagogin und eine Psychologin leiten aktuell die Kinderbetreuung. Vorher waren das längere Zeit eine Förderpädagogin (mit Staatsexamen) und ein Kinderkrankenpfleger.
Ich wurde und werde als alleinerziehende Mutter von allen Seiten unterstützt.
Von K.K. und der Kinderleitung habe ich viele Perspektiven bekommen, die mir dabei geholfen haben konsequenter und sicherer in der Erziehung zu werden, mich selbst mehr sehen und annehmen zu können und meinem Sohn besser zu verstehen.
Meinem Sohn war als wir hier ankamen sehr verschlossen. Es ist unglaublich schön, ihn jetzt so offen, kontaktfreudig und lebensfroh zu sehen.
Um uns auszutauschen, haben wir einen “Elternrat” wo wir Eltern, unsere Partner und die Leitung der Kinderbetreuung Themen zu unseren Kindern besprechen können.
Weil der Vater meines Sohnes z.B. nicht hier wohnt, haben sich einige Männer der Gemeinschaft viel um ihn bemüht, extra Zeit mit ihm verbracht und ihm liebevoll “väterliche” Aufmerksamkeit gegeben. Aktuell hat mein Sohn ein inniges Band mit einem bald werdenden Vater und seine Partnerin. Wir essen und verbringen viel Zeit miteinander.
Wir sind eine kleine Familie innerhalb der Familie.
Was mich sehr getroffen hat, ist, dass Sie den Tod unserer zwei Kindern auf so eine grobe Weise in Frage gestellt haben.
Wir haben einen intensiven Trauerprozess hinter uns und haben alles dafür getan, alle Seiten anzuschauen. Wir lieben alle Kinder wie unsere eigenen und wollen ihnen eine geniale Zukunft bieten. Wie können sie uns so was unterstellen!!

Herr Stahl, Frau Jeske, vielleicht bekommen sie durch meinen und die vielen anderen, ihnen zugesandten, Berichte langsam einen Eindruck wie wir hier leben und für was wir einstehen.
Ich wünsche mir, dass sie öffentlich (in Ihrer Zeitung) eine Richtigstellung der Faktenlage liefern. Wenn sie Fragen haben, bin ich gerne bereit diese zu beantworten.

Mit freundlichen Grüßen,
Willemijn Krol
B.Sc. Wirtschaftswissenschaften